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Es fühlt sich zunächst fast an wie die Realverfilmung vom „Polarexpress“ als sich der altertümliche Zug in einer verschneiten Winternacht in Gang setzt und die beiden Schaffner als letzte einsteigen, bevor das Vehikel in Gang gesetzt wird.
Mit dem romantischen Zauber ist es allerdings rasch vorbei, als ein ominöses Holzkästchen einige Fahrgäste zu oftmals tödlich verlaufende Fehler verleitet.

An Bord sind unter anderem: Der alte Schaffner Miles (Danny Glover), sein jüngerer Kollege Frankie (Matthias Schweighöfer), der angetrunkene Verkäufer Peter (Steve Zahn) und die Medizinstudentin Chloe (Leelee Sobieski).
Als an der letzten Station ein recht aufgewühlter Mann hinzu steigt und diverse Pillen einwirft, nippelt er kurz darauf ab. Peter schaut in das dunkelbraune Holzkästchen neben ihm und ist wie von Sinnen, da er in diesem Diamanten zu sehen glaubt. Rasch entscheiden sich die drei, die Leiche des Mannes verschwinden zu lassen, womit die Probleme erst beginnen…

Eine recht muntere Genremischung hat Regiedebütant Brian King da zusammengestellt. Angefangen vom makaberen Humor über Krimi und Thriller bis hin zu Mystik treffen einige Aspekte aufeinander und ändern in regelmäßigen Abständen die Marschrichtung.
Zu Beginn vermengen sich häufiger Situationskomik und seichter Dialogwitz, als es um das Verschwinden der Leiche in einem großen Reisekoffer geht und diese an einigen Stellen von der Medizinstudentin zersägt werden muss.
Auch die alte Dame mit ihrem Pinscher im Zug erscheint nicht ganz geheuer, da man früh erkennt, dass dies offenbar ein Kerl in Verkleidung darstellt, doch mit welchem Hintergrund, erschließt sich erst beim turbulenten Finale.

Indes beherrschen Gier und Misstrauen die Szenerie, da niemand dem anderen vertraut und sich bei jedem Schritt abzusichern versucht, indem beispielsweise Schlüssel versteckt oder Verstecke verschwiegen werden.
Offenbar scheint der Anblick des Holzkisteninhalts negative Auswirkungen auf den jeweiligen Betrachter zu haben, zumal jeder etwas anderes wahrgenommen zu haben scheint.
Als sich nach einem Zwischenstopp ein merkwürdiger Gesell für die Kiste interessiert und anbei erklärt, dass niemand der die Kiste gesehen habe, die Nacht überleben wird, driftet man vermehrt in mystische Gefilde ab, spart etwaige Erklärungen jedoch auf, damit man sich schlussendlich sein eigenes Geheimnis um Inhalt und Wirkung der Box zusammenreimen kann.

Was die Geschichte von Anfang an interessant gestaltet, sind seine wenigen aber markanten Figuren und das Setting der verschneiten, wenn auch deutlich mit CGI nachgebesserter Schneenacht. Ab und an rast der Zug in eine verschneite Kurve im Halbschatten, während drinnen die übrigen Fahrgäste in Sicherheit gewogen werden, von denen in jener Nacht ohnehin nicht allzu viele unterwegs sind.
Darstellerisch bildet Danny Glover zweifelsohne den facettenreichsten Part, aber auch Matthias Schweighöfer müht sich mit Erfolg um Glaubwürdigkeit.
Die Charakterisierung aller Beteiligten reicht zumindest aus, um sich aus der Gruppe seinen Sympathieträger herauszufischen.

Ferner kommt der Geschichte das immens hohe Erzähltempo zugute und die Tatsache, dass im letzten Drittel eine Menge Bewegung und auch eine gesunde Portion Action im Spiel sind.
Hier eine Rangelei, dort eine Verfolgung, ein Versteck, eine Täuschung für den später hinzu stoßenden Cop und nicht zuletzt einige Tote beim Kampf um den dubiosen Holzkasten.

Die Melange der Story wirkt im Endergebnis fast wie eine makabere Weihnachtsgeschichte, als wolle einem jemand sagen: Es ist nicht der Zeitpunkt, um sich selbst zu bereichern und es zahlt sich auch selten aus, für Geld und Reichtum über Leichen gehen zu wollen.
Auch wenn die meisten Twists erahnbar sind und so manche Begegnungen arg konstruiert erscheinen, so entfaltet der Streifen ein ordentliches Maß Suspense, gepaart mit schwarzem Humor und grundsoliden Darstellern, die durch die Bank ordentlich performen.
Kurzweilig und mit einigen frischen Ideen angereichert, sei der Film jedem empfohlen, der abseits vom üblichen Weihnachtskitsch ein wenig Winterstimmung mit Handlung eines makaberen Mystik-Krimis genießen möchte.
7,5 von 10

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