Manchmal, wenn die Produktivität mal wieder stockt, da würde man sich gerne mal kurz Charles Bands Mindset ausborgen. Der dreht und produziert völlig unbeschwert seit einem halben Jahrhundert seine zahllosen kleinen Rip-Offs, einfach so, nonstop, immer weiter, ohne sich einen feuchten Kehricht darum zu scheren, ob sie einen künstlerischen Wert in sich tragen, geschweige denn, ob sich in zehn Jahren überhaupt noch jemand mit ihnen beschäftigen wird; schließlich hat er bis dahin wieder ganz neue gedreht.
Als Charles Band 1982 mit „Killerparasit“ gerade mal seinen dritten Film überhaupt realisierte und dafür gemeinsam mit seinen Drehbuchautoren eine dystopische Zukunft erdachte, die inzwischen längst zur Vergangenheit gegoren ist, da tat er das ohne Anspruch auf innere Kohärenz. Völlig egal, ob sich die im Skript behaupteten Kaffee- und Benzinpreise bewahrheiten würden, vertragen musste sich seine Vision vor allem mit den Sehgewohnheiten der zeitgenössischen Klientel, die drei Jahre zuvor die Gelegenheit hatte, Kaliber wie „Alien“ und „Mad Max“ auf der großen Leinwand zu bestaunen. Was er hier liefert, ist eine einfache Mischung dieser beiden Klassiker. Bitte einmal Facehugger-Attacke samt Alien-Geburt auf Filmlänge gestreckt, serviert in einem Bett aus Endzeitszenarien, in denen Papiergeld als Tapete benutzt wird, Konserven den Hunger stillen und eine Limonade aus frisch gepressten Zitronen die ganz besondere Freude der Woche ist, et voilà, der Hunger ist gestillt.
Lamborghinis, Klapperschlangen und jede Menge Staub bestimmen im Weiteren das Szenenbild, das mit starkem Western-Einschlag für sich wirbt und lediglich von einem Tankstellenwart (der klassische Außenposten an den Toren zur Hölle), einem Betreiber eines Diners (die einzige gute Seele weit und breit), einer Motelbesitzerin (Typ „verrückte Alte“) und ein paar nichtsnutzigen Herumtreibern bevölkert wird. Last but not least hat Band auch noch eine taufrische Demi Moore in ihrem Quasi-Filmdebüt zu bieten, ein zartes Pflänzchen in rauer Umgebung, das zarte Pflänzchen in rauer Erde anbaut. Kurzum, viel Getöse, viel Genre-Konformität, viel Zerbrechliches. Wenn das mal nicht das perfekte Biotop für einen Wissenschaftler (Robert Glaudini) ist, seine hochgefährlichen Experimente durchzuführen…
Falls Band mit diesem Mikrokosmos die Symptome einer zusammengebrochenen Weltwirtschaftsordnung darstellen möchte, so tut er dies auf überaus schrullige Weise. In den Topf geworfen wird nicht etwa das, was nahrhaft erscheint, sondern was bunt genug ist, um ein zahlendes Publikum anzuziehen. Deswegen platzt unser Fremder von außerhalb auch erst einmal schön in eine Vergewaltigungsszene und holt sich zum Dank für die Rettung von der Blondine in Not ein paar Schellen ab. Was hier in Anlehnung an die großen Endzeitklassiker als Umkehrung der uns bekannten Gesellschaftsnormen verkauft werden soll, ist in Wirklichkeit eine nicht allzu gut kaschierte Entschuldigung dafür, die Gerettete noch ein paar zusätzliche Minuten barbusig Amok laufen zu lassen.
Fast im gleichen Atemzug wird man auch schon Zeuge des fragwürdigen Filmschnitts, der sich auch fortan regelmäßig auffällig machen wird, wenn der verwirrte Held von den Missetätern mit dem Kopf in einen Pool gedrückt wird, wo eine Klapperschlange zischt, nur dass die Klapperschlange sich beim Gegenschnitt keineswegs im Pool befindet, sondern vermutlich irgendwo in der Wüste. All die Schnitte und Gegenschnitte während des müden Zweikampfs führen uns letztlich zu einem letzten blutigen Effekt. Die Kamera fährt dazu ganz nah an die blutige Spitze eines Metallrohrs, das aus der Brust eines Tunichtguts ragt. Und wir wissen spätestens jetzt: Dies ist ein 3D-Film.
Band hatte die Zeichen der Zeit mal wieder richtig gedeutet und war entsprechend früh am Start, als sich das 3D-Revival der 80er anbahnte, das zwischenzeitlich mehr oder weniger zwei Jahrzehnte im Dornröschenschlaf verbracht hatte. Wir haben es also mit einem Streifen zu tun, der den Gimmick-Charakter des altmodischen Vorführkinos mit der immer noch heißen Blockbuster-Attitüde der späten 70er um „Star Wars“ (man beachte auch die Laser-Technologie, die im Killerparasiten-Universum von der Pistole bis zum Kugelschreiber in jedem denkbaren Accessoire untergebracht ist) und „Der Weiße Hai“ kombiniert – womit er interessanterweise schneller die Kinos enterte als zum Beispiel „Der Weiße Hai 3“, der erst ein Jahr später auf den 3D-Effekt setzte.
Dumm nur, dass ein Charles Band eben kein Steven Spielberg war und Embassy Pictures, das sich zu jener Zeit verstärkt auf niedrig budgetierte Genreware wie „The Fog“ (1980) oder „The Howling“ (1981) konzentrierte, kein Universal. 800.000 bis zu maximal einer Million Dollar soll „Killerparasit“ gekostet haben; als Gegenwert bekommt man auf den ersten Blick zumindest wenig Absichtsvolles. In der Alptraumsequenz aus dem Vorspann, die mit Glaudinis Klageschreien qualvoll in die Länge gezogen wird, gibt es in Form einer psychedelisch verfremdeten Geburt nach dem berüchtigten „Alien Burst“-Vorbild schon mal einen Vorgeschmack auf die Effekte, die sich im weiteren Verlauf aber lediglich auf ein paar sporadische Auftritte des Parasiten ausweiten werden.
Stan Winston steht erstaunlicherweise im Vorspann und hat das Creature Design zu verantworten, mit dem er bereits einigen Creature Features des anbrechenden Jahrzehnts vorgreift, wie Juan Piquer Simóns „Slugs“ (1988) oder Douglas McKeowns „Kosmokiller“ (1983). Mit seinen späteren Meisterwerken haben die Schleimbeutel allerdings noch nicht viel zu tun, was aber auch viel mit der Inszenierung zu tun haben dürfte, werden sie doch nur gelegentlich für den obligatorischen 3D-Effekt vor die Linse gescheucht und verbringen ihre restliche Zeit wenig effektiv in Nuckel-Position am Körper der Befallenen. Überzeugender gerät da schon manches Make-Up, bis hin zur wachsigen Komplettmaske, aus der auch mal etwas Ekliges herausbrechen darf. Hinzu addiert werden darf ein halbherziger Feuerstunt im Finale, bei dem Schutzkleidung samt Helm und Handschuhe viel zu offensichtlich sind. Für die erhobenen Ansprüche bietet „Killerparasit“ insgesamt zu wenige Effekte, zu wenig Blut, zu wenige Schauwerte, um auf ganzer Strecke Hänger zu vermeiden.
Punkte werden eher in den „weichen“ Kategorien eingefahren, deren Gelingen man weniger gut vorausplanen kann. Auch wenn der klein skalierte Rahmen mit seinem abgezählten Cast das schmale Budget nur allzu deutlich entlarvt, kann die staubige Atmosphäre durchaus als gelungen, wenn auch nicht als homogen bezeichnet werden. Manchmal fühlt man sich an ähnlich geartete Streifen wie „Curse II – The Bite“ (1989) oder einige spätere Werke aus der Full-Moon-Schmiede erinnert, und wenn man den perfekt polierten Countach LP400 schwarz funkelnd in der Sonne an der staubigen Tankstelle stehen sieht, könnte es sich glatt um eine futuristische Neuauflage von „Knight Rider“ handeln.
Als die Gang um Anführer Ricus (Luca Bercovici) das Diner betritt, in dem der Wissenschaftler gerade seine Dosensuppe schlürft, wird sogar beinahe Spencer-Hill-Land betreten – mit dem Unterschied, dass unser Held nicht schlagfertig genug ist, um es mit einer Gruppe Rowdys aufzunehmen. Sowohl Bercovici als auch Hauptdarsteller Glaudini machen aber im weiteren Verlauf noch interessante Wandlungen durch, gerade Letzterer verkörpert ohnehin nicht den klassischen Helden, sondern ähnelt in seiner Rolle fast eher einer tragischen Gestalt wie Jeff Goldblums Seth Brundle in „Die Fliege“. Demi Moore bringt in jungen Jahren schon eine Menge Ausstrahlung mit und Vivian Blaine, eine ehemalige Diva des klassischen Hollywood, spielt in der Rolle der Motelmanagerin mit dem verblassten Ruhm ihrer Vergangenheit.
Dazu kommt der Score von Richard Band, den man im allerbesten Sinne als „eerie“ bezeichnen kann, weil er mit seinen paranoiden Streichern, Pauken und Bässen, die manchmal sogar Elmer Bernsteins „Ghostbusters“-Filmmusik anklingen lassen, eine effektive Spukhauskulisse zu errichten weiß, die zu gleichen Teilen unheimlich wie ironisch wirkt. In Frage stellen kann man da allenfalls, ob das nicht schon ein bisschen zu „drüber“ ist für die niederen Ambitionen des Films, der sich zum Ziel gesetzt hat, mit möglichst simplen Mitteln maximale Wirkung zu erzielen.
Am Ende ist „Killerparasit“ jedenfalls immer noch ein 3D-Film über Killerparasiten. In dieser Funktion liefert er schlichtweg zu wenig Plastisches. Man möchte heute kaum glauben, dass dieser Film für das Kino gedreht wurde; vieles wirkt zu klein für die große Leinwand, nicht nur das aus erfolgreichen Kinohits zusammengeklebte Skript, sondern auch die eigentliche Produktion. Wer nur drei Monate länger wartete, konnte immerhin stattdessen „Das Ding aus einer anderen Welt“ im Kino sehen. Und doch; Charles Bands hatte immer schon einen Riecher, der ihn grundsätzlich in die richtige Richtung führte. Andere mögen die fetteren Würmer aus dem Boden gezogen haben, doch er war immer an der Front dabei und wurde auf seine Weise fündig.