Ehe 1999 Virus in den Kinos startete, brachte Stephen Sommers (Van Helsing) ein Jahr zuvor mit Octalus einen Film ähnlicher Thematik in die Lichtspielhäuser. In bester B-Movie-Manier zelebriert der Film den guten alten Kampf Mensch gegen Monster, kann dabei freilich nicht die Klasse eines Aliens oder Predator erreichen, reiht sich aber problemlos in die Riege ähnlich gelagerter Streifen wie Doom, Ghosts of Mars, Alone in the Dark und Resident Evil ein. Und dabei nimmt sich der Film glücklicherweise nicht ernst, womit einem zwar ein klischeehaftes, aber amüsantes Monster-Movie-Vergnügen bevorsteht.
John Finnegan (Treat Williams), Kapitän eines Mietsbootes, und seine Kunden, eine Gang von Torpedo-Terroristen, stoßen im südchinesischen Meer auf die Argonautica oder das, was von ihr übriggeblieben ist: ein in Blut schwimmendes Geisterschiff. Dort treffen sie den Eigentümer (Anthony Heald) und eine sexy Trickdiebin (Famke Janssen), die sich vor der Söldner-Crew und vor allem vor einem schleimig-glibbrigen, menschenfressenden Monster in Sicherheit bringen müssen...
Stephen Sommers hat die von Treat Williams (Vertrauter Feind) verkörperte Figur des Finnegan ähnlich angelegt wie ein Jahr später Brendan Frasers Rick O'Connell. Stets einen derben Spruch auf Lager und die Situation nicht sonderlich ernst nehmend lockert Williams so das Geschehen auf. Genau so wie eine Sympathiefigur in solch einem Film sein muss. Famke Janssen (City of Industry) steht ihm dabei in nichts nach und kann eine ebenso spaßige Performance abliefern. Sommers-Spezi Kevin J. O'Connor (Die Mumie) mimt den mechanisch begabten Sidekick auch mit der nötigen Portion Ironie. Hingegen darf Anthony Heald (Roter Drache) als Arschloch vor derm Herrn agieren. Die knallharten Söldner werden indessen von Wes Studi (Undisputed) angeführt und unter ihnen befinden sich bekannte Gesichter wie Jason Flemyng (Transporter - The Mission), Cliff Curtis (Virus) und Djimon Hounsou (Die Insel), die allesamt eine solide Leistung vollbringen.
Die Action in Octalus macht wirklich Laune, da ständig was los ist. Natürlich sind die Söldner alles andere als klischeefrei, sind die abgebrühtesten Motherfuckers im Universum, ballern auch mal einfach aus Jux und Dollerei durch die Gegend, wobei ihnen nie die Munition ausgeht. Deren komische Mini-Gatling-Wummen scheinen nichtmal so was wie ein Magazin zu besitzen. Dafür machen die Dinger aber ordentlich Lärm und vieles kaputt. Das Krakenungetüm selbst riecht meilenweit nach CGI, kann aber ordentlich unterhalten. Zimperlich gehts in Octalus nämlich nicht gerade zu. Da landet eine Axt mal in einem Kopf, ein Söldner verendet halb ausgelutscht vor den Füßen seiner Kollegen, Beine brechen und auch anderweitig fließt bzw. spritzt viel menschliches Ketchup durch die Gegend. Die Actionsektor wird hier dann noch durch etliche weitere Konfrontationen Mensch vs. Monster, Explosionen, Wasseraktionen und einer Jetski-Flucht bereichert. Hätte nur noch eine Raketenwerfer-Sequenz unter Wasser a'la Alien - Die Wiedergeburt gefehlt. Die Location des Casinokreuzers wurde auch ordentlich in Szene gesetzt, und die überfluteten Gänge und Räume sorgen für ordentliches Genre-Feeling. Inhaltlich ist der Film zwar vorausschaubar, gestaltet sich aber durch die eine oder andere Szene recht abwechslungsreich. Garniert wird diese sinnfreie Story für Nicht-Pädagogen noch mit reichlich Situationskomik, humorigen Dialogen oder anderen witzigen Begebenheiten. Dadurch nimmt sich Octalus dann auch nicht so bierernst wie Virus, wenngleich beide Filme auf einem fast identischen Niveau schwimmen. Dafür fehlt dem Film hingegen das See-Feeling von Virus. Auch der Score macht mächtig Laune und kann das Feeling des Monster-Movie-Genres noch steigern. Genretypisch ist dann auch der Schlussgag.
Im Endeffekt bildet Octalus einen ziemlich unterhaltsamen Monster-Spaß, den Pädagogik-Fetischisten vermutlich für immer und ewig verteufeln werden, aber wirklich Laune macht, sofern man das Gehirn vorher im Eisfach verstaut hat.