Solange eine multiple Persönlichkeitsstörung in Ansätzen erklärt werden kann, muss nicht erst mit analytischen Fachbegriffen jongliert werden, um die komplexe Figur zu durchleuchten. Ist die Ursache jedoch nicht durch traumatische Erlebnisse, sondern von einem übersinnlichen Hintergrund geprägt, schlägt die Geschichte eine komplett hanebüchene Richtung ein. So auch in diesem Streifen, der bizarre und unrunde Züge annimmt, dabei jedoch zusehends spannender ausfällt.
Dr. Cara Harding (Julianne Moore) ist Psychologin und wird von ihrem Vater an einen merkwürdigen Patienten herangeführt. David (Jonathan Rys Meyers) ist auf den ersten Blick ein freundlicher und zurückhaltender junger Mann, der sich allen Fragen offen stellt, doch plötzlich und nach einigen Zuckungen wird aus David Adam, ein feindseliger Kerl, der augenscheinlich lügt.
Doch damit nicht genug, denn weitere Persönlichkeiten scheinen in David zu schlummern und schon bald das Leben von Caras Tochter zu bedrohen…
Der Einstieg verläuft etwas dröge und routiniert und wird von lang anhaltenden Dialogen dominiert, welche die Geschichte nur schleppend voranbringen: Diverse Gespräche im Vernehmungszimmer, kurzer Aufenthalt bei der Polizei, man lernt Bruder und Tochter kennen und bemerkt mit der Zeit weitere unterschiedliche Persönlichkeiten in David, die jedoch etwas lange im Verborgenen lagen, um im Gesamtgefüge schlüssig zu erscheinen.
Erst viel später wird diese Logiklücke größtenteils aus dem Weg geräumt.
Als Cara nach einigen Suchaktionen eine Leiche im Verwesungszustand findet und Vater als auch Tochter von Hustenanfällen heimgesucht werden, ihr Bruder ein Überwachungsvideo analysieren soll und ein kleines Dorf in einem abgelegenen Waldstück am Ende einer Straße ins Spiel kommt, nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Gleichermaßen schlägt sie absurde Fade ein, die nicht mehr zu dem sachlichen Einstieg passen und eine totale Kehrtwendung zum kühlen Analytischen darstellen:
Es geht um einen Reverend aus dem 19. Jahrhundert, eine blinde Alte beim Heilungsritual, einen dunklen Schatten, der sich als Schallwelle entpuppt und wachsenden Malen auf dem Rücken. Von gespaltenen Persönlichkeiten ist man zu diesem Zeitpunkt bereits meilenweit entfernt.
Dennoch kommt einigermaßen Suspense auf und auch die Atmosphäre im trüben Herbstwald verbreitet adäquaten Trübsal. Hier und da eine Verfolgung und ein Wettlauf mit der Zeit, dort ein manipulatives Gespräch, wachsende Verzweiflung und drohende Ruhe im Kontrast und am Ende eine durchaus fiese Wendung, im weitesten Sinne sogar zwei.
Zwar wirkt die Chose im letzten Drittel reichlich konstruiert, doch im Gesamtbild birgt die zweite Hälfte der Geschichte ein wesentlich stärkeres Unterhaltungspotential.
Darstellerisch überzeugt Julianne Moore mit grundsolider, wenn auch nicht arg geforderten Leistungen, ihr Filmvater Jeffrey DeMunn kommt sympathisch rüber, Nathan Corddry als Bruder Stephen ist für die eher lockeren Aufheiterungen zuständig, während Jonathan Rys Meyers eine überaus breite Palette verschiedener Facetten abliefert und nur selten ein wenig übertreibt. Alle übrigen Mimen fallen nicht weiter auf, was auch auf das komplette Handwerk zutrifft: Kamera, Schnitt, Ausstattung, Score, - alles im unauffälligen Durchschnittsbereich.
Erstaunlich ist bei dem Streifen eben seine auffällige Wandlung vom irdischen zum überaus mystischen Bereich. Zunächst wird unspektakulär analysiert und gequatscht, während zum Finale ein recht ordentliches Tempo und einige spannende Szenen das Treiben bestimmen.
Wirkt insgesamt zwar nicht wie aus einem Guss, bringt jedoch eine Menge Abwechslung mit leicht grotesker Note bei einer vom Kern her völlig simplen Ausgangssituation.
6,5 von 10