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SHELTER bietet eine ungewöhnliche Mischung verschiedener Genre-Spielarten und kommt dabei doch in einem eher konventionellen Gewand daher. Dieses Gewand ist aber trotz aller Konvention sehr elegant und steht dem Film ausnehmend gut zu Gesicht. So erwarten den Zuschauer hier keine cinematografischen Innovationen oder Experimente sondern schlicht effektive und schöne Bilder, die sich stets den Notwendigkeiten der Geschichte anpassen. Ebenso verhält es sich mit dem Score und den Schauspielern.

Wird zu Beginn des Films vor allem für psychologisch Interessierte die Suche nach Lösungen innerhalb der Psychologie thematisiert, die naturgemäß keine actionlastige Achterbahnfahrt darstellt so wandelt sich dies langsam aber stetig. Mit jedem psychologischen Ansatz, der ausscheidet wird der Film düsterer und mysteriöser, zeitgleich auch schneller und spannender.

Mir persönlich hat auch schon der Anfang sehr gut gefallen, auch wenn Julianne Moore mir immer ein wenig zu schnell mit der nächsten unkonventionellen Theorie um die Ecke gekommen ist. Hier werden die Figuren aber effektiv eingeführt und in einen nachvollziehbaren Rahmen eingepasst, so dass der Zuschauer sich hier gut auf sie einstellen kann, auch wenn sie nur soweit beleuchtet werden wie unbedingt nötig. Hier hätter der Film sicher tiefer gehen können. Die gediegenen Eleganz der Bilder lässt dabei eine ruhige und angenehme Atmosphäre entstehen.

Als die Ereignisse zunehmend mysteriöser werden schlägt auch die Inszenierung eine neue Gangart an. Düsterer und bedrohlicher werden die Bilder und auch die Musik. Das Geschehen und die Figuren gehen diesen Weg im selben Maß mit. Was in anderen Kritiken als unrund empfunden wurde, weil der Film teilweise so unterschiedlich daher kommt, für mich ist das eine ziemlich überzeugende Übereinstimmung zwischen Inhalt und Form, die mich bis zum Schluß sehr gut unterhalten hat. Ich habe an diesem Film nicht wirklich etwas auszusetzen gefunden. Und die überzeugenden Schauspieler vollenden den Genuß, allen voran der sich hier sehr vielseitig zeigende Jonathan Rhys Meyers.

Shelter ist aber sicher ein Film, der nur schwer sein Publikum finden wird, da er zwar Horrorelemente hat, für den klassischen Horrorseher aber erst zu spät wirklich interessant wird. Für Thrillerfans wird er gegen Ende zu Abstrus. Und die Mysteryfans werden sich am Anfang wohl fragen, was an diesem Film Mystery sein soll. Mir hat die Mischung aber sehr gut gefallen und durch diese ungewöhnliche Mixtur bekommt der Film schließlich auch wieder etwas besonderes. Das größte Manko des Films wird für viele aber das geringe Tempo der ersten Stunde sein. Ich fand ihn zwar auch da schon spannend und war beeindruckt, wie souverän die Spannungsschraube hier kontinuierlich immer weiter angezogen wurde, ich kann mir aber gut vorstellen, dass so mancher mit dem Film schon früh die Geduld verlieren könnte. Wer auf Action und kurzweilige Unterhaltung aus ist, sollte hier also besser passen. Wer sich aber Zeit nehmen und sich auf diesen Film einlassen will, der wird das meiner Meinung nach auch nicht bereuen.

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