Review

Als nach wenigen Einstellungen ein etwa zwölfjähriger Junge mit dem auffälligen „Tequila!“-Shirt im Bild erscheint, der Umzug einer Familie in ein altes Mehrfamilienhaus eingeleitet wird und der Score munter orchestral losmarschiert, deutet sich ein kunterbuntes Jugendabenteuer an, dem aber bereits nach kurzer Zeit die Puste ausgeht.

Dabei ist das Mädchen Sara, Hauptfigur dieser Gespenster-Geschichte, recht einnehmend, nicht nur weil sie stark unter Asthma leidet, sondern weil sie als einzige die Geistererscheinungen im Gebäude wahrnimmt.
Gemeinsam mit ihrem eifersüchtigen Freund Mahdi und dem vogeligen Geister-Spezialisten John gehen sie dem Geheimnis jüngst Verstorbener im Haus nach und entdecken eine beängstigende Gemeinsamkeit…

Per se ist diese Produktion, in der auch Disney seine Finger im Spiel hat, mit guten Grundvoraussetzungen ausgestattet. Ein brauchbarer Schauplatz, einigermaßen talentierte Jungdarsteller, Geraldine Chaplin als Aushängeschild für die älteren Zuschauer und sauberes Handwerk im Bereich Schnitt und Kamera.
Doch die Geschichte will aufgrund fehlenden Charmes und zündender Ideen einfach nicht mitreißen.

Zwar ist das ganz drollig, wie man mit der Problematik ungleicher Schwestern umgeht, sich die Kinder aufs Dach des Hauses eine Rückzugsmöglichkeit schaffen und wie der eifersüchtige Mahdi eine Weiterentwicklung durchmacht, doch der Story an sich fehlen Ecken und Kanten.

Dabei sind die Geistererscheinungen nicht ohne. Einerseits aschfahl wie Zombies, andererseits wie Nebelgestalten mit leuchtenden Augen, dürften sie bei den ganz jungen Zuschauern für schlaflose Nächte sorgen.
So juchtert man im Treppenhaus herum, karrt einen „Totenwecker“ heran, um den Geist, Kategorie A (freundlich) abzuschrecken und versucht in eine Wohnung zu gelangen, um von hier aus den Schlüssel zu einem ominösen Raum im Keller zu finden.
Zwar wird es nie gänzlich langweilig, doch zu häufig hält man sich mit Nebenhandlungssträngen wie dem Bauarbeiter auf, der ein Auge auf die (eigentlich viel zu junge) Schwester der Hauptfigur geworfen hat und auch wenn die Therapieansätze für die vermeintlich kranke Sara recht drollig ausfallen, so helfen sie dem Weiterkommen der Geschichte kein Stück.

Man hat schnell den Eindruck, es hier mit einem aufgeblähten Stück Serie zu tun zu haben, was sich am Ende zu bestätigen scheint, da sich weitere Ausgaben überdeutlich ankündigen.
Für einen Langzeitfilm ist das hingegen zu mau und bietet zu wenig Augenzwinkern gegenüber seinen Figuren, da besonders in Bezug auf Geister-Spezialist John eine Menge Potential verschenkt wird, zumal man rein gar nichts über dessen Herkunft erfährt.

Man erhält also eine Mischung aus „Poltergeist“ „Sixth Sense“ und ähnlich gelagerten Geisterwerken mit alten Häusern und gespenstischen Erscheinungen, abgestimmt auf eine jüngere Zielgruppe.
Für Zuschauer unter Zehn dürfte das streckenweise zu düster ausfallen, für alle darüber zu ereignisarm und wenig überraschend.

Es ist grundlegend ein guter Ansatz, ein starkes Team außergewöhnlicher Kinder in den Fokus zu rücken und diese gemeinsam ein Abenteuer bestehen zu lassen, nur bietet dieses kein rundes Bild, da pädagogische Ansätze zu oberflächlich gestreift werden, der Witz eindeutig zu kurz kommt und der Sache mit den Geistererscheinungen der entsprechende Reiz fehlt.
Vielmehr wirkt das Ganze wie eine Theateraufführung mit passablen Effekten, aber dafür muss man schließlich nicht in die Videothek gehen…
4 von 10

Details
Ähnliche Filme