Review

„Das ist ein Autopsieraum, Sie Arschloch!“

Bei der Direct-to-Video-Produktion „Diagnosis“ aus dem Jahre 2001 scheint es sich um den Debütfilm der britischen Regisseure Johannes Roberts und James Eaves zu handeln. Sie versuchten sich an einem mysteriösen Medizin-Horror-Thriller.

„Das ist doch lächerlich...“

Dr. Max Warrick (Jeremy Minns) war vor 20 Jahren in ein medizinisches Experiment innerhalb einer psychiatrischen Anstalt verwickelt. Dazu wird er von zwei Ermittlern (u.a. Uri Geller) verhört, denen er eine abenteuerlich klingende Geschichte erzählt: Man habe im Ärzte-Team an der Arznei B93 geforscht, von dem man sich große Heilungschancen für psychisch Kranke versprochen habe. Doch ausgerechnet in jener Patienten-Kontrollgruppe, die das Mittel gar nicht verabreicht bekommen habe, sei es zu rätselhaften Todesfällen gekommen. Als auch keiner der Gruppen Angehörende das Zeitliche gesegnet hätten, habe Dr. Warrick versucht, hinter die Ursache zu kommen. Und während der Wahnsinn immer weiter grassiert habe, habe sich herausgestellt, dass das Experiment unvorstellbare Folgen mit sich gebracht habe, die jeglicher Beschreibung gespottet hätten…

Im Prolog sehen wir Dr. Warrick den ermittelnden Beamten in einer Zwangsjacke Rede und Antwort stehen, was die von der Befragung immer wieder unterbrochene Rückblende in die damaligen Ereignisse einläutet. Ein Gore-Effekt während einer Autopsie schürt eine falsche Erwartungshaltung, denn ansonsten bleibt der Film grafisch relativ zahm. Nach einer Weile stellt sich heraus, dass in den Patienten irgendetwas zu wachsen scheint und dass diese Experimente in einem Krieg offenbar schon einmal stattgefunden haben. Dr. Warrick findet schließlich heraus, dass B93 denjenigen, die es erhalten, tatsächlich hilft, den anderen jedoch schadet – wie auch immer dies vonstattengehen soll. Warrick forscht wie besessen und fordert schließlich, die Experimente mit B93 einzustellen, woraufhin man ihn in die Gummizelle steckt.

Roberts und Eaves arbeiten mit alptraumhaft verfremdeten Szenen innerhalb ihrer sehr dialoglastigen Narration und einer irgendwie typischen Direct-to-Video-Optik. Traum- und Realitätsebenen verschwimmen miteinander. Man weiß zwar nicht, was los ist, kann sich aber immerhin an stimmungsvollen, atmosphärischen Bildern erfreuen. Doch je mehr sich herauskristallisiert, dass einem hier schlicht eine hanebüchene pseudowissenschaftliche Story bar jeglicher Logik aufgetischt wird, desto dröger fühlt sich der Film an. Selbst die bittere, provokante und böse Pointe wird weitestgehend verschenkt, weil sie zum einen hyperkonstruiert wirkt und zum anderen wie so vieles hier lediglich offscreen stattfindet.

Als Kreaturenspektakel hätte etwas aus „Diagnosis“ werden können, als psychologischer Horror versagt er und wirkt in seiner kruden Mixtur wie Cronenberg bei Temu bestellt. Dies gilt auch für die Darstellerinnen und Darsteller, die anscheinend überwiegend aus dem Amateurbereich stammen und unter die sich – warum auch immer – Löffelverbieger und Schaumschläger Uri Geller gemischt hat. Dies betrifft jedoch lediglich die Nachdrehs, denn die Rahmenhandlung um den sich einem Verhör stellen müssenden gealterten Dr. Warrick wurde mit dem Ziel nachgedreht und angeflanscht, den Film etwas weniger konfus erscheinen zu lassen. Was nicht funktioniert hat.

Mehr als 3,5 von 10 verbogenen Löffeln hole ich dafür nicht aus der Besteckschublade.

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