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Nostradamus wollte sich zeitlich nie festlegen, die klugen Mayas hingegen datieren die Zeit für den Weltuntergang etwa für Dezember 2012. Nicholas Cage hat die Zahlen noch etwas genauer, schwarz auf weiß, denn er soll in diesem turbulenten Szenario die Erde vor dem Ende bewahren, indem er ein paar Zahlenreihen auswertet, nebenbei Bourbon süffelt und seinen typischen Dackelblick intensiviert.
Dass diese Melange die überwiegende Zeit funktioniert, ist nicht zuletzt ein Verdienst des Regisseurs Alex Proyas, der gewiss mehr als nur eine Ausgabe „Akte X“ gesehen hat.

Cage mimt den Astrophysiker John Koestler, der sich als allein erziehender Dad um Sohn Caleb kümmert, dem soeben ein merkwürdiges Dokument in die Hände gefallen ist.
Dieses Blatt Papier voller Zahlen entstammt einer Zeitkapsel, die eine Schülerin einer Grundschule anno 1959 anfertigte und nun, zum Jubiläum der Schule ans Tageslicht kommt.
Eines Nachts gelingt John die Entschlüsselung des Codes: Es handelt sich um Katastrophen der letzten 50 Jahre mit Datum und Anzahl der Todesopfer, doch einige Unglücke stehen noch bevor…

Die Idee mit der Zeitkapsel ist eine spannende Angelegenheit, die sofortiges Interesse auf sich zieht und möglicherweise an einigen Schulen Nachahmer finden könnte.
Wie stellen sich Kinder die Welt in 50 Jahren vor und was werden jene Kinder denken, wenn sie Zeichnungen aus der Vergangenheit finden, wie viel davon wird eingetroffen sein?
Mysteriös ist darüber hinaus das Dokument mit den Zahlen an sich und das Geheimnis, wie die Schülerin wie unter Hypnose die Ziffern auf das Blatt schrieb.
Auch als John die Zahlen durchgoogelt und immer mehr Übereinstimmungen, vom 11/9 bis hin zu Sturm Katrina findet, lässt das eine unheimliche, latent bedrohliche Atmosphäre aufkommen, die deutlich Lust auf mehr macht und mit überraschenden Inferno-Szenen quittiert wird.

Denn so brachial und intensiv in Szene gesetzt, kennt man das allenfalls aus „Final Destination 2“, etwa, als ein Jet mitten auf dem Highway abstürzt. Dass diese Sequenz völlig ohne Schnitt auskommt, macht sie umso unmittelbarer, da fallen die hinzu gedichteten CGI kaum negativ ins Gewicht.
Auch später entfalten sich die wenigen, aber wuchtigen Katastrophen-Szenen als absolute Hingucker, die einem für Momente die Augen aufreißen lassen.

Das Grundkonzept funktioniert also, inszenatorisch ist alles stimmig und selbst der festgefrorene Gesichtsausdruck von Cage und dessen furchtbare Physik-Lehrer-Frisur fallen kaum negativ ins Gewicht. Man wundert sich allenfalls, was die merkwürdigen, bleichen Flüstermänner rund um Sohn Caleb und Zahlenschreiber-Enkelin Abby sollen, die von Cage aufgesucht wird, um das Geheimnis jener Botschaft zu entschlüsseln.
Zwischendurch fragt man sich zudem, ob man immer instinktiv spürt, wenn geliebte Menschen anderorts ein tödliches Schicksal ereilt und ob das Leben nicht doch nur eine Reihe von Zufällen ist, - aber jene philosophischen Exkurse sind dem Vorankommen der Geschichte zu keiner Zeit hinderlich, eher dienlich.

Nur leider lässt der Streifen im letzten Drittel seine dramaturgischen Federn.
Das Finale kommt streckenweise plump und plakativ daher, mit billig aufgesetzter religiöser Symbolik und kitschigen Traumlandschaften. Spätestens als zwei weiße Kaninchen im Zuge einer Schöpfungs-Szenerie auftauchen, ist es mit dem Rätselhaftem endgültig dahin und auch wenn final noch ein paar gefällige Effekte zu bewundern sind, vermasseln die letzten Minuten mit ihren hanebüchenen Wendungen so einiges und vor allem, sie zerstören das zuvor sorgsam aufgebaute Mysterium um die Zahlen, die fremden Männer und das Geheimnis um die Schülerin von 1959.

Unterhaltsam, unaufhaltsam, spannend und phasenweise mitreißend inszeniert bleibt „Knowing“ dennoch, da er zumindest eine Spannungskurve aufzeichnet, die bis gegen Ende konstant Aufrecht erhalten wird.
Auch wenn das Rätsel der schwarzen Steine weitgehend ungeklärt bleibt und man sich fragt, warum Handys im Allgemeinen nicht funktionieren, ein solches aber von einer Telefonzelle aus angerufen werden kann, viele Australier im angeblichen Boston unterwegs sind und ein Waldbrand möglicherweise nur dazu dient, die Reihe an Schauwerten anzureichern, - die Grundidee ist klasse, genauso gut umgesetzt, nur am Ende hapert es an einem zufrieden stellenden Ausgang.
Genügend Tempo, grundsolide Action, - da ist es fast schon egal, ob und wie die Welt untergeht…
7 von 10

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