Review

"Die Zahlen sind eine Warnung, aber nicht nur an mich oder eine beliebige Gruppe. Sie sind eine Warnung an alle."

Im Jahre 1959 füllen Schüler einer Grundschule in Lexington eine Zeitkapsel mit Zeichnungen, wie sie sich die Zukunft vorstellen. 50 Jahre später wird diese geöffnet. Caleb Koestler (Chandler Canterbury) erhält dabei das Blatt von Lucinda (Lara Robinson) welches statt einer Zeichnung mit Zahlen voll geschrieben ist. Sein Vater, der Astrophysiker John (Nicolas Cage), erkennt darin eine systematische Aufzählung von Katastrophen, die noch vor ihrem eintreffen von Lucinda vorhergesehen scheinen. Drei davon sind noch offen.

Alex Proyas ("The Crow - Die Krähe", "I, Robot") wandelt auf den Spuren von Chris Carter. Die Geschichte über Vorhersehung von Katastrophen hätte ebenso aus der renommierten Serie "Akte X" des erwähnten Regisseurs stammen können.
Proyas setzt auf einen gebrochener Held, dem niemand in seiner näheren Umgebung seine "Hirngespinste" abnimmt. So gesehen also das übliche, dummerweise mit einer guten Portion Mystery-Kitsch. Flüsterstimmen aus dem Dunkeln und mysteriöse Gestalten an jeder Ecke zeugen nicht von Originalität. Ebensowenig das eingestreute Familiendrama und die Konflike zwischen Vater und Sohn, die immer wieder ganze Sequenzen für sich bestimmen. Interessant und unterhaltsam bleibt der Film aber trotzdem, zumindest in den ersten zwei Dritteln der Laufzeit.

"Knowing" ist ein visuelles Ereignis auf ganzer Linie. Technisch ohne Mängel, weder in den eingefangenen Bildern, die mal weitläufig ganze Stadtviertel oder Straßen, mal die Darsteller treffend aus der Nähe ins rechte Bild rücken, noch von der atmospärischen Sound- und Musikkulisse.
Genannt seien hier vor allem die drei großen Desasterszenen, insbesonders die wuchtige Plansequenz eines grandios inszenierten und getricksten Flugzeugabsturzes. Furchterregend ist der bombastische Aufschlag der monströsen Maschine, die detailliert in ihre Einzelteile zerfällt. Ebenso die darauf folgende Sequenz in den Trümmern, wo der Hauptperson über die Schulter gesehen wird. Feuer, Rauch, brennende Menschen, so nah als könnte man sie greifen. Eine Sequenz die an die Zerstörung des World Trade Center in "Independence Day" erinnert. Ebenso die Stille danach.

Leider funktioniert der Mystery-Film nicht in allen Bereichen so gut. Genau genommen eben nur, wenn es um die Vorhersagen geht, die häppchenweise portioniert und weitergegeben werden. Dazwischen bremst sich "Knowing“ immer wieder durch uninteressantes Geplänkel aus, wird gegen Ende gar gnadenlos klischeehaft. Die Einbindung religiöser Elemente steht dem Film garnicht, überfrachtet ihn stattdessen und macht die akribisch aufgebaute Atmosphäre schlussendlich zunichte. Schade, denn das kompromislose Ende steht dem Film eigentlich ganz gut, nicht aber das bereits in "Der Tag, an dem die Erde stillstand" angewandte Arche Noah Prinzip.

Darstellerisch siehts ähnlich durchwachsen aus. Im Grunde geben diese sich ein solides Schauspiel, hatten aber bereits besser ausgespielte Rollen. Dies sieht man ganz besonders bei Nicolas Cage ("Next", "Ghost Rider", "Windtalkers"). Dieser wirkt in manchen Szenen fast schon chronisch abwesend, nur um in der nächsten Szene auf extrem hohem Niveau selbst kleine und kleinste Szenen zu einem echten Erlebnis zu machen.
Ähnliche Probleme hat Rose Byrne ("Sunshine", "28 Weeks Later"), die aus ihrer Figur kaum etwas heraus holt.
Die Kinderdarsteller Chandler Canterbury ("Der seltsame Fall des Benjamin Button") sowie Lara Robinson sind mit zunehmender Laufzeit ihren sich wandelnden Rollen nicht mehr gewachsen. Scheinbar kann auch ein gutes Ensemble ein katastrophales Drehbuch nicht mehr wenden.

Gemischte Gefühle bleiben hängen. Der Einstieg erweist sich als neugierig machender Film mit nervendem Familiendrama. Bombastische Effekte bei katastrophalen Ereignissen erweisen sich als wuchtige Stimmungssteigerer, dem entgegen stehen banale Mystery-Elemente. Leider trübt der kitschige Abschluss den visuell erhabenen Eindruck. Unterm Strich ist "Knowing" ein passabler Mystery-Film, der dem mißlungenen "Akte X - Jenseits der Wahrheit" die Stirn bieten kann, der Serie selbst allerdings bei weitem hinterher hinkt.

5 /  10

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