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Das finale Sudoku

Ich mag Weltuntergänge. Zumindest in Filmen, von „War of the Worlds“ bis zu „Deep Impact“, von „The Core“ bis „2012“, von bescheuert trashig bis realistisch beängstigend. In echt wohl weniger. Aber da war ich auch noch nie dabei... Das und seine (minimale) Verbindung zum Kulthit „Dark City“ ließ mich auf „Knowing“ stoßen bzw. „damals“ sogar ins Kino gehen. Alex Proyas ist außerdem für mich noch immer einer der unterschätztesten und verkanntesten Regisseure der Traumfabrik. „Knowing“ wurde weniger positiv aufgenommen wie viele seiner vorangegangen Sleeperfavoriten und konnte sich auch über die Jahre nicht mehr Fans einfangen. Doch ein schlechter Film ist er meiner Meinung nach überhaupt nicht. Okay, ein wirklich guter ebenso wenig, doch vertane zwei Stunden würde ich das nicht nennen... Allein die Geschichte schürt genug Neugier: durch eine vor fünfzig Jahren in den Boden eingelassene „Zeitkapsel“ kommt einem alleinerziehenden Familienvater eine lange Reihe von zuerst unzusammenhängenden Zahlen zu. Als er erkennt, dass darauf die Daten und Opferzahlen weltweiter Unfälle und Katastrophen stehen, ist dies erst der Anfang eines schockierenden Mysteriums...

„Knowing“ bietet definitiv dumme Fremdschämmomente. Allein das Ende, trotz seines Mutes, hat einige davon auf Lager. Doch die interessante Grundidee, die ungewöhnliche Vision und die „Signs“-ähnliche Herangehensweise machen Punkte gut. Rose Byrne nervt, Nic Cage rockt. Die Kinderdarsteller sind bemüht, die zwei größeren, hautnahen Katastrophen fetzen jede Heimkinoanlage weg. Die Spannung hält sich in Grenzen, doch das Interesse wird nie ganz verloren. Nicht alle Effekte sind top, doch die Idee wird durchgezogen. Ein Film voller Gegensätze und toller Ansätze. Locker 20 Minuten zu lang, aber irgendwie erfrischend anti-hollywood. Heutzutage würde es die Kombi Proyas+Cage wohl kaum noch ins Kino schaffen, geschweige denn solch ein Budget zur Verfügung gestellt bekommen. Doch ich bin froh, dass das damals noch ging. Selbst wenn ich persönlich die „Dark City“-Connection etwas im Nachhinein aufgesetzt ansehe. Aber auch das ist interessant und ein sehr seltsames „Shared Universe“, weit vor dem MCU oder Shyamalan. „Knowing“ hat seine Stärken und spielt mir persönlich in die Geschmackskarten. Must-Sees sehen jedoch anders aus.

Fazit: Proyas indirektes „Dark City“-Prequel ist erfrischend anderes Apokalypsen-Kino, mal sehr intim und emotional, mal brachial und bombastisch. Aber immer mysteriös und interessant. Wenn auch Richtung Propaganda und Glaubenszeigefinger. Wer auf Weltuntergangsszenarien oder Nic Cage steht, darf aber gerne zugreifen. Proyas war allerdings schon öfters besser als schlechter. 

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