„Caracara - the last Witness“ ist ein für den amerikanischen TV-Sender „HBO“ produzierter Thriller, welcher in Gestalt der beiden B-Film-Stars Natasha Henstridge (“Species“/“Ghosts of Mars“) und Jonathon Schaech (“that Thing you do“/“the Forsaken“) eine ansprechende und sogleich solide Besetzung der beiden Hauptcharaktere vorzuweisen vermag.
Die eher zurückhaltend lebende Museumsangestellte Rachel (Henstridge) erhält eines Tages vom FBI die Anfrage, in ihrem Wohnzimmer einen Beobachtungsposten einrichten zu dürfen, um einen Verdächtigen im gegenüberliegenden Gebäude observieren zu können. Anfängliche Zweifel zum Trotz, geht sie aufgrund der Bezahlung und gleichzeitigen Abwechslung darauf ein, und so beziehen drei Agenten im Schichtdienst dort Stellung. Einer von ihnen (Schaech) ist besonders zuvorkommend und charmant, weshalb sich Rachel auf einen intensiven Flirt mit ihm einlässt, da sie ihr eintöniges Leben eigentlich leid ist und das gewisse Abenteuer-Flair dieser Situation genießt. In einer Nacht wird sie jedoch unerwartet von den Agenten überwältigt und gefesselt – es stellt sich heraus, dass jene gar nicht zum FBI gehören, sondern einen Anschlag auf ein afrikanisches Staatsoberhaupt planen bzw durchführen wollen. Mit Hilfe eines Raketenwerfers soll die Zielperson bei einem Empfang im Penthouse des Nachbargebäudes ausgeschaltet werden. Rachels „Freund“ entpuppt sich gar als Anführer der Gruppe (namens McMillan), der kurz vorm Attentat seine Komplizen tötet und den abschießenden Schritt allein vollführen will – doch es gelingt ihr in letzter Sekunde, ihn zu überlisten, die Abschussvorrichtung zu verrücken und die Rakete so vom Kurs abzubringen…
Während die Behörden sie auf der Basis ihres Einsatzes am nächsten Tag als Heldin feiern, erhält der entkommene McMillan von seinen Auftraggebern die Anweisung, die Operation nichtsdestotrotz fortzuführen, worauf er sich an die Organisation eines zweiten Attentats und zugleich die Beseitigung aller Zeugen macht, die ihn in Rachels Wohnung zu Gesicht bekommen haben (dazu gehören ihre Mutter und beste Freundin, wie natürlich auch sie selbst). Gemeinsam mit einem Polizisten versucht jene fortan, sich und ihre Nahestehenden in Sicherheit zu bringen – als das jedoch weitestgehend misslingt, fasst sie den Entschluss, McMillan auf eigene Faust aufzuspüren oder wenigstens für die anderen zu identifizieren (schließlich ist sie die einzige, die ihn ohne Maskierung zu Gesicht bekommen hat). Im Laufe der Nachforschungen kommen die wahren Hintergründe des Attentatsversuchs schrittweise zum Vorschein, inklusive aller damit in Verbindung stehenden Verstrickungen, die bis in höchste Regierungskreise zu reichen scheinen…
Der Filmtitel „Caracara“ bezieht sich auf eine Greifvogelart (ein Geierfalke, der in Deutschland als Schopf- oder Haubenkaraka (lat. Polyborus Plancus) bekannt ist), von welcher Rachel im Rahmen ihres Berufes ein Exemplar bei sich zuhause aufgenommen hat. Attribute des facettenreichen Raubvogels lassen sich zudem auf die beteiligten Hauptcharaktere übertragen. Die Handlungs-Hintergründe wurden gar nicht mal schlecht konzipiert (wobei das auslösende Massaker in Afrika eher nebensächlich angerissen wird), doch angesichts der vorgelagerten Story-Orientierung (in Richtung des Attentats sowie der Beseitigung der Zeugen), welche inzwischen eingehend bekannt ist und sich somit relativ vorhersehbar entfaltet, leidet der sich durchaus passabel über den gesamten Verlauf erstreckende Spannungsbogen etwas. Zwar überrascht die Inszenierung mit einigen unerwarteten und zugleich konsequenten Härten, doch letztendlich kommt sie – neben der mäßigen Regie-Leistung eventuell ebenfalls ein wenig vom einschränkenden TV-Format beeinflusst – eher unspektakulär daher. Der verhältnismäßig temporeiche Schlussakt entschädigt schließlich halbwegs für die bis dato stellenweise leicht zähe Dramaturgie.
Neben einigen schwachen Dialogen (vor allem zwischen Henstridge und Schaech) fallen in meinen Augen noch die Aufnahmen aus der Perspektive des Vogels negativ ins Gewicht, da sie keinen wirklichen Zweck erfüllen und zudem stilistisch nicht unbedingt ins Gesamtbild passen. Darüber hinaus ist auffällig, dass Jonathon in der Originalfassung ganz schön mit seinem südafrikanischen Akzent zu kämpfen hat. Insgesamt liefern die Darsteller durch die Bank weg eher mäßige Vorstellungen ab. Neben den beiden Hauptakteuren bleibt auf jeden Fall noch Ex-Model Lauren Hutton („American Gigolo“) als Rachels alkoholkranke Mutter zu erwähnen – sie kann zwar überzeugen, wirkt allerdings angesichts der geringen Tragweite ihrer Rolle größtenteils verschenkt.
Letzten Endes ist „Caracara“ ein durchschnittlicher Thriller, mit dem sich einigermaßen die Zeit vertreiben lässt. Ausgedehnteren Ansprüchen oder Erwartungen wird er zwar nicht gerecht, kann dafür jedoch mit einigen brutaleren Szenen (u.a. im Zuge des Einsatzes einer recht coolen Pfeil-Waffe), einem netten Finale sowie der attraktiven Natasha Henstridge in der Hauptrolle aufwarten … 5 von 10.