Review

Auf dem Rücksitz ist die Hölle los

OfdB Filmworks gräbt seit Längerem immer wieder fast verlorene Filmschätze aus, um sie mit einer würdigen Edition heller erstrahlen zu lassen denn je. So auch geschehen mit "Wenn du krepierst - lebe ich", einer schleimig-harten Italo-Interpretation des Bad-Hitchhiker-Motives, die man nur also köstlich-perverses Vergnügen beschreiben kann. Es geht um ein zerrüttetes & mit tiefen psychologischen Problemen behaftetes italienisches Ehepaar, das durch das Hinterland der USA reist... nur um dann einen mörderischen Anhalter aufzunehmen, der ihnen ihre ohnehin schon ätzende Autofahrt endgültig zur Hölle macht. "The Hitcher" trifft auf "Szenen einer Ehe" & "Das letzte Haus links". 

Das Trio Infernale aus Franco Nero, Corinne Clery & einem (wie meist) völlig durchgeknallten David Hess, bringt gleichermaßen Sex, Machoismus & Verrücktheit an den Tisch, wie ihn wohl noch nie drei Leute in einem Auto entfachteten. Aber der wilde Mix aus Grindhouse & Arthouse, aus Horror & dunklem Humor, aus Sex & Gewalt, hat noch viel mehr zu bieten, um als verrufener Klassiker des italienischen Kinos wiederentdeckt zu werden. Da wird man fast etwas traurig, dass Regisseur Pasquale Festa Campanile nicht allzu lange nach diesem Skandalfilm verstarb. Viel zu früh, quillt sein Talent hier doch aus allen Ritzen.

Der in Italien gedreht Film, der im Original passend "Autostop rosso sangue" betitelt ist, versprüht Ekel, Faszination & Schock gleichermaßen. Seine US-Highway-Kulisse wirkt wenig fake & allgemein ist der Film viel hübscher, tiefgründiger & besser, als er jedes Recht hätte. Getragen von drei genialen Schauspielern, bietet der umstrittene B-Movie alles, was man sich wünschen kann. Schöne Frauen in nackt, harte Männer in besoffen, teuflische Killer in erbarmungslos. Von gewagten Psychoduellen zwischen allen Beteiligten über blutige Kopfschüssen bis zu einer unangenehmen Vergewaltigung am Lagerfeuer - der Film weiß, was er ist & was er kann & was er bewirkt. 

Spätestens mit seinem sozial nachdenklich stimmenden Finale & der allgemein deprimierend nihilistischen Grundstimmung. Einer der psychedelischsten Ennio Morricone-Soundtracks setzt dann die schäumende Krone auf. Das sleazy Italo-Pendant zu "Easy Rider", dass durch die zwischenmenschliche Armut & Kälte & Perversion vielleicht sogar noch mehr im Kopf bleibt. Ein pessimistischer & selbstzerstörerischer Kommentar zu unserer asozialen Gesellschaft, in der Ellenbogen, Geld & Gier, märchenhaftere Werte schon längst abgelöst haben. Zumindest auf diesen Italo-Ami-Routen.  

Fazit: perverser Roadthriller, der Staub, Blut & Abartigkeit spuckt. Das Gegenteil von Friede, Freude, Eierkuchen. Krieg, Trauer & Rührei. Alles unterlegt mit einem knirschenden Morricone-Track - ziemlich wundervoll von Ofdb diesen Geheimtipp zu rehabilitieren!

Details
Ähnliche Filme