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Geschlechterkampf im ganz wörtlichen Sinne: In Jake Wests „Doghouse“ wird der Mann-Frau-Zwist auf blutige Weise ausgetragen.
Die Hauptfiguren sind allesamt männlich, Vince’ (Stephen Graham) Scheidung ist der Anlass für eine Wochenendparty. Egal ob Single oder vergeben, homo oder hetero – irgendwie gleichen sich die Leben aller sieben Freunde: Mit den Partnern gibt es Knatsch, da die partout nicht wollen, dass die Männer ihr achso männliches Leben führen, also wird gestritten, gelogen und getrickst, damit man zum Wochenendausflug darf. Heissa, das ist doch eine spritzige Einführung und macht Lust auf mehr.
Neil (Danny Dyer), seines Zeichens Dauersingle, Megaaufreißer und offensichtliches Alphamännchen des Rudels, und die Kumpels haben auch schon den perfekten Ort für die Ablenkungsparty gefunden: Ein kleines Kaff, in dem auf jeden männlichen Einwohner vier weibliche kommen. Abgeschiedenheit und Frauenüberschuss – das klingt nach einem Traum für die Protagonisten, während der mit der Prämisse vertraute Zuschauer schon mal hämisch in sich hinein grinsen darf.

Und wie (vom Zuschauer) erwartet ist draußen auf dem Lande alles andere als Partytime angesagt: Die Frauen des Städtchens sind zu mörderischen Bestien mutiert, die Männer hinüber und die eingetroffenen Jungs werden als Frischfleisch angesehen…
Ganz klar: „Doghouse“ ist ein Jungsfilm und das in fast jeder Hinsicht. Das fängt bereits Humor an, der zwischen herrlich pubertärem Schabernack, Geschlechterkriegssatire und Stammtischniveau hin- und herschwankt, meist zum Glück witzig ist, gelegentlich aber auch simpel und prollig. Glücklicherweise nimmt sich „Doghouse“ dabei nie so richtig ernst und wo sonst wird jemand mit den Worten „Now it’s not the time to become a new man. We need you to be the sexist, misogynist asshole that you are.“ zum heldenhaften Handeln angefeuert?
Eine zeitlang macht die Melange aus derbem Humor, derben Splatter-FX und Humor gemixt mit Splatter-FX auch Spaß, jedoch kann „Doghouse“ irgendwann nicht mehr verschleiern, dass West und seinen Mannen die Ideen ausgingen, nachdem man die halbwegs originelle Prämisse ersann. Irgendwann wiederholen sich die ewigen Versteckspiele mit der mörderischen Damenwelt doch sehr, zumal man dem Zuschauer die Erklärung für die Geschehnisse zwischendrin und lapidar vor die Füße wirft. Zudem wirkt es etwas uneinheitlich, wenn die Figuren anfangs immer ganz easy davonkommen, im Schlussdrittel dann auf einmal das große Ausdünnen in der Männerriege angesagt ist. Allerdings: Bei den Opfern und Nicht-Opfern handelt es sich sowieso meist um diejenigen, die man bereits von Anfang an der einen oder anderen Truppe zugeordnet hatte.

Handwerklich kann man allerdings nicht klagen, denn Geschmadder und Make-Up-Effekte sind von durchweg überzeugender Qualität. Die gefräßigen Damen sind keine Zombies, erinnern aber schon sehr an die Biester – die Infizierten aus dem britischen „28 Days later“ und dessen Sequel lassen schön grüßen. Einfallsreich werden diese dann auch in der Tradition der humorvollen Zombiefilme bekämpft, mit brennbaren Flüssigkeiten bestückte Wasserpistolen und Golfequipment gehören hier zum Handwerkszeug, mit dem man munter auf die mutierte Bande eindrischt.
Neben derartigen Einfällen ist es dann vor allem Danny Dyer, der mit seiner gewohnt lässigen Art über so manche Drehbuchschwäche hinwegsehen lässt – der Mann ist einfach ein geborener Entertainer, das bewies er schon in „Severance“ und hier zieht er ebenso freudig vom Leder. Da kann der Supportcast nicht ganz mithalten, schlägt sich aber doch recht gut, denn von der Interaktion der Protagonisten lebt „Doghouse“ passagenweise.

Wer von britischen Horrorkomödien nicht genug bekommen kann, der darf sich freuen wie Bolle, für den Rest der Welt ist immerhin solide Unterhaltung drin. Mit zunehmender Laufzeit geht dem Film etwas die Puste aus, doch Danny Dyer rettet so einiges und dank kruder Ideen gewinnt „Doghouse“ nicht nur an Kuriositätenwert, sondern macht zwischendurch auch richtig Spaß.

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