Der übliche Sprung ins kalte Wasser sieht bei in Rückblenden aufgedröselten Verbrechen meistens so aus, dass man mitten in die Situation geworfen wird, Gut und Böse nicht zuzuordnen sind und erst allmählich entpuzzelt wird, was hinter der scheinbar simplen Angelegenheit steckt.
Guy Ritchie und Quentin Tarantino haben das Prinzip größtenteils erfolgreich erprobt, während man bei diesem deutschen Debüt ein wenig Geduld aufbringen muss und zunächst wieder einmal Coolness mit Distanziertheit verwechselt wird.
Im Fokus des mit Intrigen und Finten gespickten Verwirrspiels steht Malcolm, der nach einer geplatzten Drogenübergabe mit einigen Fragen konfrontiert wird: Warum kommt man aus dem Bunker nicht heraus, wer hat wen erschossen und wem kann er beim ganzen Taktierspiel überhaupt trauen?
Tatsächlich bekommt man nach rund einer halben Stunde gerade so den Bogen, bevor man das Interesse verliert, da hierfür der karge Schauplatz des Bunkers und die undurchschaubaren Figuren, die allesamt reichlich verschlossen wirken zu wenig hergeben.
Hier Fragmente der Übergabe, dann ein Rückblick zu Malcolms Beziehung, wieder ein Treffen mit einem Mittelsmann auf einer Brücke und nach einiger Zeit spielen fast schon zu viele Figuren mit, zu denen sich ein passendes Bild formen soll.
Zwar sind die Farbfilter genau abgestimmt und die Flashbacks in Schwarzweiß gut hervorgehoben, doch es mangelt an Konfrontationen und generellem Fortkommen.
Als Malcolm von der Gegenseite in die Bredouille genommen und geschlagen wird, um das Versteck der Tasche preiszugeben, während parallel dazu seine Bekannte dasselbe Schicksal ereilt, kommt endlich Leben in die Bude und die Protagonisten kommen aus sich heraus, - wobei man auch hier nie zuviel verrät, da später noch Raum für die eine oder andere Wendung notwendig ist.
So bekommt man einige Fragmente zwar doppelt serviert, lässt jedoch beim ersten Mal entscheidende Parts weg, die erst bei der zweiten, kompletten Einfügung den Trick an der Sache erkennen lassen.
Auf inhaltliche Details kann man an dieser Stelle verständlicherweise nicht näher eingehen, doch den Ablauf mag man sich ähnlich vorstellen wie „Reservoir Dogs“: Die Wahrheit dröselt sich langsam auf, Gegenwart und die jüngste Vergangenheit spielen unmittelbar zusammen und am Ende erscheint einem der eine oder andere Twist schon fast einer zuviel.
Darstellerisch geben die meisten Mimen ein glaubwürdiges Spiel ab, die Kamera arbeitet souverän und nach dem etwas zähen Einstieg stimmt auch das Timing.
Was zunächst wie ein überaus trockenes Kammerspiel anmutet, entpuppt sich mit etwas Geduld als raffiniert konstruierter Thriller, der sich innerhalb internationaler Konkurrenz trotz niedrigen Budgets nicht zu verstecken braucht.
So läuft das also: Zu Beginn haben wir zwei Männer wovon einer schwer verletzt ist, dann kommen mehrere Figuren hinzu und am Ende haben wir erneut zwei Männer, wovon einer verletzt ist, wobei auch da noch nicht das letzte Wort gesprochen scheint.
Das simple Sujet einer Drogenübergabe lässt sich auf diese Weise auch zu einem Ratespiel umgestalten und im Endeffekt haben die Regisseure Zimmermann/Ohlsen das recht geschickt aufgezogen.
Durchaus spannend, durchaus unterhaltsam, durchaus clever, - nicht übel.
6,5 von 10