Es war ein wahrhaft düsteres Zeitalter. Ein Zeitalter, das von Langeweile geprägt war, indem sich konservative Anzugträger immer wieder neue Gesetze ausdachten, um die staatlich lizenzierte musikalische Langeweile zu schützen und zu bewahren. Im Jahre 1966 war die BBC der einzige legale Sender in Großbritannien, der nur wenige Minuten täglich die als anzüglich angesehene Musikgattung des Rock'n'Roll sendete. Doch das Bedürfnis nach Rock aus dem Radio war riesig, weswegen Piratensender wie „Radio Rock" wie Pilze aus dem Boden schossen.
„Radio Rock" wird von einem gleichnamigen Schiff, welches in der Nordsee vor Anker liegt, gesendet. 24 Sunden am Tag bekommen die Zuhörer von dem Seelenverkäufer The Kinks, The Who, Cat Stevens, The Beach Boys und Co. von einer kommunenähnlichen Gemeinschaft unter Senderchef Quentin (Bill Nighy) präsentiert, zu der schließlich dessen Patensohn, der introvertierte Carl (John Sturridge), hinzustößt. Während sich auf dem Boot alles um das Sammeln sexueller Erfahrungen, das Leben freier Liebe und Musik dreht, lassen der Regierungsbeamte Minister Dormandy (herrlich unentspannt: Kenneth Branagh) und sein Assistent Twatt (Jack Davenport) keinen Versuch und Gesetzesentwurf aus, um die verhassten Piratensender um „Radio Rock" endgültig verbieten zu können.
Dieser Hauch von Story reicht aus, um über eine Lauflänge von zwei Stunden ein Feuerwerk an Gags und guter Laune zu entfesseln. Die allesamt schrulligen Besatzungsmitglieder und DJs um den beleibten Lebemann Dave (Nick Frost) oder den lasziv hauchenden Vulgär-Macho Gavin (Rhys Ifans), um nur zwei der einprägsamsten zu nennen, sind allesamt ebenso liebenswerte wie witzige Gesellen, die sich auf den Ozean des Klamauks und der Verschobenheit immer nur so weit hinauswagen, dass sie noch die Kurve zurück in weniger anstößige Gewässer finden. Natürlich geben die gelebte „freie Liebe" und die damit verbundenen Eskapaden an Bord die meisten Aufhänger für die zahlreichen Gags her, aber daran stören sich nur spießige Spaßverderber. Apropos: Über die Kaste der langweiligen bürgerlichen Konservativen wird sich reichlich süffisant mokiert, wenn bspw. Minister Dormandy und sein Assi schweigend zu Tisch sitzen und stets darauf bedacht, distanziert und gesittet die Etikette zu wahren, so dass schon das leise Knallen eines Silvesterspielzeugs an die Grenze des Erlaubten reicht.
Zwischen dieser zunächst - und nicht ohne Grund - substanzlos erscheinenden Gute-Laune-Komödie entspinnt sich jedoch zusehends eine unkonventionell vorgetragene Adoleszenzgeschichte aus der Sicht von Carl, der sich neben einer passenden Frau für die Entjungferung (welch köstliche Verwicklung mit Dave und dem „Männertausch" im Bad) auch auf die Suche nach seinem leiblichen Vater begibt, der - wer hätte es gedacht - sich ebenfalls auf dem Schiff befindet. Diese gewinnt jedoch mit ihren ernsten Tönen nie die Oberhand, sondern wird ebenso wie das ausgelutschte Thema „wahre Liebe" harmonisch mit dem sehr spaßigen Rest des Films verquickt.
Der Regierung fallen dann jedoch auch noch einige Maßnahmen ein, die nicht mehr ganz so lustig sind und „Radio Rock" schließlich im allerdings immer noch sehr heiteren Titanic-Stil inklusive Moderieren und Senden bis zum Ende zum Sinken bringen. Doch bis dahin sind die Radiomoderatoren des Piratensenders zu wahren Volkshelden geworden und das Programm Radio Rock Revolution unterhält auch beim Absaufen des Senders fantastisch weiter. Ein sehr großer Spaß mit viel Musik, der zu den warmen Temperaturen passt wie die Platten auf den Teller.