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"Wir sollen die Wahrheit über das was wir essen nicht kennen. Vielleicht würden wir es sonst nicht mehr essen wollen."

Auf Verpackungen von Lebensmitteln finden sich immer wieder die Bilder von froh blickenden Farmern und Kühen, die auf grünen Wiesen grasen. Dass dies nichts mit der Realität zu tun hat, zeigt der Dokumentarfilm "Food, Inc.".

In den USA gibt es nur noch wenige Unternehmen, die für die Nahrungsmittelversorgung zuständig sind. Der Konkurrenzkampf ist somit kaum vorhanden und der Maximalgewinn angestrebt. Dank neuer Technologien in Form von Genmanipulation, Fließbandförderung und Massenhaltung von Tieren ist es möglich den Konsumenten günstig zu versorgen. Die Nebenwirkungen werden dabei allerdings gerne verschwiegen.

McDonalds steht zunächst Pate als Musterbeispiel für einen Massenbetrieb. Jeder Arbeiter lernt dort nur einen Handgriff. Somit sind die Löhne niedrig und die Personen schnell austauschbar. Anhand dieses Beispiels zieht "Food, Inc." seinen Weg hin weiter zu Supermärkten und den Produktionsstätten der Nahrungsmittelindustrie. Neben Fließbandsystemen der Nahrungsfertigung präsentiert der Film auch das Wirtschaftssystem der Produktion von Fleisch.

In sachlicher Form offenbart "Food, Inc." das bestreben der Konzerne einzelnen Farmern ihren Willen aufzudrücken. Bei der Geflügelproduktion zeigt der der Film die systematische Abhängigkeit kleiner Hühnerhalter von den Großkonzernen, die artgerechte Tierhaltung für den möglichst hohen Fleischertrag konsequent ignorieren. Aus Angst vor Sanktionen ist kaum ein Farmer bereit vor der Kamera offen über die Praktiken der Industrie zu sprechen. Nicht anders verhält es sich beim Markt für Saatgut.
Erstaunliches Detail am Rande: Mais, dessen Anbau in den USA massiv subventioniert wird, dient als Futtermittel bei der Fleischproduktion. Besonders bei Rindern, die von Natur aus Grasfresser sind, führt das zur Verbreitung von Bakterien, die letztlich auch auf den Menschen übergreifen und sogar den Tod bedeuten können.

So werden auch die Auswirkungen und Krankheiten durch Massenproduktion ein Thema bei "Food, Inc.". Dummerweise verliert sich der Dokumentarfilm dadurch in Einzelschicksalen verschiedener, interviewter Personen und kratzt auch den Menschenhandel in Form illegaler Arbeiter der Konzerne an.
Passender, aber nur am Rande erwähnt, ist die genetische Manipulation von Saatgut, der Fischfang allerdings findet sich garnicht wieder.

Ohne plakativ zu wirken zeigt "Food, Inc." auch unappetitliche Bilder. Dank professioneller Präsentation bietet der Film inszenatorisch mehr als die Konkurrenz, in Form der eher konservativen Dokumentation "We Feed the World".
Abschließend finden sich Möglichkeiten wieder, die großen Konzerne zu beeinflussen. Das Kaufverhalten jedes einzelnen Konsumenten bestimmt über das Produktionsverfahren und was in den großen Märkten an Produkten verfügbar ist. Und Alternativen gibt es, denn nicht jeder in der Nahrungsmittelindustrie hat auf eine Massenhaltung und Gewinnoptimierung umgestellt. Knappe...

7 / 10

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