Review

Nach Hope For All meine zweite Lebensmitteldoku. Und obwohl sie in der ersten Hälfte nicht mit derart harten Bildern kommt, weil sie sich auf die Industrie und die Herstellung und weniger auf die Tiere und das Fleisch fokussiert, schockiert sie doch nicht weniger. Denn was die Industrie produziert, ist mit einem Wort zu umschreiben: Dreck.

Hier kann man nun einwenden, dass sie sich auf die USA konzentriert und deshalb nicht relevant sei. Oder dass sie von 2008 und deshalb überholt sei. Oder auch, dass es bei uns bestimmt weniger Lobbyismus geben wird, als in den USA und der Mensch bei uns gewiss im Vordergrund stünde. Aber das wäre nur Augenwischerei, Schönreden von Missständen, schließlich wäre es ja schlimm, nicht auszudenken, würden wird ähnliche Gülle auf den Tisch bekommen, wie die Menschen in den USA.

Ich weiß nicht, ob es so ist. Keine Ahnung.

Aber unsere Industrie will genauso Geld verdienen, wie die der Vereinigten Staaten. Und hier wie dort geht das am besten durch Kostenersparnis via Prozessoptimierung. Und das System funktioniert ja, zumindest für die Industrie. Gibt es ein Problem, wird schon eine industrielle Lösung gefunden, mit der das System weiter funktioniert.

Wie? Es gelangen E-Coli-Bakterien ins Fleisch, weil die Kühe mit Mais anstatt mit Gras gefüttert werden? Behandeln wir unser Fleisch doch einfach mit Ammoniak, das tötet Bakterien. Problem gelöst. Wie? Die Behörden schließen Betriebe, weil sie Schadstoffe bei Tests gefunden haben? Wir klagen. Wir bekommen Recht. Lasst die Behörden doch testen, die können uns ja nichts.
Ernsthaft? Geht's noch?

Mais ist in den USA das Wundermittel schlechthin. Er kann unter Produktionskosten produziert werden, dient deshalb in großem Stil als Hauptfutter für alles, egal ob Rinder, Schweine oder Hühner. Auch findet sich Mais als Bestandteil in unzähligen Produkten, von Brot über Ketchup und Cola bis hin natürlich zu allen Fleischsorten. Deshalb können Fast-Food-Ketten ihre Burger auch so günstig anbieten, weil das Fleisch so billig ist. Zwei kleine Burger kosten weniger als ein Strunk Brokkoli, weil der natürlich nicht subventioniert wird.
Wo ist die Brokkoli-Lobby, wenn man sie braucht?

Verzeiht, wenn ich mal so deutlich werde, aber es ist zum kotzen, was uns in den Supermärkten von der Industrie vorgesetzt wird. Ich sage uns, weil ich wirklich nicht glaube, dass unser Essen allzu viel besser ist oder sauberer hergestellt wird. Ein bisschen vielleicht, ja, aber nicht viel. Geld regiert überall, nicht nur in den USA, auch bei uns.
Die Masse, die nach der Ammoniak-Reinigung als Burgerfleisch in Kartons verpackt wird, schaut übrigens wirklich widerlich aus.


Die Doku ist nur schwer erträglich, insbesondere im Doppelpack mit Hope For All, aber es ist auch wichtig, dass wir aufhören, unsere Augen zu verschließen. Ich habe das viel zu lange getan, vermutlich auch, weil ich keine Zeit und zu viel Stress hatte. Und natürlich soll man nicht alles glauben, was wir gesagt bekommen, nicht diesen investigativen Journalisten, die solche Dokus machen, aber bitte erst recht nicht der Industrie und damit dem Geld.
Sehenswert.

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