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Wang Yu, Kampfname "Der Ahnungslose", war zu Lebzeiten eine lebende Kuriosität im Easterngenre, da einer der wenigen Nichtkampfsportler unter den Stars des Genres. Die kämpferische Reputation des Ex - Schwimmers und angeblichen Triadenschergen basiert fast ausschließlich auf seinem Können als freischaffender Kieferchirurg in Straßenanstellung. Dass der Kerl es trotztdem schaffte, sich dem Drehdiktat der Shaw Brothers zu entziehen und als Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller sein eigenes Ding zu machen, ist eine durchaus beachtliche Leistung, wenn man all das unnötige Training bedenkt, dass Ikonen wie Ti Lung, Carter Wong und Lo Lieh in ihr Kung Fu und ihre Karriere steckten - diese Trottel.

Mit "Eine Faust wie ein Hammer" hebt er sich dann noch auf andere Art von gängigen Shaw Brothers - Konkurrenzproduktionen ab, indem er selbst für Easternverhältnisse einen exorbitant schrillen Karneval der Kulturen auffährt: das asiatische Publikum fühlt sich ernstgenommen, das westliche überfordert, alle gewinnen. Außer Wang Yus Konkurrenz im Film: die beißen bis auf eine Ausnahme allesamt ins Gras, abgefrühstückt, gedehmütigt, gekillt von einem einsamen wie einarmigen Rächer, der klingt wie Alf nach einer durchzechten Nacht im Reisweinkeller. Und ja, Tommy Piper ist hier tatsächlich als Leihstimme am Werk. Ein Grund mehr, den Film zu schauen. Neben vielen anderen, bei denen der deutsche Fan vor Ohrenschlackern abhebt!

Zu Beginn steckt unser Chefbehämmerter, Kung Fu - Schüler und Ziegelbrenner Yu Tien Lung, seine Nase in fremder Leute Angelegenheiten und zerpflückt einen Trupp konkurrierender Schüler, die einem alten Händler im Teehaus seinen Lieblingsvogel abknüpfen möchten. Der darf Yu und seinen Kumpels sei Dank seine thailändische Prachtmeise behalten, löst aber gleichzeitig mit seinem Wunsch nach dem Besitz von gefiedertem Lebendluxus einen Bandenkrieg zwischen den beiden Schulen aus. Klingt da etwas versteckte Maoistenmoral durch und Wang Yu und seine Leute sind die verachtenswerten Bewacher des Kapitalismus? Möglich. In irgendeiner verqueren Dimension jenseits unserer vielleicht. Egal, weiter im Text! Die mit Eisenhaken bewaffneten Wegelagerer wollen die Schmach der Niederlage nicht auf sich sitzen lassen und engagieren eine Horde Söldner verschiedenster Herkünfte und Kampfdisziplinen, um die lustige Maurerbande in die Schranken zu weisen, was nur unser Held überlebt und das auch nur knapp, nachdem ein Oni (eine Art Dämon) ihm einen Flunken ausreist.

Der halbtote Frischinvalide wird kurz darauf von einem mysteriösen Heiler und dessen hübscher Tochter aufgelesen, die ihn nicht nur mit Nahrung und Liebe, sondern vor allem eigenartigen Heilungs - und Trainingsmethoden wieder aufpäppeln. Diese sehen vor, dass der verbliebene Arm mit einer ominösen Pflanzenpampe eingeschmiert im gleißenden Feuer verkohlt und anschließend so lange mit einem Schmiedehammer malträtiert wird, bis jedes Gefühl gänzlich abgestorben ist. kurzum: Yu Tien Lung ist jetzt zehnmal stärker und zieht als Rächer mit der marinierten Grillfaust gegen das Killerkommando der Konkurrenz zu Felde und schlägt deren Schädel statt des naheliegenden Karrierepfades als einarmiger Bandit ein. Und ja, der musste sein.

Wang for Yu, Wang for me, Wang for everyone! Gerade Altnerds und Videospielfreunden dürfte diese Filmkuriosität hier munden, weil das hier Klassiker wie "Tekken", Street Fighter" oder gar "Mortal Kombaaaaat!" um einige Jahrzehnte vorausahnt. Der Cast der Killer besteht aus jedem gängigen Klischee des Kampfkunstfilmes. Neben den beiden dumpfbackig dreinschauenden Muay Thai - Zwillingen und den tibetanischen Llamas mit ihrem Theo Waigl - Gedächtnisaugenbrauen sind vor allem der grantig schauende Oni und der auf den Händen laufende Superyogi meine Lieblinge der kämpfenden Freakshow. Trotz aller Drolligkeit hat man hier sehr viel Wert auf Authentizität gängiger Heldentypen des Eastern gelegt, was man an Details merkt wie dem Unwillen der Mönche, mit dem Dämon an einer Seite zu kämpfen. Die Vielzahl an gezeigten Kampfkünsten sind zudem ein netter Bonus und sorgt für Abwechslung.

Auch, wenn wir Gweilos (Nichtchinesen) bestenfalls die Hälfte des Filmes ohne mehrere Semester Sinologie in der Tasche verstehen ist "Eine Faust wie ein Hammer" eine gottverdammte Wundertüte, ansprechend in schicken Sets und Kostümen gefilmt und verdammt vielseitig. Einziger Nachteil: Herr Yu übertrumpft sich einige Jahre später im "Duell der Giganten", einer ideologischen wie stilistischen Schlacht der gehandicappten Meister im Dauerclinch mit dem Meister der fliegenden Guilliotine selbst und stülpt dem Film gleich noch einen historisch - faktischen Überbau über die zum Rollen prädestinierte Birne. Dennoch 8 / 10, für Wang Yu und seine farbenfrohen Gegner.






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