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Anders Baasmo Christiansen spielt einen ehemaligen Ski-Läufer, der nun als Liftwärter abgeschieden in den norwegischen Skanden tätig ist und seinen Tag im Wesentlichen mit Rauchen und Saufen verbringt. Als er erfährt, dass sein Sohn in einem nördlich gelegenen Kaff leben soll, macht er sich mit seinem Schneemobil auf den Weg. Auf seiner Reise trifft er zahlreiche skurrile Menschen.

Ein Roadmovie mit dem Schneemobil in den norwegischen Skanden ist ein zunächst befremdlich anmutender Gedanke, in letzter Konsequenz aber auch keine schlechte Idee. So ist "Nord" zunächst einmal die paradiesische aber eisige Kulisse der Skanden, die mit viel Übersicht in Szene gesetzt wird, positiv anzurechnen. Die Kälte und die Einsamkeit sind förmlich spürbar, zumal sie dem Gefühlsleben des Protagonisten im Wesentlichen entsprechen.

Denn dieser ist ein ausgebranntes Wrack. Man erfährt nicht viel über ihn, nur, dass er wohl einen Sohn hat, mal ein normales Leben führte, sich nun jedoch dem Suff hingibt, nachdem er seiner ehemaligen Leidenschaft, dem Skifahren, schon lang nicht mehr nachgegangen ist. Doch nun kommt es zum Aufbruch und der hätte durchaus das Potential für ein amüsantes, herzerwärmendes Roadmovie geboten, doch dies wird nur teilweise genutzt.

Denn der Road-Trip ist extrem episodenhaft und bietet kaum übergeordnete dramaturgische Zusammenhänge. Und so bleibt der Film durchgehend auf einem mehr oder weniger unterhaltsamen Niveau, steigert sich jedoch kaum, zumal die drei Begegnungen qualitativ deutlich schwanken. So ist die erste Episode, in der er Kontakt zu einem ebenso einsamen Mädchen knüpft sehr gelungen, während die zweite mit einem unterdrückten Homosexuellen zwar einige amüsante Momente hat, unterm Strich jedoch etwas zu skurril ausfällt, woraufhin die dritte recht lang auf der Stelle zu treten scheint. Die einzige Überleitung besteht im allmählichen Wandel der Hauptfigur, die das Lächeln wieder entdeckt, wieder Gefallen am Skifahren findet und sich schließlich seiner Vergangenheit stellt, wobei Kitsch ausbleibt; ganz große Emotionen aber leider ebenso.

Unterhaltsam ist "Nord" so vor allem aufgrund seines extrem lakonischen Humors, der ebenso tragisch wie amüsant daherkommt und durchaus eine gelungene Abwechslung zum Einheitsbrei aus Hollywood zu liefern weiß. Die Gags stehen und fallen dabei vor allem mit dem Hauptdarsteller, der den ruhigen, dialogarmen Film über weite Strecken praktisch im Alleingang tragen muss, aber diese Anforderung erfüllt Christiansen, der mit seiner ruhigen, depressiven, lakonischen, aber doch irgendwie sympathischen Art perfekt in seine Rolle passt und darstellerisch durchaus überzeugt. Und auch die Nebendarsteller erfüllen ihre Aufgaben ohne einen Grund zur Beschwerde zu hinterlassen.

Fazit:
"Nord" lebt vor allem von seinem lakonischen Humor und den sehenswerten Landschaftsaufnahmen. Obwohl die Wandlung des Protagonisten dabei sehr sympathisch und ohne Anflüge von Kitsch präsentiert wird, reicht es dennoch nicht zum Sprung übers Mittelmaß, da das Roadmovie durch die norwegischen Skanden sehr episodenhaft geraten ist und somit auf dramaturgischer Ebene vermeidbare Fehler entstehen.

63%

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