Verträumte Liebesgeschichte zweier sich nach Freiheit sehnender Teenagerinnen? Whodunit-Krimi? Kommentar auf Klassenunterschiede und Ausnutzung der Armen durch die Reichen? Gefängnis-Drama mit Zügen eines Actionfilms? Road Movie über das Ergründen der Geheimnisse seiner Partnerin? Mystische Legende? El Niño Pez ist wohl alles auf einmal. Dass er dabei sehr homogen, wie aus einem Guss erscheint, ist das wahre Kunststück. Diese angenehm komplexe und faszinierende Geschichte wird von Anfang an parallel auf zwei Zeitebenen erzählt. Nach und nach werden Geheimnisse gelüftet, nach und nach bekommen die Persönlichkeiten aller Haupt- und Nebenfiguren messerscharfe Konturen, nach und nach werden Spannungsfelder und die Beziehungen der Figuren untereinander präzise offengelegt. Regisseurin Lucia Puenzo kreiert eine Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Ein elegant fließender Film im tagträumerischen Mood, unheimlich hypnotisierend, fast märchenhaft, in exquisiten Bildern gehalten, die immer wieder Wunschtraum mit harter Realität konterkarieren, bisweilen surreal bis mystisch anmutend. Kurzum: Nicht nur ein handwerklich ausgezeichneter Film, sondern ein emotionales, stark absorbierendes Werk, das den Betrachter völlig einnimmt und für 90 Minuten in seine Welt entführt. Ein grandioses Erlebnis. Und am Ende muss man sich fragen, ob das Happy End real ist oder nur Lalas Wunschvorstellung entspringt. Fest steht nur: Die letzte Szene mit "Ich folge dir bis auf den Grund" ist die intensivste und einprägsamste Schlusszene in einem Film seit vielen, vielen Monaten. Ferner auf der Habenseite von El Niño Pez zu verbuchen ist das durch die Bank weg sehr gute Darsteller-Ensemble, superb angeführt durch Inés Efron, die allein schon wegen ihrer großen Augen und des leicht irren, alles durchdringenden Blickes für irgend etwas nominiert werden sollte.