kurz angerissen*
Die Konzeption des sich selbst verschlingenden Kleindorfs, in Peter Weirs "Die Autos, die Paris auffraßen" trifft sie auf eine wahrhaft bizarre allegorische Verkleidung. So bildhaft wie der Titel ist die Handlung nicht; weder geht es um menschenfressende Auto-Mutanten noch findet die Handlung in einer französischen Großstadt statt. Ganz im Gegenteil, hier sind äußerst irdische Kräfte am Werk und sie walten irgendwo im australischen Nirgendwo auf einem Punkt der Landkarte, den Menschen wahrscheinlich nur zufällig passieren. Dabei ist gerade der Titel in seiner Monstrosität genial gewählt. Die aus ihm entstehende Suggestion führt soweit, dass man ein parkendes Auto in einer schlichten ersten Einstellung daraufhin zu prüfen beginnt, ob es eine eigenwillige Persönlichkeit besitzt: Steht da am Wegesrand womöglich eine böse Variante von "Herbie", die im Inbegriff ist, Amok zu laufen?
Natürlich trügt uns der Instinkt. Stattdessen werden nachfolgend zunächst einmal Dorfbewohner gezeigt, die wie besessen ihre Autos pflegen, sie ungewöhnlich bemalen und mit Features versehen, die sie glatt für ein "Death Race 2000" wie im gleichnamigen Film von 1975 tauglich machen würden. Ein rundum mit Spikes versehener Käfer wäre sogar in der Welt von "Mad Max" ein ziemlicher Hingucker. Die Vermenschlichung der Autos geht also von ihren Besitzern aus. Einer von ihnen schreit wie am Spieß, als sein Fahrzeug in den Flammen zerstört wird, beinahe so, als handle es sich um Lebewesen. Weir spielt auch mit Elementen des Backwood-Horrorfilms, als er auf degeneriert dreinschauende Darsteller setzt. Er kombiniert diese Figuren mit sektenartigen Anführern, die sich hauptsächlich im reichlich merkwürdigen Verhalten des Mayors (John Meillon) spiegeln.
Wie die meisten Geschichten dieser Art folgt auch diese dem Prinzip der Eskalation. Was im ersten Akt noch unter der Oberfläche brodelt, stößt naturgemäß während eines mehr als unheimlichen Dorffestes an die Oberfläche, im Takt mit den Entdeckungen, die Terry Camilleri als Maulwurf des Zuschauers macht. Als habe Weir gerade darauf abgezielt, zelebriert er chaotische Auto-Stunts in einem Kontext, der weniger von Action als von Horror geprägt ist, pfeift auf jede Form einer ausdefinierten Choreografie. Und so klassisch die Dramaturgie ist, so ungewöhnlich die Mittel, mit der sie erreicht wird. Auch wenn man noch so viele "Weird Village Tales" gesehen hat - "Die Autos, die Paris auffraßen" ist merkwürdig in fast jeder Hinsicht.
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