Interview vom 23.10.2007 mit Franz Beckenbauer über seinen Sportfilm „Libero“ aus dem Jahre 1973*
Ghost:
LIBERO – der Franz Beckenbauer-Film.
Herr Beckenbauer, könnten Sie unseren Lesern bitte erst einmal erzählen, um was es denn in dem Film, den Wigbert Wicker Ihnen gewidmet hat, so geht?
Franz:
Ja, gutt-ähhh… also zunächst einmal können Sie mich im Weiteren ruhig mit „Kaiser“ oder „Fußballgott Franz“ anreden, des klingt dann ned so förmlich.
Ja gut, also um was geht’s denn da. Ja, also zunächst einmal in erster Linie natürlich um mich, hähä [lacht verschmitzt]. Dann darum, dass ich der Kaiser bin und der weltbeste Fußballer aller Zeiten und äh… übern FC Bayern… ja mei, des war damals 19-sowieso schon ein echt berauschender Jahrgang, äh…
Ghost:
Wenn ich dieses monumentale Meisterwerk richtig gedeutet habe, was gar nicht einmal so leicht war, dann werden hier doch mehrere Szenarien abgehandelt. Zwar nur fiktive, aber durchaus solche, mit denen Sie, Euer Heiligkeit, in Ihrem damaligen Fußball-Alltag doch ständig konfrontiert wurden.
Da wäre zunächst die allgegenwärtige Verletzungsgefahr, dann der Leistungsdruck, unter dem man als Profi immer steht, undankbare Fans, skandalhungrige Pressefuzzis…
Kaiser Franz:
Ja, gutt-ähhh, freilich ist selbst das Leben eines ähh… Fußball-Übermenschen wie des meinige von Sonnen-, aber eben auch von Schattenseiten gezeichnet, des is’ ganz klar. Im Film wird des schon auch sehr souverän dargestellt, wie’s damals so zuging. Jeder hat Kotletten kappt wia a Werwolf. A dicke Hornbrille hab’ ich damals auch kappt und an feschen Travolta-Anzug und da Netzer, oh mei, der hat a damals schon einen Scheitel kappt, nach dem man die Uhr stellen konnte [klopft sich lachend auf den Oberschenkel]…
Ghost:
Aber Herr Beckenbauer, doch bitte wieder mehr zur Handlung des Films und seiner filmgeschichtlichen Brisanz…
Kaiser Franz:
Ja gutt, freilich hab’ ich selbst mit diesem Film ein Denkmal gesetzt, das seine Wellen bis in die Gegenwart schlägt. Mich sieht man im „Libero“ doch so wunderschön in Zeitlupe die Gegner ausschwanzen [umgangssprachlich für „austricksen“], ich dribbel den Ball, ich führ’ ihn wie a Weltmeister, ich bums’ drauf und er is’ im Kasten… [redet mit leerem Blick… fängt sich wieder]
…und genau des Prinzip hab’ ich erst kürzlich im Kino entdeckt, in dem „300“ oder wie der noch gleich hieß. Die Klage ist freilich schon eingereicht, des hab’ schließlich ich erfunden.
Ghost:
Lieber Herr Beckenbauer, eine letzte Frage noch? Hat Hollywood denn eigentlich schon angefragt?
Kaiser Franz:
Noch nicht.
(*fiktives Interview, bitte keine Klagen!)
Resümee:
„Libero“ – das ist Zeitlupen-Fußball mit einschmeichelndem Porno-Gedudel unterlegt, umschmückt mit einer gänzlich alibi-haften Rahmenhandlung ohne Sinn und Verstand, und garniert mit viel 70er-Jahre-Flair.
Highlight aber ganz klar der damals 28 Jahre junge Beckenbauer mit seinen mehr oder weniger ausgeprägten schauspielerischen Ambitionen.
„Herr Beckenbauer?“
- „Ja, bitte?“
„Haben Sie vielleicht ein Foto von sich dabei?“
- „Türlich, ich hab’ immer welche von mir dabei.“
Fazit:
Ganz klar der „Daniel – Der Zauberer“ der 70er, wenn auch technisch etwas versierter.
Saudämlich, strunzlangweilig... und trotzdem irgendwie gut. Ein kleiner Trash-Klassiker!