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Das die norwegischen Filmemacher ihre Story über den Widerstandskämpfer "Max Manus" aus der Position des "Ich - Erzählers" gestalteten, zeugt von Selbstbewusstsein, denn außerhalb ihres Landes hätten nur Wenige gewusst, dass der Mann den Krieg überlebt hatte. Gleichzeitig verdeutlicht dieses Detail, welches der Story für den Unkundigen der norwegischen Situation einiges an Spannung nimmt, auch, dass der Film - trotz internationaler Beteiligung und einer Inszenierung auf hohem technischen Niveau - vor allem für den norwegischen Markt gedreht wurde.

Max Manus (Aksel Hennie) und seine Mitstreiter sind in Norwegen große Helden, deren Taten wahrscheinlich schon jedes Schulkind kennt. In diesem Punkt unterscheidet sich Norwegen nicht von vielen anderen Ländern, die im 2.Weltkrieg unter der deutschen Besatzungsmacht litten, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Entstehung der Besetzung meist als wenig ehrenvoll angesehen wurde. Auch Max Manus beklagt dies in einer der ersten Szenen des Films, denn während er im Winterkrieg 1939 / 1940 an der Seite der Finnen gegen die Russen kämpfte, traf die deutsche Wehrmacht nur auf wenig Widerstand in Norwegen.

Diesen Zustand will er nicht länger hinnehmen, weshalb er beginnt, gemeinsam mit seinen Freunden Gregers Gram (Nicolai Cleve Broch), Kolbein Lauring (Christian Rubeck) und einigen Anderen, Flugblätter zu drucken und zu verbreiten. Genauso wie Oslo gepflegt und nicht nach Krieg aussehend in der Sonne strahlt, machen sich auch die jungen Männer an die Arbeit, nicht ahnend, dass ihnen die Gestapo längst auf den Fersen ist. Das ändert sich radikal, als Max Manus nach Hause kommt und von schwer bewaffneten Männern verhaftet werden soll. Diese hatten zudem Sprengstoff unter seinem Bett gefunden, denn Manus hatten die Flugblätter nicht mehr gereicht, weshalb sie Anschläge vorbereiteten. Spontan springt er aus dem Fenster im Obergeschoss und kommt schwer verletzt in ein Krankenhaus, von wo ihm mit Hilfe des Personals und der anderen Widerstandskämpfer die Flucht gelingt.

Selbstverständlich kann ein knapp zweistündiger Film keine exakte chronolgische Schilderung eines fünfjährigen Zeitraumes bis zum Ende des 2. Weltkrieges abliefern, aber die Details, auf die verzichtet werden, sagen viel über die Intention der Macher aus. So sieht man kurz nach den Ereignissen im Krankenhaus wie Max Manus sich bei einer Einheit in England meldet, wo spezielle Truppen für den Widerstand in Norwegen ausgebildet werden. England ist nicht weit von Norwegen entfernt, aber tatsächlich brauchte Manus damals mehr als ein halbes Jahr, um über einen riesigen Umweg dorthin zu gelangen.

Überall gab es Kontrollen - überwachte Seewege und die Gefahr verraten zu werden, war erheblich, weshalb man sich nur mit größter Vorsicht bewegen konnte. Diesen Eindruck vermittelt der Film keinen Moment. Stattdessen wechselt Manus mit Leichtigkeit seine Standorte, landet unbehelligt mit dem Fallschirm wieder in Norwegen und zieht sich nach Attentaten nach Stockholm zurück, wo er zudem "Tikken" Lindebrække (Agnes Kittelsen) kennenlernt, die von dort aus den Widerstand mit organisiert. In Schweden war es damals keineswegs so ungefährlich, wie der Film kolpoltiert, denn in dem sich neutral gebenden Land befanden sich ebenfalls viele deutsche Geheimdienstler und für nachgewiesene Verbrecher (um die es sich aus deutscher Sicht bei den Widerstandskämpfern handelte) drohte die Abschiebung.

In Norwegen bleibt es ähnlich harmlos. Außer in der Figur der Solveig Johnsrud (Viktoria Winge), die zur Geliebten des deutschen Oberkommandierenden Siegfried Fehmer (Ken Duken) wird, existieren keine norwegischen Kollaborateure oder Verräter. Die Auseinandersetzung konzentriert sich allein auf die Gruppe der Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzungsmacht, personifiziert durch den charismatisch bösen Fehmer. Auch die Anschläge, die hier geschildert werden, gelten ausschließlich militärischen Zielen, die nur Deutsche gefährden. Realistisch war das nicht, denn natürlich konnte bei den Bombenanschlägen, die nicht nur deutschen Schiffen im Hafen Oslos galten, nie ausgeschlossen werden, dass auch die Zivilbevölkerung davon betroffen war. Zudem wurden nach solchen Aktionen Strafmassnahmen an zivilen Personen durchgeführt, weshalb die Widerstandskämpfer innerhalb der Bevölkerung keinen guten Ruf hatten.

Manus erwähnt einmal in einem Satz, dass die Geschichte entscheiden wird, ob sie Terroristen oder Helden sein werden, aber wirklich ernst nimmt der Film diese Aussage nicht. Die Ambivalenz, die darin liegt, dass man als friedliebender Mensch plötzlich aus Überzeugung Bomben schmeissen muss und damit auch Freunde und Bekannte gefährdet, fehlt genauso, wie die Hoffnungslosigkeit der oft in kleinen Gruppen arbeiteten Widerstandskämpfer, die nie wussten, welchen Nutzen ihre Aktionen hatten. Tatsächlich waren ihre Taten mehr Ausdruck ihrer Moral, als das sie kriegsentscheidende Wirkung hatten, aber in "Max Manus" entsteht am Ende der Eindruck, als hätten die Widerstandskämpfer entscheidend zur Vertreibung der Besatzungsmacht beigetragen.

Natürlich sterben viele von Manus' unmittelbaren Mitstreitern, aber dem Film gelingt es nicht angemessen, auch die Tragik dahinter zu vermitteln, da er die Charakteristik eines Thrillers beibehält, in der eine kleine Gruppe gegen eine feindliche Übermacht antritt. Es fehlen die Hintergründe, die verdeutlichen, unter welchen Umständen die Widerstandskämpfer tatsächlich arbeiteten und die begründen, warum sich nur Wenige dazu entschieden. Abschliessend erwähnt der Film noch, dass Manus seinen Alkoholismus niemals überwinden konnte - angesichts der realen Ereignisse mehr als verständlich - aber im Film wirken die letzten Szenen, die einen psychisch labilen Menschen zeigen, unglaubwürdig, da auch Hauptdarsteller Aksel Hennies über die gesamte Laufzeit fast unbewegt cool bleibt und weder Ängste noch Zweifel auszudrücken vermag.

"Max Manus" konzentriert sich zweifellos auf Menschen, die es verdient haben, dass ein Film über ihr damaliges Wirken gedreht wurde, aber insgesamt verbleibt der Film zu sehr im Aussenraum und will Niemandem mehr auf die Füsse treten - weder dem Teil der eigenen Bevölkerung, die mit der Besatzungsmacht kollaborierte, noch den angrenzenden Staaten wie Schweden, mit denen das Verhältnis keineswegs so unkomplziert war, und auch nicht mit Deutschland, dessen Bösartigkeit sich hier auf eine Person begrenzt, mit der Manus am Ende sogar seinen Frieden schliesst.

Filme wie "Il terrorista" (italienischer Widerstand), "Armee im Schatten" (Französischer Widerstand) und nicht zuletzt "Flammen und citrone" (dänischer Widerstand) haben gezeigt, dass man sich des Themas auch annähern kann, ohne den kritischen Blick auf die Normalbevölkerung, aber auch die Widerstandskämpfer selbst, zu verlieren. Diese Intention ist in "Max Manus" nicht spüren, in dessen Glanz sich sowohl die Kämpfer als auch die Bevölkerung sonnen können, der damit aber eher den Charakter eines Abenteuerfilms mit realem Hintergrund erhält (5/10).

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