Die Zeit für propagandistische Ausbeutung von Filmen über den zweiten Weltkrieg ist inzwischen gesegneterweise vorbei, auch die Phase für die Abbildung des Schrecken des Krieges und den Versuch der Verarbeitung hat man langsam aber sicher abgehakt, aber die Geschichten über einzelne herausragende Personen funktionieren eigentlich immer: Menschen, die in Notlagen und Krisenzeiten sich treu geblieben sind und Großes gegen Despotie, Krieg, Terror und Unrecht geleistet haben.
Während in Deutschland da meistens mit heroischem Scheitern auf höchstem Niveau gearbeitet werden muß, wissen die übrigen Länder ihre Helden durchaus zu schätzen und zu feiern.
Mit "Max Manus" brennen die Norweger nun ihr kleines Feuerwerk ab, die Geschichte eines hochdekorierten Widerstandspartisanen, der stets gegen die deutschen Besatzer gekämpft hat und später hochdekoriert ein angesehener Veteran und Volksheld wurde.
Serviert man so eine Filmbiographie nun also in Deutschland, so muß man sich als Zuschauer entscheiden, ob man politisch korrekt einfach nur das Feelgood-Kino gegen böse Nazis abfeiert oder die gesamte Konstruktion ein wenig zerpflückt, ob etwas von Wert dabei ist.
Unbestritten bleibt dabei sicherlich die Rolle, die der historische Manus bei der Sprengung verschiedener deutscher Kriegs- und Transportschiffe gespielt hat, jedoch reagiert man hierzulande ein bißchen empfindlich gegen zu viel einseitigen Glorienschein, ohne jetzt die Taten der Besatzer runterspielen zu wollen.
Da haben sich die Norweger dann durchaus bemüht, eine solide und vielseitige Geschichte auf die Beine zu stellen. Historische Ereignisse werden gemischt mit einer bitteren Geschichte von Freunden, die gemeinsam in die Widerstandsbewegung gegangen sind, um dann zwischen den Mühlsteinen des Krieges zermahlen zu werden.
Auch hat man darauf geachtet, das Geschehen durchaus kontrovers als Aktion/Reaktions-Prinzip mit entsprechenden Vergeltungsmaßnahmen zu zeigen, was das Gewissen durchaus belasten kann, aber dennoch keine echte Alternative bietet. Und dem generellen Nazihass hat man auch nicht die Zügel schießen lassen, am Ende sitzen sich die Kontrahenten, Manus und der gefangene Siegfried Fehmer relativ wortlos gegenüber und es muß nur entschieden werden, ob ein Minimum an Respekt oder Anerkennung verschiedener Seiten geleistet werden sollte.
Doch genau dort, wo der Film nicht einseitig sein will, kommen seine ganzen Schwächen ins Spiel, die in der historischen Figur, bzw. der Interpretation im Film deutlich werden. Der Manus des Films soll zwar eine unentschiedene, verzweifelte, oft einsame Figur sein, allein die nötige Tiefe, den lebendigen Charakter kann man nie einfangen. Aksel Hennie gibt sich zwar alle Mühe, Komplexität zu zeigen, doch die Hintergründe, die Geschichte der Figur bleiben ein Mysterium, seine Motivationen verschwommen. Straff in den Absichten und der Umsetzung militärischer Gegenschläge, wirkt der Mensch Manus wie ein Enigma, das Hennie nicht zum Leben erwecken kann, negativ betont durch ein überladenes Drehbuch, das auch Nebenfiguren viel Platz einräumen möchte (um die Tragik zu steigern), eine hölzern-unkonventionelle Liebesgeschichte (mit seiner späteren Frau) unpassend und antiklimatisch in den Plot preßt und zugunsten der Historie wichtige Informationen des Umfelds auf kleine Fingerzeige reduziert.
Ken Duken als Fehmer darf dann doch wenig mehr als das fiese, sadistische Biest spielen, weitestgehend die menschgewordene Bösartigkeit, die in einer rudimentären Nebenhandlung auch noch seine anfangs mehr als geschockte Sekretärin einwickelt. Die Widerstandskämpfer, obwohl teilweise aus dem finnischen Winterkrieg fronterprobt (was als Erinnerungsfetzen immer wieder relativ unerklärt im Film aufgegriffen wird, obwohl es keine nennenswerte Funktion hat oder das Geschehen im Film auch nicht kommentiert, unterstreicht oder konterkariert), wirkt wie eine Horden gut gebügelter Naivjünglinge, deren Schicksal Manus mehrfach nur durch Zufall und Glück nicht teilt. Die Resonanz im Land geht unter, die Funktion der Saboteure als notwendiges Kanonenfutter wird zwar anfangs erwähnt, aber dann nicht wieder aufgegriffen.
Manus selbst, weniger intellektuell als seine Mitstreiter, bleibt meistens wort- und konturenlos, ein Mann der Tat, aber (zumindest im Film) niemand, der etwas zu erzählen oder weiterzugeben hat.
Alles an ihm wirkt mühsam abgestimmt: nicht zu sympathisch, nicht zu verkopft, nicht zu strahlend, nicht zu brutal, niemals unmenschlich, niemals gefühllos, eher hilflos, aber immer kontrolliert - ein Drehbuchgeschöpf, dem man gut folgen kann, der aber nicht die nötigen Fehler mit sich herum schleppt, um wirklich menschlich zu sein. Geht es an solche Themen, wirkt die dramatische Produktion immer erstaunlich ungeschickt, notfalls trinkt man eben ein Gläschen oder raucht eine nach der anderen, was aber noch keine Figur ausformt, die außerhalb Norwegen nicht den meisten Zuschauern herzlich egal wäre.
Es mag gut sein, daß man spürt, das hier ist nicht Hollywood und kein verkopftes Arthauskino, aber es strandet alles irgendwie dazwischen, da kann die visuelle Umsetzung noch so trefflich sein (auch wenn einige Drehorte sehr stark an das moderne Norwegen erinnern), hier wird zu viel gewollt, lokal funktionabel und nicht eindimensional, aber gerade wegen dieser Mühe, der spürbaren Arbeit, künstlich. Dazu kommt, daß die Figur außerhalb seines Heimatlandes sowohl unbekannt, wie auch wenig wichtig erscheint, eben doch nur das Portrait eines von vielen Widerstandskämpfern; einer, der durchkam.
Möglicherweise wäre es funktionabler gewesen, wenn man das Voice Over Manus', mit dem der Film beginnt und das die ersten Geschehnisse kommentiert, länger als zehn Minuten durchgehalten hätte, um den Zuschauer so emotionaler an sich zu binden. In dieser Form verbleibt am Ende nur ein "Schön und gut, und jetzt?"! (5/10)