Die Sauna ist ein enorm wichtiges Element in der finnischen Kultur und dient dort der Körperreinigung. Antti-Jussi Annila (Jade Warrior) geht in seiner zweiten Regiearbeit noch ein Stückchen weiter, denn in seiner Horrorsaune kann man sich von seinen Sünden reinigen. "Sauna - Wash your Sins", der Titel sagt eigentlich schon alles, dennoch erwartet einem hier ein Ausnahmefilm, ganz weit weg vom Mainstream.
1595: Der Krieg zwischen Schweden, Finnland und Russland ist endlich beendet. Nun gilt es die Grenze abzustecken und dafür sind die beiden Kartographen Eerik (Ville Virtanen) und Knut (Tommi Eronen), nebst drei russischen Soldaten dafür veratnwortlich. Nach einem langen Marsch durch ein unbekanntes Sumpfgebiet landen sie in einem namenlosen Dorf, welches nicht auf der Karte verzeichnet ist. Dort befindet sich auch eine uralte Saune, wo man sich angeblich von seinen Sünden reinwaschen kann. Besonders Knut will dort nach Vergebung suchen, wird er vom Geist eines Mädchens verfolgt wird, welches sie einfach eingesperrt in einem Kellerloch zurückließen. Doch was ihn dort erwartet lässt sich nicht beschreiben und bald wagt auch Eerik den Gang in die Sauna.
Es ist wirklich eine Wucht, wie dreckig, düster und gruselig Annila das Land eingefangen hat. Allein schon beim langen Marsch durch das sumpfige Gelände bekommt man eine Gänsehaut und auch die beiden Brüder Knut und Eerik sind dem Zuschauer am Anfang unheimlich. Als Kartographen haben sie besondere Rechte, von denen besonders Eerik Gebrauch macht. Schon über siebzig Menschen hat Eerik kaltblütig ermordet, auch einen russischen Bauern ersticht er, weil der angeblich eine Axt hatte. Man klaut die Vorräte und lässt die junge Tochter des Ermordeten in einem Kellerloch zurück. Gerade Eerik hasst man zu Beginn sogar, sein jüngerer Bruder Knut schaut zwar meist nur zu, ist aber auch nicht ohne."Sauna" ist ein Film, dem ein gediegenes Erzähltempo wesentlich besser steht, bei ein paar Szenen hätte man sich auch kürzer fassen können. Aber immer wieder wird der Zuschauer quasi aufgerüttelt, zum Beispiel von der hervorragenden Schockszene im Sumpf, als Knut vom Geist des Mädchens verfolgt wird. Es vergeht ein Weilchen, bis man im namenlosen Dorf landet, doch zuerst fällt ein weisser Steinblock auf, der mitten im Wasser steht. Schon der erste Anblick der Sauna jagt einem einen Schauder über den Rücken und nicht mal der Dorfälteste weiss wer sie gebaut hat.
So gilt es für Eerik und Knut herauszufinden, welcher Nationalität dieses Dorf angehört, welches sich auf keiner Karte befindet. So bekommen wir mit, dass dort einst Mönche lebten, welche beim Auftauchen der Menschen jedoch spurlos verschwunden waren. Auch wenn "Sauna" etwas dialoglastig ist, so spürt man ständig die Präsenz des Grauens. Man wartet schon gespannt darauf, bis sich Knut endlich in die Sauna wagt, weil er mit seinen Sünden nicht mehr leben kann. Natürlich hat die Befreiung der Sünden einen hohen Preis, hinterlässt aber teilweise ratlose Gesichter beim Zuschauer. Gerade bei der heftigen Schlusssequenz verliert man den Faden und einige Fragen bleiben offen. Die gezielt platzierten Goreeffekte verfehlen ihre Wirkung nicht, genauso wie das offene Ende. So etwas wie ein Happy End gibt es hier nicht, hätte auch absolut nicht gepasst und die deftige Schlusssequenz bleibt wirklich haften. Annila hat hier auch viel seinen hervorragenden Darstellern zu verdanken, Ville Virtanen (Black Ice, Die Erlösung) und Tommi Eronen (Ambush 1941, Jade Warrior) brillieren als gewollt unsympathische Hauptcharaktere, die bekommen was sie verdienen.
Ein Ausnahmefilm mit großartigen Darstellern, detailgetreuer Ausstattung und bösem Ende. Solch einen atmosphärischen Film gab es schon lange nicht mehr, jedoch bleiben einige Fragen offen. Wer sich hier einen gorigen 08/15 Horror erhofft, dem sei von "Sauna" abgeraten, er ist einmalig, aber stellenweise auch etwas seltsam, fast schon gewöhnungsbedürftig. Eine gruselige Abwechslung in der oft monotonen Welt des Horrors.