Im ausgehenden 16. Jahrhundert sind die Brüder Erik (Ville Virtanen) und Knut (Tommi Eronen) als Mitglieder einer schwedischen Kommission unterwegs, die nach dem gerade beendeten Krieg gemeinsam mit russischen Delegierten die neue Grenze zwischen Russland und Schweden abstecken sollen. Während der ältere Erik ein Haudegen ist, der im Krieg viele Feinde getötet hatte und den Russen weiterhin mißtraut, konnte sein feinfühliger jüngerer Bruder Knut studieren und ist nun als Kartograph dabei. Die ungleiche Truppe zieht Richtung Norden, um bisher nicht kartographiertes Land hinsichtlich des Grenzverlaufs zu untersuchen und schließlich mittels Siegellack urkundlich zu verbriefen. Von Norden her kommt ihnen zum gleichen Zweck eine weitere Kommission entgegen, die man am Kiertämä-Fluß treffen will - aber diesen Treffpunkt erreichen weder Erik und Knut noch der russische Hauptmann Semenski (Viktor Klimenko) und seine Begleiter. Denn in den unwirtlichen finnischen Sümpfen entdecken sie ein bisher unbekanntes Dorf, dessen fast ausschließlich ältere Bewohner sich seltsam verhalten. Gleichzeitig plagen merkwürdige Erscheinungen die Kommisionsmitglieder, die Flashbacks ihrer im zurückliegenden Krieg begangenen Gräuel erleiden...
Der zeitgeschichtliche Rahmen, in dem der Finne Antti-Jussi Annila seinen Mystery-Thriller ansiedelt, ist eher ungewöhnlich und erlaubt den Verzicht auf größere Actionszenen - dafür sind es vielmehr die sauber gezeichneten Charaktäre, die unterschiedlicher kaum sein können und die dennoch alle zusammengeführt in jenem unbekannten Dorf in den Sümpfen stranden. In jener namenlosen Ortschaft, die die fünf Delegierten getrennt von ihrem jeweiligen Tross erreichen, gibt es auch die titelgebende Sauna - der fensterlose Kasten befindet sich, warum auch immer, in einem Tümpel und ist ein Ort, über den niemand sprechen will - die Dorfbewohner können es nicht, da die Sauna schon da war, bevor sie, übrigens als Flüchtlinge, bei den Holzhäusern ankamen. Aber irgendetwas befindet sich darin - etwas Unheimliches. Knut, der Studierte der beiden schwedischen Brüder, bemerkt es als Erster. Er sieht immer wieder eine junge Bauerstochter, die er einige Tage zuvor selbst in einem unterirdischen Versteck eingesperrt hatte - während ihr Vater von Erik ermordet wurde, der ihn für einen russischen Spion hielt. Erik, der impulsivere der beiden, will an derartigen Hokus-Pokus zunächst nicht glauben (obwohl er gerne mit dem Schwert im Wasser herumrührt, weil er dort die Seelen der von ihm Ermordeten vermutet) - auf Spurensuche gewinnt er das Vertrauen des einzigen Kindes im Dorf und findet heraus, daß hier einst ein orthodoxes Kloster stand. Diesen für ihn wichtigen Umstand möchte er dem russischen Delegationsleiter Semenski verheimlichen, damit das Dorf bezüglich der neuen Grenzziehung (und der somit fälligen Steuern) der schwedischen Seite zugeschlagen wird...
Zu gefallen wissen die vielen kleinen Details, mit denen Annila seine Gruselgeschichte würzt: Der forsch und empathielos auftretende Erik (eine starke schaupielerische Darbietung von Ville Virtanen) ist in Wirklichkeit extrem kurzsichtig - nur dank einer schmalen Brille, die ihm Knut verschafft hat, kann er überhaupt etwas sehen. Der Russe Semenski dagegen, ein mit scharfem Verstand ausgestatteter erfahrener Hauptmann, denkt und handelt stets rational - seine Leidenschaft gehört Insekten, die er bisweilen mit einer Teetasse fängt (für manches Exemplar steht er auch mal nachts auf) und in einem Kistchen aufbewahrt.
Der in düsteren, dunklen Farben gedrehte Film baut in langsamem Tempo einen Spannungsbogen auf, der durch einen dezenten Score untermalt bis zum Schluß anhält. Zwar bekommt man nur sehr wenige Geister zu sehen und das wenige, fast schwarze Blut fließt erst ganz zum Schluß, dennoch ist der alle Proponenten auf unterschiedliche Weise erfassende Horror fast schon greifbar. Manche Szenerie (wie der Zahn von Knut, den er plötzlich schmerzfrei ausspuckt oder die Alten, die nicht sterben können) bleibt rätselhaft und wird nicht weiter erklärt bzw. aufgelöst, am Ende jedoch obsiegt die Anziehungskraft jener Sauna, die hier metaphorisch für die Katharsis steht - eine Reinigung von allen Sünden. Ohne Happy-End läßt Sauna den Zuseher zurück - manche Schlußfolgerung muß man anhand vorhergegangener Ereignisse selbst ziehen.
Zwei kleinere technische Ungereimtheiten seien aber dennoch angemerkt: Die verwitterte alte Karte zu Beginn des Films, wo ein laufender Blutstropfen die neue Grenze zwischen Schweden und Russland markiert sowie weiter den Weg der gemischten Delegation Richtung Norden (wo sie nie ankommen sollte) - diese Karte läßt recht deutlich einige Ortsbezeichnungen erkennen: Mit Halberstadt, Wegeleben oder auch Derenburg befindet man sich jedoch unzweifelhaft in Sachsen-Anhalt und mitnichten in Karelien oder Lappland... dieser Lapsus tut der an sich stimmigen Idee einer blutigen Grenzziehung natürlich keinen Abbruch und ist vermutlich auf fehlendes authentisches Kartenmaterial der tschechisch-finnischen Produktion zurückzuführen. Auffälliger ist im Vergleich dazu der andere Punkt: die titelgebende Sauna, bei der es sich um einen Beton-Kubus handelt - ein Baumaterial, das es seinerzeit (1595) natürlich noch nicht gab und dessen glatte Außenfläche und Eingang in krassem Gegensatz zu den zeitgeschichtlich deutlich stimmiger wirkenden Holzbauten des benachbarten Dorfes stehen. Im filmischen Kontext als einer Art Hölle mag man aber über den Betonkasten, der darüber hinaus nicht allzu oft zu sehen ist, hinwegsehen...
Sauna - Wash Your Sins bietet aufgrund seiner in jeder Einstellung düsteren Atmosphäre, in der sich seine gut gezeichneten Charaktäre schließlich verlieren, einen spannenden Mystery-Thriller, der keinerlei Längen aufweist und mit seinem konstant vorhandenen Unbehagen in den waldigen Sümpfen zu überzeugen weiss. 7 Punkte.