Während meiner Kindheit und Jugend wurde das Medium Radio fast regelmäßiger genutzt als das Fernsehen, weil es einige Sendungen mit Kult-Charakter gab, wie Mal Sondocks Hitparade, „Schwingungen“ mit Wilfried Trenkler oder später Ecki Stieg mit „Grenzwellen“.
Neue Musik, markante Stimmen, - eine Welt für sich.
Wie aber hat man sich das vorzustellen, wenn ein Kult-Moderator plötzlich mit der Wirklichkeit einer massiven Epidemie konfrontiert wird und zwangsläufig unter Quarantäne steht? Der Kanadier Bruce McDonald hat es tatsächlich geschafft, einen Zombiefilm fast ohne Zombies auf die Beine zu stellen.
Im titelgebenden Provinznest geschieht so wenig, dass Radiomoderator Grant Mazzy (Stephen McHattie) sogar Jahrestage von Verstorbenen vorliest, sich bei gewagten Themenkomplexen aber stets von Produzentin Sydney (Lisa Houle) auf den Boden zurückholen lassen muss. Als Ken, der Mann vom Wetterdienst, von schlimmen Tumulten und der Belagerung des örtlichen Krankenhauses berichtet, ist das Ausmaß der Katastrophe noch lange nicht abzusehen…
Die Geschichte wird geschickt aufgebaut, indem die Außenwelt von vornherein weitgehend ausgeklammert wird und der Betrachter die imaginäre Sicht der drei Leute im Sender übernehmen muss. Zwar sieht man Grant bei Schneegestöber zum Sender fahren, während eine verängstigte Frau schon mal den Auftakt für spätere Ereignisse gibt, doch im Verlauf gibt es weder die üblichen Pulke an Untoten, noch Panik oder verlassene Straßen, - dieses Szenario spielt sich lediglich im Kopf ab.
Bis dahin werden vor allem Grant und seine Produzentin eingeführt. Der Provokateur liebt Sarkasmus und philosophische Grenzbereiche, weshalb er bereits bei einem größeren Sender rausflog. Dabei tritt er einige Male in Fettnäpfchen, weiß diese aber geschickt zu überspielen, auch wenn Sydney hinter der Scheibe entsprechend genervt reagiert.
Aber auch Grant vergisst beinahe seine flotten Sprüche, als er die Aufzeichnung eines wimmernden Kindes zugespielt bekommt und seine junge Assistentin ganz offenbar auch von dem Virus erwischt wird.
So lebt die Geschichte hauptsächlich von seiner Atmosphäre und der Stärke der Imagination.
Phasenweise wähnt man sich beinahe in einem Hörspiel, wenn Augenzeugen mit panischer Stimme das unmittelbare Geschehen beschreiben.
Auch die Ungewissheit, welche Dimensionen und vor allem welche Folgen die Infektion annimmt, lässt die Leute im Sender fast schon am Realitätsgehalt der Informationen zweifeln.
Sie wissen, dort draußen geht Schreckliches vor sich, doch sie können sich nicht persönlich davon überzeugen und nur vage Informationen weiterleiten.
Zwar dringen final ein paar Infizierte im Sender ein, doch mit einem Trick kann man die Meute ablenken, was Grant schließlich auch auf den Auslöser der Seuche schließen lässt, was es in dieser Form wohl noch nie als Initiator einer Epidemie gegeben hat („Töten heißt Küssen…- Töte mich!“).
Schwarzhumorige Einschübe kommen bei alledem nicht zu kurz, bissige Kommentare und zynische Widerworte inbegriffen.
So berichtet man an jenem Valentinstag über betrunkene Polizisten, ein Arzt gesellt sich kurzfristig hinzu, es findet ein Austausch per Schreibblock statt und am Ende will Grant noch einmal auf Sendung gehen, um die Welt zu retten. Dabei tun sich außerhalb des Senders entscheidende Schritte, doch ein aberwitziger Cliffhanger deutet bereits an, dass es da noch eine Fortsetzung geben könnte.
Vor allem ist es Stephen McHattie zuzuschreiben, dass sein Grant eine recht coole Figur abgibt, einen Säufer mit rauchiger Stimme und kaltschnäuzigen Kommentaren.
Aber auch so ein Typ verliert schon mal die Fassung, wenn die Welt außerhalb des Äthers zusammenzubrechen scheint und man am Ende ausschließlich auf sich allein gestellt ist.
Eine ungewöhnliche Situation mit außergewöhnlicher Sichtweise, die dennoch Spannung hervorbringt, ohne mit der Brechstange die übliche Zombiebelagerung ins Spiel zu bringen.
Zwar büßt er während der zweiten Hälfte ein wenig von seiner klaustrophobisch dichten Atmosphäre ein, doch sehenswert bleibt er allemal.
7 von 10