So, hier kommt dann also der nächste Brainfuck-Hammer aka "Kill List", den man sich zweimal ansehen muss um zu urteilen, und beim zweiten Mal natürlich ganz anders wahrnimmt als bei der ersten Sichtung.
Im tiefsten Winter fährt Talk-Radio-DJ Grant Mazzy (Stephen McHattie) zu seiner neuen Arbeitsstelle im Provinzkaff Pontypool, um die Morgensendung im örtlichen Radio zu moderieren. An seiner Seite befinden sich die junge Technik-Assistentin Laurel Ann Drummond (Georgina Reilly) und Chefin Sidney (Lisa Houle), die ihn durch die Sendung assistieren. Sprecher Grant Mazzy wird von Aussendienstler Ken mit aktuellen Nachrichten rund ums Kaff versorgt. Doch dieser Tag scheint anders zu sein. Ken berichtet von tumultartigen Szenen, die sich vor dem Krankenhaus von Dr. Mendez (Hrant Alianak) abspielen. Die Lage scheint sich mit der Zeit zu verschlimmern und als es erste Tote gibt, gehen die drei im Studio davon aus, dass es sich um eine Epidemie handelt. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als die sonstigen Hörer vor den Gefahren zu warnen...
"Pontypool" stellt sich als psychologisches Kammerspiel heraus, das im entfernten Sinne das Thema "Zombies" behandelt. Die gesamte Handlung spielt nur in der Radiostation und dennoch schafft es der Film, eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen. Einen großen Verdienst daran hat natürlich Stephen McHattie, der den Radio-DJ verdammt gut spielt und zweitens haben wir Deutschen Glück mit dem Synchro-Sprecher: Christian Brückner, der unter anderem auch Robert de Niro synchronisiert, hat die perfekte Stimme für dieses Kammerspiel fesselnd darzustellen. Ich denke, wenn Hinz und Kunz McHattie gesprochen hätten, wäre der Unterhaltungsfaktor nur halb so hoch.
Was den Film in erster Linie von anderen Genre-Vertretern abhebt, ist, dass das Grauen im Kopf des Zuschauers stattfindet (vorallem in den Szenen, in denen zu Außenreporter Ken geschaltet wird stockt der Atem). Dies funktioniert sehr gut und macht "Pontypool" deutlich härter, wie so manch andere Zombie-Gurke, bei der man einfach auf die menschenfleischfressenden Aasgeier draufhält und explizite Splatterszenen zeigt.
Das dürfte den Gorehounds schon mal nicht gefallen - für Otto Normalverbraucher wird es nach ungefähr 45 Minuten noch schlimmer und die Richtung, die dieser Film anstrebt, das Publikum sogar spalten. Denn dann kommen erste Vermutungen hoch, wie sich dieses Virus auf andere Menschen überträgt. Die Ursache, die sich Regisseur Bruce McDonald ausgesucht hat, ist ebenso genial wie völlig Plemmplemm. Die Erklärung erscheint zunächst etwas sehr absurd, macht im Kontext des Films aber Sinn - man muss sich nur drauf einlassen können. Wenn man das kann, regt der Film natürlich zur Zweitsichtung an.
Trotzdem, einiges wirkt auch bei der zweiten Sichtung dann doch völlig an den Haaren herbeigezogen und so kann ich behaupten, dass ich nicht meinen zweiten "Kill List" hier gesehen habe, bei dem ich immer noch meine Eier verwette, dass ein einzig falsch übersetztes Wort ins Deutsche schon fatal sein könnte für eigene Interpretationen.
So kompliziert und durchdacht stellt sich "Pontypool" dann doch nicht raus, aber auf alle Fälle ist dieser Film mal frische Abwechslung und was ganz Besonderes.
Insgesamt ein empfehlenswerter Film für Leute, die sich gerne auf Brainfuck-Experimente einlassen (können).
8/10