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"Pontypool" ist ein origineller Zugriff auf das altbekannte Zombie-Subgenre des Horrorfilms. Das klingt vordergründig gut, aber auch wenn der Ansatz innerhalb des Subgenres neu ist, frage ich mich doch, warum man überhaupt noch so viele weitere Zombiefilme und seit einiger Zeit ja auch -serien braucht. Man könnte als Filmemacher innerhalb des Genres sich doch auch fragen, ob man vielleicht mal neue Horrormotive bearbeiten könnte, anstatt ein totgefilmtes Sujet in eine ungewöhnliche Verpackung zu stecken. Ist die Verpackung erst mal geöffnet, blickt einem ja doch wieder das Altbekannte entgegen.

Denn sobald der in einer mit drei Leuten besetzten Radiostation kammerspielende Film erst in Gang kommt, weiß man ja gleich, was gespielt wird, wenn von einer per Mobilfunk verbundenen Kontaktperson ein irrational agierender "Mob" erwähnt wird. Es ist doch mittlerweile etwas öde, wenn sich die drei dann erst mal fragen, was da "wohl los ist", während man als Zuschauer das genretypische Treiben sehr wohl erahnen, wenn auch - in diesem Film - nicht sehen kann.

Vielleicht bin ich der einzige, dem es so geht, aber der Film hätte für mich zudem viel besser funktioniert, wenn man aus dem Protagonisten, dem Radiomoderator Grant Mazzy, nicht einen etwas abgehobenen exzentrischen Typen gemacht hätte, der seinen Cowboyhut nie abnimmt und dessen Beiträge eine schwerverdauliche Mischung aus ironischen Spitzen und Schriftstellerzitaten darstellen. Dass dies die Hörer eines provinziellen Radiosenders sonderlich erfreut, ist nicht leicht vorzustellen. Von seiner Produzentin muss Grant hin und wieder gebremst werden, was dann auch den Film etwas ausbremst, der leider wie viele kammerspielartige Filme mitunter die schale Atmosphäre eines abgefilmten Theaterstücks verbreitet. Es tut einem Film nie gut, wenn seine Dialoge die Grenze zur Geschwätzigkeit überschreiten.

In der deutschen Fassung (in der ich den Film gesehen habe, vielleicht funktioniert das alles etwas besser im Original) wurde Grant von Klaus-Dieter Klebsch synchronisiert. Klebsch hat eine sehr markante rauchige Stimme, was das ganze hier aber noch etwas schlimmer macht, denn seine Stimme entfaltet ein Eigenleben und dominiert das Filmgeschehen viel zu sehr, da wir Grant ja auch ständig reden hören. Mir fiel es schwer, Stimme und Darsteller als Einheit wahrzunehmen, was schnell passiert, wenn Synchronsprecher sich zu wichtig nehmen und sich mit ihrer Darbietung den Film nahezu unterwerfen.

Hätte man den Film komplett ernst und nüchtern mit unauffälligen, seriösen Charakteren aufgezogen, ihm einen dokumentarischen Stil verpasst und darauf verzichtet, am Ende eine abstruse Begründung der Zombie-Epidemie (siehe unten) aufzutischen, dann hätte es sicher besser funktioniert, denn die Idee, ein Horrorgeschehen ausschließlich als akustisches Szenario über die Kanäle eines Radiosenders zu vermitteln und den Horror sich in den Gesichtern der Mitarbeiter des Senders abspielen zu lassen (in der Richtung wäre bei "Pontypool" wohl deutlich mehr drin gewesen), hat eigentlich viel Potenzial, wobei so was zumindest szenenweise auch schon in diversen Filmen vorgekommen ist. Diese Möglichkeit verschenkt der Film aber, indem stattdessen die Eitelkeiten eines selbstverliebten Charakters fokussiert werden, die der Wirkung des Szenarios deutlich abträglich sind.

Viel kritisiert wird ja auch die Erklärung für das blutige Zombietreiben, auf die Genie Grant am Ende kommt, so dass ich dazu eigentlich gar nicht so viel schreiben muss. Es ist tatsächlich ziemlich hanebüchen, was man sich da zusammenreimt, originell ja, aber etwas plausibel - auch wenn wir mit Zombies ohnehin schon im Phantastischen sind - hätte die Theorie schon sein können.

Das nächste Mal bitte nicht versuchen, einen originellen Zombiefilm, sondern anstattdessen einen originellen Horrorfilm zu drehen - man dankt ...

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