Einst war der Banditen-Führer El Chuncho Mitstreiter des in den Bergen residierenden Revolutions-Generals Elias. Mitte der Zehner Jahre des 20. Jahrhunderts ist „La Revolución“ so gut wie am Ende; so verbindet Chuncho sein nach wie vor revolutionäres Gedankengut mit gesundem Profitstreben. Er überfällt mit seiner Gang Armee- und Polizeiposten sowie Züge, um die so erbeuteten Waffen an den General zu verhökern. Nur ein Maschinengewehr konnte Chuncho zu seinem Leidwesen bis dato noch nicht einsacken.
Es geht doch nichts über Spaghettiwestern vor allem wenn Klaus Kinski sein Naturell mal wieder herrlich ausleben darf. Hier war er sogar mal recht geschickt in der Wahl seiner Rolle, denn Töte Amigo ist einer der besseren Beiträge zu diesem Genre, der sich zudem das Adjektiv politisch ans Revers heften darf. Wir befinden uns Anfang des 20ten Jahrhunderts, in Mexiko beschießen sich Landarbeiter und Militär, anders gesagt Revolution ist in vollem Gange.
Das beide Seiten dabei nicht besonders zimperlich miteinander umgingen wird speziell in der ersten Hälft mehr als deutlich, in der sich die Leichenstapel geradezu inflationär aufhäuften. Gleich zu Anfang werden da erstmal ein paar Rebellen standrechtlich erschossen, wobei diese auch nicht besser sind und in der Folgezeit fröhlich vergewaltigen, Kapitulierende erschießen, plündern und auch sonst kein Pardon gewähren.
In dieser lustigen Zeit begleiten wir eine Gruppe Banditen, die freischaffend für die Revolution arbeiten, diverse Militäposten zu klump schießen, um die erbeuteten Waffen an eben diese Revolutionäre zu verkaufen. Im Zentrum stehen dabei deren Anführer Chuncho und dem neu dazugekommenen Amerikaner genannt Nino. Dieser sieht nicht nur stets ungewöhnlich gepflegt aus, sondern auch seine eigentlichen Motive sind sehr nebulös (aber doch leicht zu erraten, wie der aufgeweckte Zuschauer schnell bemerkt).
Gleich vier gut gemachte Überfälle dieser kleinen Gruppierung dürfen wir zunächst erleben, bei der besonders die Attacke auf den Zug und Einnahme eines kleinen Forts Actionherzen höher schlagen lassen. In der Folgezit geht es dann etwas ruhiger zu, wenn die zentralen Protagonisten erstmal sich unter- und übereinander klar werden müssen. Da erweist sich Chuncho als doch eher naiver Rebell, während Nino sein eiskaltes Kalkül verfolgt.
Die sinngemäße Übersetzung des Originaltitels lautet "wer weiß" und trifft das Finale recht treffend, in dem sich zum Schluß die beiden ungleichen Partner begegnen, ohne einen Showdown wohlgemerkt. Dennoch schafft es Regisseur Damiano Damiani (irgendwie ein lustiger Name) auch ohne großes Geballer sehr viel damit auszudrücken. Wie auch die ganze Story ist diese Auflösung sehr intelligent gemacht und im nachhinein würde ich wirklich gerne die 20 Minuten sehen, die in Deutschland die liebe Prüfstelle offensichtlich so gut fanden, das sie sie exklusiv für sich behalten haben. Aber auch die gekürzte 18er Fassung ist wirklich gut. Kein Western im klassischen Sinne, aber für Freunde des Genres quasi Pflichtlektüre.
8/10