Sergio Leones letzter Film mit dem bezaubernden deutschen Titel „Es war einmal in Amerika“ bildet zugleich auch sein persönliches Spitzenwerk. Auf knapp vier Stunden verteilt und auf drei wild durcheinander gemischte Zeitebenen verteilt erfahren wir den Werdegang und Fall eines Gangsterquartetts, der schon im Kindesalter beginnt.
Ein paar kurzer Worte zur Story:
Im Judenviertel von Brooklyn betreiben die Jugendlichen Max, Noodles, Patrick, Dominic und Philip durch eine geniale Erfindung einen schwunghaften Alkoholschmuggel. Als Dominic erschossen wird und Noodles den Mörder daraufhin tötet, landet er für mehr als eine Dekade im Knast. Als er wieder rauskommt ist die Prohibition in Amerika bereits im vollen Gange und der Rest seiner Bande ist nunmehr durch dasselbe Geschäft zur Königsklasse der Unterwelt aufgestiegen, die ihre Finger nahezu überall mit drin haben – Politik, Diamantenraub, Gastronomie etc. Doch das Bündnis wird mehr und mehr durch interne Unstimmigkeiten und externen Druck zerrüttet, bis Noodles eine folgenschwere Entscheidung trifft.
Bei „Es war einmal in Amerika“ handelt es sich meiner Meinung nach um den mit Abstand besten Gangsterfilm aller Zeiten, dem nur die Pate-Trilogie noch das Wasser reichen kann. Sergio Leone gelingt es durch und durch, drei verschiedene Zeitepochen ineinander zu verschachteln, ohne dass man allzu sehr verwirrt wird und gleichzeitig eine unnatürliche Spannung aufkommt, wenn die Fäden und Zusammenhänge immer mehr entwirrt und verdeutlicht werden. Dabei gibt jeder einzelne Schauspieler sein allerbestes, jede Rolle wirkt absolut authentisch und mit Herzblut gespielt. Dazu kommt ein lyrisches Drehbuch, dass die Worte schwer wie Blei gewichtet und viel Spielraum für eigene Interpretationen offen lässt. Zur epischen Bandbreite der Inszenierung gesellt sich zudem die wahrhaft perfekte Musik eines Genies, der auf den Namen Ennio Morricone hört, die mit diversen Einzelstücken wie auch mit Hauptthemen nicht nur einzelne Charaktere, sondern ganze Unterszenarien absolut harmonisch untermalt. Das Setting ist bis ins kleinste Detail gestaltet worden, nirgends wirkt etwas wie „eingespart“. Wieder nimmt sich Sergio Leone wie auch in seinen glänzenden Vorwerken stets die nötige Zeit, jeden seiner Hauptcharaktere lange zu Filmen, die Gesichter in der Kamera zu lassen, bis sich der Zuschauer das Gesicht des Protagonisten bis ins Letzte eingeprägt hat. Die Stilmittel der einzelnen Inszenierungen lassen auf ein wahres Genie auf dem Regiestuhl schließen, gleiches gilt für die Wahl der Grundfarben, die für die einzelnen Bilder verwendet wurden.
Auch wenn alles in absolut epischer Breite gefilmt wurde und man sich viel Zeit für alles Mögliche nimmt, wird der Film niemals langweilig.
Einem solchen Meisterwerk voller Emotion, musischer Kunst und Ausdruckskraft kann man definitiv nur 10 Punkte geben. Wer diesen Film nicht kennt, an dem ist ein großes Stück der Filmgeschichte leider vorbei gegangen. Schleunigst nachholen!