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Sergio Leone schuf mit "Es war einmal in Amerika" sein Meisterwerk und ein Epos der Extraklasse. Die fiktive Geschichte um Männerfreundschaft über Jahrzehnte hinweg, vom Anfang in der Kindheit bis hin zum bitteren Ende im Alter entführt uns in eine Welt des letzten Jahrhunderts, in eine Welt der harten Gewalt, Intrigen, Verstrickungen, Gangster - und in eine Welt der Träume.

Zentrale Figur dabei ist der sich selbst treue Noodles, der als einziger der gezeigten Charaktere sich scheinbar nicht verändert. Schon als Kind versteht er sich als Führerpersönlichkeit, wird von den anderen respektiert. Doch ein Vergeltungsakt auf offener Straße bringt ihn für 12 Jahre hinter Gitter. Als er wieder frei kommt, hat sich die Welt weitergedreht und seine Freunde haben sich ebenfalls weiterentwickelt. An der Spitze steht nun Max, der das Zepter nicht mehr an Noodles zurückgeben mag. Zwischen den beiden entspinnt sich ein Machtkampf, der meist auf psychischer Ebene abläuft, ein Machtkampf um die Führung, Geld, Freundschaft - und Frauen.

Als besonders sympathisch tut sich keine der Figuren hervor, insbesondere Protagonist Noodles ist ein Charakter an den man sich fast widerwillig klammert, durch Leones Erzählstil fast gezwungen ist sich an diesen emotional zu binden. Seine sexuelle Neigung wird dabei bereits als Kind geprägt, die sich in späteren Vergewaltigungen auswirkt - selbst bei seiner geliebten Deborah.

Alle Charaktere spielen authentisch, hier den einen oder anderen herauszugreifen wäre den anderen gegenüber unfair. Allesamt haben sie eine ausgereifte Vorstellung abgelegt. Interessant ist lediglich die perfekte Maske bei Robert De Niro, wenn er durch den Alterungsprozeß ergraut. Zu keiner Sekunde zweifelt man an der Authenzität. Selbiges gilt natürlich auch für James Woods und Elizabeth McGovern.

Bemerkenswert ist ebenfalls der sehr stimmungsvolle Soundtrack von Ennio Morricone, der in beispielhafter Weise den Filmverlauf musikalisch stützt und Antrieb gibt. Wortkarge Strecken, bilderreiche und emotional aufgeladene Szenen werden perfekt untermalt und entführen uns in die sehr eigene Welt Leones.

"Es war einmal in Amerika" ist der wohl ruhigste Film des Genres, gleichwohl ein Muß - nicht nur für Fans.

(8/10)

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