Review

Vorsicht: Leichte Spoiler zur Geschichte enthalten!

"Wenn du von einem Freund betrogen wirst, lässt du ihn büßen."

Sergio Leones letzter Film basiert auf dem Roman „The Hoods“ und stellt das gern genannte Lebenswerk des Regisseurs da. Schon viele Jahre vorher wollte er diesen Stoff als Gangsterdrama auf die Leinwand bringen. 1984 war es dann soweit.

In der Zeit der Prohibition kämpfen sich die New Yorker Straßenkinder Max (Rusty Jacobs bzw. James Woods), Noodles (Scott Tiler bzw. Robert De Niro) und deren Freunde durch das Leben indem sie durch illegalen Transport von Alkohol einige Dollar verdienen. Nachdem sie eine gewisse Summe gespart haben lagern sie einen Koffer voller Geld in einem Schließfach und schwören diesen nur gemeinsam aus dem Fach zu holen. Schon immer schwärmte Noodles für die jüdische Deborah Gelly (Jennifer Connelly bzw. Elizabeth McGovern), doch das zarte annähern wird je unterbrochen, als Noodles wegen Mordes ins Gefängnis muss. Zehn Jahre später wird er entlassen und mit offenen Armen von seinen Freunden empfangen die mittlerweile im großen Stil ins organisierte Verbrechen eingestiegen sind.
Nach einigen weiteren Monaten neigt sich die Zeit der Prohibition dem Ende. Durch die Legalisierung des Verkaufs und Transports von Alkohol sieht die Gruppe ein jähes Ende des heimlichen Alkoholschmuggels und der daraus bezogenen Bereicherung. Somit plant Max einen waghalsigen Banküberfall. Noodles ist von dieser Idee überhaupt nicht überzeugt, und vereitelt den Plan durch einen verräterischen Hinweis an die Polizei, was scheinbar eine Schießerei auslöst. Als Noddles am Tatort auftritt sind alle seine Freunde tot, er selbst taucht unter.
Jahre später sucht Noodles das Schließfach mit dem gesparten Geld seiner Freunde und ihm auf. In dem Schließfach entdeckt er aber nur noch einen Koffer mit alten Zeitungen. Wer hat das Geld entnommen, wurde er etwa übers Ohr gehauen?

Wie in seinen anderen Produktionen findet auch hier Leones ganz besonderer inszenatorischer Stil Verwendung. Der Aufwand detailgetreuer Nachbildung der Kulisse und Schauplätze ist ersichtlich. Die üblichen langsamen Kamerafahrten nehmen hier, wie schon in "Spiel mir das Lied vom Tod", einen großen Teil der Laufzeit in Anspruch, die Kostümierung ist erhaben.
Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt sondern beginnt in den 60er Jahren aus Sicht von Noodles und ist anfangs wirr durch kurze Rückblicke zusammenhanglos veranschaulicht. Erst nach 30 Minuten gibt es einen Zeitsprung in die 20er Jahre und die Zeit, in der die späteren hoch angesehenen Gangster sich als Straßenkinder im Alkoholschmuggel etablierten. Gefolgt von einem Zeitsprung nach Noodles zehnjährigem Gefängnisaufenthalt werden die anfangs gezeigten Bruchstücke langsam ersichtlich. Das langatmige Finale findet dann in den 60er Jahren statt und tischt eine überaschenden Wendung auf.

Die Saga um Freundschaft, Liebe und Verrat erweist sich als sehr zäh. Wie in "Spiel mir das Lied vom Tod" enfaltet sich die Handlung sehr langsam. Statt aber, wie in genanntem Film, mit interessanten Charakteren und beeindruckenden Bildern unterhaltsam den Plot fort zu spinnen, krankt die Erzählweise an Belanglosigkeiten die sinngemäß zwar in die Geschichte gehören, aber weder Sympathie zu den Figuren noch irgendein Tempo oder Spannung vorlegen. Viele Szenen wirken gestreckt und nicht ausgefeilt genug. Noch nicht mal mehr der eingestreute, stimmige Humor kann dieses Manko überspielen.
Erstaunlicherweise ist der Rückblick in die 20er Jahre, als die Figuren noch Kinder waren, der interessanteste Part. Hier spürt man noch, dass es nicht nur um eine Anhäufung von Geld sondern ums überleben der Charaktere geht. Dies geht später verloren.
Die Liebesgeschichte zwischen Noodles und Deborah ist hoffnungslos überspitzt dargestellt, wird aber von den zahlreichen Vergewaltigungen locker getoppt. Denn diese erweisen sich ebenso störende wie nichtssagend. Minutenlang starrt man auf diese, zwar drastischen aber gleichzeitig nicht enden wollenden Szenen, die keinerlei Aussage treffen und weder für Charaktere noch Atmosphäre förderlich sind.

Handwerklich grundsätzlich gelungen, erlaubt sich "Es war einmal in Amerika" den ein und anderen Schnitzer. Ein paar Szenen wirken sehr konstruiert gestellt, beispielsweise das Ableben einiger Charaktere. Auch die Verwendung von Kunstblut während der wenigen, schnellen Schießereien wirkt überaus unrealistisch, ist die Farbe doch viel zu hell gewählt.
Häufig sind die Zeitsprünge sehr plötzlich und erschweren es dem Handlungsverlauf zu folgen. Allgemein ist die Handlung selbst, trotz der finalen Wendung, sehr vorhersehbar präsentiert und wartet mit nur wenig abwechslung aus.
Die Musik ist einprägsam und zurückhaltend arrangiert, qualitativ gelungen aber zu sanft um die Atmosphäre zu steigern. Dies wird den Charakteren überlassen.

Die Darsteller sind gut und erblüffend ähnlich zu ihren Kinder / Erwachsenen Alter Egos gewählt. James Woods, Elizabeth McGovern, Treat Williams, Tuesday Weld sowie William Forsythe gehören zu einigen der in den 80er Jahren gern gesehenen Schaupielern und werden durch Kurzauftritte derzeit abgestiegener Stars, wie Burt Young, oder Newcomern, wie Joe Pesci, tatkräftig unterstützt. Für die Kinderdarsteller war dieser Film die Möglichkeit weiter aufzusteigen, was allein Jennifer Connelly nutzen konnte. Einzig von Robert De Niro könnte man etwas mehr emotionalen Ausdruck seiner Figur erwarten, wo er doch die im Mittelpunkt stehende und vielseitigste Rolle hat.

Was Kulisse und Aufmachung betrifft passt hier soweit alles, desgleichen die Schauspieler. Das eigentliche Tief ist die Story selbst, die einfach keine Begeisterung hervor rufen kann und wenig emotional präsentiert wird. Daher wirken die 220 Minuten der Langfassung langatmig und unspektakulär. Es ist schade, dass Sergio Leone mit seinem wichtigsten Werk die Atmosphäre älterer Filme nicht mehr erreichen konnte. Da ich mich wenig für Gangstersagen begeistern kann, liegt hier sicher ebenfalls ein Grund für die schwache Bewertung dieses "Meisterwerkes" vor.

3 / 10

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