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von Aldo Raine

Die "gestohlene" Eröffnungssequenz

Sergio Leone hatte lange Zeit kein fertiggestelltes Drehbuch zu Es war einmal in Amerika. Für über zehn Jahre, von 1967 bis 1977, hatte er, laut Sergio Donati, 'nur eine Eröffnungssequenz'.

Seine Eröffnungsszene tauchte erstmals in einem Treatment auf, das von Ernesto Gastaldi direkt nach der Fertigstellung des Drehbuchs zu Nobody ist der Größte, geschrieben wurde. Gastaldi erinnert sich daran, dass Leone ihm The Hoods gab, das Buch, auf dem Es war einmal in Amerika basiert, welches ihm gefiel. Danach stellt ihm Leone den Autor von The Hoods vor, Harry Grey, 'der aussah, wie Frank Sinatra'. Gastaldi war besonders von einer Geschichte Greys angetan, in der es darum ging, wie er einmal dem Mob entwischen konnte, indem er mit seinem Auto in den Hudson River fuhr und vorgab, sich selbst zu töten: 'Mein Treatment begann folgendermaßen: ein alter Killer ist auf der Flucht, gejagt von der Polizei und stürzt in den Fluss. Die Kamera folgt ihm, wie er Unterwasser versinkt, verlässt ihn, als er am Ertrinken ist, um bei den Autowracks zu verweilen, die auf dem Grund des Flusses liegen: moderne Sportwagen, die langsam zu Oldtimern überblenden. Die Kamera erhebt sich aus dem Fluss und wir sind im New York der 30er Jahre.' Leone erinnerte sich sicherlich an diese Eröffnung, behauptete aber, dass er "sie mit einem amerikanischen Drehbuchautoren [Robert Dillon] schrieb, der direkt danach einen Film mit John Frankenheimer machte: er hat praktisch den ganzen ersten Teil gestohlen und ihn für Harry Crown - Eine Kugel für jeden (1974) verwendet... der am Beginn die Szene hat, die ich machen wollte, einen Unterwasserfriedhof auf dem Grund des Hudson Rivers.'

Leone brauchte fast eine Viertelstunde, um diese eine Szene zu beschreiben, die die dramatische Basis seines ursprünglichen Prologs war: zwei Männer schleppen nachts eine schwere Leiche  zum Rand der Werft. Die Füße der Leiche sind in einen Zementblock eingeschlossen - er ist das Opfer eines Mafiamordes. Die Kamera folgt der Leiche, wie sie auf den Grund des Flusses sinkt. Dort sehen wir andere Leichen: Männer, die an Autos gekettet sind; Frauen, die immer noch ihren Schmuck tragen. Dann fährt die Kamera durch einen Abwasserkanal, zu einem weiteren Unterwasserfriedhof - hier sehen die Leichen deutlich ärmlicher aus: ein Körper ist an einen Handwagen gefesselt; eine andere Leiche ist in Lumpen gekleidet. Der Grund des Flusses hat klar eingeteilte Viertel, genau wie New York selbst auch. Schließlich erhebt sich die Kamera wieder aus dem Wasser und der Blick auf die Freiheitsstatue wird sichtbar, die das Mondlicht reflektiert. Titeleinblendung: ES WAR EINMAL IN AMERIKA.

Eine Möglichkeit, um die Eröffnugssequenz aus Harry Crown - Eine Kugel für jeden zu sehen, gibt es HIER.

Quelle: Something To Do With Death von Christopher Frayling

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