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Ohne Zweifel ein großes Epos und eine in weiten Teilen rührende, aber vor allem im dritten Segment leider auch überkonstruierte, Story über das Älterwerden, über Kriminalität, Freundschaft, Liebe und ein New York zwischen Gangs und Gewalt - ein Epos eines der großen Meister der Regiekunst, das auf drei Zeitebenen konzipiert wurde, aber leider nur auf zweien wirklich überzeugen kann:

1922: Noodles (Überzeugend: Scott Tiler, als Erwachsener gespielt von einem überragenden Robert de Niro), wächst in einem jüdischen Viertel in der Lower East Side Manhattans zwischen Prostitution, Armut, Tradition und Kriminalität auf. Zusammen mit seinen Freunden beklaut er Betrunkene und wohlhabendere Bewohner des Viertels. Sie freunden sich mit dem neu zugezogenen Max aus der Bronx an, der ebenfalls als Dieb tätig ist und werden Alkoholschmuggler. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Rivalen Bugsy stirbt einer der Freunde und Noodles wandert ins Gefängnis, nachdem er sich an Bugsy für den Mord gerächt hat...

1932: Noodles kommt aus dem Gefängnis zurück: Max und die Gruppe sind mittlerweile profilierte Gangster während der Prohibition, schrecken vor Nichts zurück und nehmen ihren alten Freund wieder in die Gruppe auf. Gleichzeitig umwirbt Noodles seine Jugendliebe Deborah, die Geschäfte gehen so langsam den Bach hinunter und Noodles entschließt sich die Gruppe aus Selbstschutz zu verpfeifen..
Rahmenhandlung des Ganzen ist letztlich 1968 - Noodles erhält im Exil einen Brief von Senator Bailey aus New York, der dazu führt, dass Noodles nach New York reist, die ganze Geschichte wieder aufrollt und seine Vergangenheit, sowie die Ereignisse der Jahre 1932/33 neu ergründet.

Fraglos gelingt es Sergio Leone über die gesamte Dauer des Films eine wunderbare Geschichte zu erzählen und den Zuschauer zu fesseln, untermalt mit einem grandiosen Soundtrack von Legende Ennio Morricone. Die Bilder sind beeindruckend, das New York der 20ger, 30ger und 60ger Jahre wird so realistisch, lebendig und greifbar eingefangen wie nur möglich, der Flair ist überragend und die Darsteller sind es zum Großteil auch. Doch auf der narrativen Ebene überzeugt der Film leider nicht immer: Zu konstruiert wirkt die Adaption der Vergangenheit in die Jetzt-Zeit, zu absurd die Gefühlswelt der handelnden Figuren. Es fällt mitunter schwer die Handlungsmotivation einzelner Charaktere nachzuvollziehen, dabei bleibt Emotionalität auf der Strecke und vor allem: Identifikation. Gerade in den Szenen der 1968er Jahre und vor allem im letzten Viertel des Films verliert er doch zu oft den roten Faden und verliert sich zu sehr in einer Über-Konstruktion am Rande des Kitsch. Über viele Figuren hätte ich gerne mehr erfahren, wäre gerne mehr in ihre Lebensrealität eingetaucht, gerade Joe Pesci wirkt nahezu verschenkt und bekommt viel zu wenig Raum innerhalb des Films, genauso wie die Freundschaft von Max und Noodles in Kindertagen, die leider nur angedeutet wird, der es aber an den verbindenden Momenten mangelt. Auch die Jugendliebe zu Deborah (die Bezaubernde Jennifer Connely in ihrer ersten Rolle) wird nur angerissen, wirkt in den Zeitsprüngen dann etwas unglaubwürdig. Sicher, das ist Meckern auf hohem Niveau, aber leider sind es diese Feinheiten, die einen guten Film von einem Meisterwerk unterscheiden, was auch der Grund dafür ist, dass der Film erst nach Leones Tod so wirklich beachtet, Spötter würden meinen: verklärt, wurde. Trotzdem gehören viele Szenen in "Es war einmal in Amerika" zu den großen Momenten der Filmgeschichte, meisterhafte Handkniffe Leones retten den Film am Ende trotz einiger Mängel, tolle Jungdarsteller überzeugen und sorgen mit dem insgesamt sehr guten Cast im Gesamtbild für ein gutes, uneingeschränkt sehenswertes, aber zum Teil etwas überbewertetes, Gangsterepos, dass leider nicht mit den ganz großen Genrebeiträgen (Der Pate, Goodfellas, Scarface, Pulp Fiction, Heat...) mithalten kann.

8/10

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