Review

"Oh my God... it's alive!"
Dieser Satz gilt - mehr oder weniger - auch für die Buena Vista Produktion aus dem Hause Disney: Die 12-jährige Casey (Lindsay Lohan) vermißt ihre verstorbene Mutter so sehr, daß sie sie mit Hilfe eines magischen Buches zurückbekommen will, erweckt dabei jedoch versehentlich Pseudo-Barbie Eve (Tyra Banks) zum Leben, die prompt beginnt die Welt zu entdecken.

Was folgt, ist eine obligatorische Reihe von Szenen, die man bereits lustiger ("Steinzeit Junior"), romantischer ("Mannequin") oder weniger jugendfrei ("Repli-Kate") gesehen hat sowie einige Zitate in Wort und Bild: Eves Geburtsort ist nach eigener Aussage "Sunnyvale"; Caseys magisches Buch heißt "Book Of The Dead" von Holcroft; als Eve sich neu einkleidet, sitzt Lohan in Richard-Gere-Position vor der Umkleide zum Begutachten.

Wüßte man nicht, daß Banks Ex-Baywatch-Babe ist, man würde es vermuten. Mit versteinerter Mimik rasselt sie ihren Text herunter und lächelt hin und wieder schön in die Kamera, trägt dafür aber körperbetont Stretch. Übertrieben aufgesetzt zudem wirkt ihr Verhalten, wenn Eve den Regenwald retten will und fast einen Schlaganfall vor dem Kopierer bekommt. Hinzu kommen neben ihrer extrem hölzernen Darstellung drehbuchbedingt weitere Stereotypen wie Caseys schwerstarbeitender Vater Ben, der nie Zeit für seine Tochter hat und deswegen von Schuldgefühlen geplagt wird oder seine Freundin Drew, die von Casey nicht als neue Mom akzeptiert wird. Das alles wird oberflächlich angeritzt, um dann kurz vor Schluß zum Happy End abgeschlossen zu werden: Der geläuterte Vater nimmt sich mehr Zeit für seine Tochter, die böse Stiefmutter in spe wird Teil der Familie. Einzig Lohan sticht heraus und scheint zu wissen, was sie zu tun hat. Sie gibt ihr Bestes, die Halbwaise glaubhaft darzustellen, was ihr angesichts des rudimentären Drehbuchs sichtlich schwerfällt - in zahlreichen Einstellungen fällt sie durch ungesunde Gesichtsfarbe auf.

Weiterhin trüben einige Logikfehler (Eve staunt beim Anblick eines Fernsehers, weiß aber, daß man einen Computer über die Tastatur bedient; kurz nach ihrer Erweckung kann sie kaum stehen, 2 Tage später perfekt tanzen) sowie etwas unfreiwillige Komik (Casey stürzt beim Überqueren einer Straße und erschreckt in Todesangst vor einem Laster, der in 50 m Entfernung hupend angeschlichen kommt und droht, sie zu überfahren) das ohnehin spärliche Vergnügen.

Lächerlich hingegen wirkt der Versuch der Vertriebsgesellschaft, den Film möglichst zügig zu vermarkten, den Kindern aber keine englischen Texte zumuten zu wollen: Beide Gesangseinlagen von Eve sind so herrlich asynchron wie seinerzeit Steve Oederkerk in "Kung Pow".

Alles in allem ein zu 1000 % kurzweiliger Kinderfilm für den Sonntag Nachmittag, stellenweise eklig politisch korrekt, illustriert mit waschechter Disney-Moral ("Du mußt nicht perfekt sein, nur Dein Bestes geben.") und garniert mit dem damals Chart-aktuellen Weichspülsound von B*Witched.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht...

Details
Ähnliche Filme