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Der Titel verrät bereits, dass es sich mal wieder um einen Spukhausfilm mit Anleihen diverser Geisterstreifen handelt, die eine breite Palette zwischen „Friedhof der Kuscheltiere“, „Poltergeist“ und den üblichen Haunted-Motiven abzudecken versucht.
Bis dieses innerhalb der letzten zwanzig Minuten eintritt, ist man aufgrund der Ideenlosigkeit des Streifens allerdings schon fast eingeschlafen.

Denn unzählige Klischees des Subgenres begleiten das Geschehen von Beginn an:
- Ehepaar Paul und Bryn zieht in eine neue Wohnung in einem Mehrfamilienhaus
- Beide kämpfen auf ihre Weise mit dem Trauma des verschwundenen, wahrscheinlich ertrunkenen Sohnes
- Nahezu sämtliche Vermieter verhalten sich merkwürdig
- Huschen eines Schattens
- Eine mysteriöse Erscheinung auf einem relativ frisch geschossenen Foto
- Sie sieht übernatürliche Dinge, er glaubt ihr nicht…

Man könnte diese Liste endlos fortsetzen, denn der Verlauf müht sich wahrlich nicht um Innovationen, sondern bewegt sich die meiste Zeit über auf ausgetretenen Pfaden.
Hier mal eine Auflockerung durch einen leicht hyperaktiven Assistenzprofessor, dort mal ein frischer Spruch von Michael Ironside mit kleiner Rolle als Cop, aber alles, was in den Bereich übernatürlicher Elemente hineinragt, lässt allenfalls müde aufhorchen.

Dafür kommt die Inszenierung auch zu schnarchig daher und hält sich zu lange mit Zwischenmenschlichem auf, anstatt auf Schockeffekte zu setzen, um somit zumindest den Erzählfluss konstant hoch zu halten.
Zwar wirken die Charaktere nicht langweilig, die eher unbekannten Darsteller agieren solide, doch im Kontext sind Nebenhandlungsstränge redundant, wie der mit der Schwester und dem jungen Nachbarn im Haus und auch das Trauma um den Verlust des Sohnes wird zu sehr in den Vordergrund gerückt, obgleich diese Tatsache mit dem eigentlichen Spuk überhaupt nichts zu tun hat.

Wie unausgegoren das Skript wirklich ist, offenbart der Streifen innerhalb seines Finales, indem es mit verschiedenen, völlig hanebüchenen Wendungen daherkommt, die teilweise überhaupt keinen Sinn ergeben. Das Paradoxe daran ist jedoch: Plötzlich steigt der Unterhaltungswert.
Wahrscheinlich hat Drehbuchautor und Regisseur Michael Stokes bereits beim Dreh gemerkt, dass die Einfältigkeit der Story nur mit einem grotesken Finale zu retten ist und er hat gut daran getan.

Das ändert natürlich nur minimal etwas an den kaum vorhandenen Zutaten eines guten Spukhausfilms. Das Gebäude des Mehrfamilienhauses sorgt kaum für Atmosphäre, spannende Momente, wie etwa das Betreten einer Absteige mit unzähligen Scheren an den Wänden sind lange Zeit Mangelware und bei alledem nutzen sich die klassischen Motive von Geistererscheinung eines Kindes bis hin zur Stimmenwahrnehmung, wo eigentlich keine sein können im nu ab.

Im Endeffekt also keine Empfehlung für Leute, die „Bis das Blut gefriert“ als einen der besten Spukhausfilme aller Zeiten ansehen, denn dafür mangelt es diesem Streifen an allen Ecken und Enden.
Die geballte Ladung Trash gegen Ende ist zwar willkommen, aber auch nur, weil man zuvor mit lahmen Schockmomenten und vielen unnötigen Nebensächlichkeiten daherkommt, die dem eingefleischten Genrefan leider keine Gänsehaut bescheren.
Der umherspukende Geist eines Kindes als Aufhänger, dazu eine zombieähnlich bleiche Gestalt in Verfolgerfunktion, Trauma-Bewältigung und daraus resultierende Eheprobleme, - ein Sammelsurium, welches aufgrund mangelnder Dramaturgie die meiste Zeit nur leidlich unterhält.
Knapp
5 von 10

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