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Seit „Tunnel der lebenden Leichen“ verschlägt es einige Horrorbeiträge immer mal wieder zum Schauplatz irgendwelcher U-Bahn Tunnel. Nach „Creep“ kam der ungarische „Kontroll“, Clive Barker´s „Midnight Meat Train“ folgte und nun versucht sich der Co-Autor von „Flight Plan“, Peter A. Dowling am klaustrophobischen Schrecken.
Leider gelingt ihm mit seinem Regiedebüt nur ein äußerst durchschnittlicher Beitrag, dem es vor allem an Originalität mangelt.

New York: Die vier Freunde Mike, Tony, Karl und Joe verschlägt es beim Junggesellenabschied kurzfristig in die U-Bahn. Als einer zwei Damen belästigt und ein Pfefferspray zum Einsatz kommt, landen die sechs kurzerhand in einer Zwischenstation, die menschenleer scheint und obendrauf noch komplett abgeriegelt ist.
Als man beobachtet, wie ein paar Wilde einen Polizisten kurzerhand massakrieren, beginnt eine Hatz auf Leben und Tod…

Tunnelratten einmal anders und doch reichlich einfallslos.
Vorweg müht man sich kaum um differenzierte Charakterisierungen, sondern spaltet die Brüder Mike und Tony in die schlichte Kategorie Kain und Abel, während die beiden Damen genauso oberflächlich zwischen „toughe Kämpferin“ und „naive Bitch“ abgestempelt werden. Die übrigen Typen fallen erst gar nicht auf.
Da ist niemand, der sonderliche Sympathien einfährt.

Immerhin lässt die Action nicht allzu lange auf sich warten, denn als vier Leutchen einen Ausweg aus dem Tunnelsystem suchen und ein Paar zum bevorzugten Flutschen im stillen Winkel zurückbleibt, ist klar, dass nach alter US-Moral die Todesreihenfolge feststeht.
Da ist noch keine halbe Stunde vergangen und ab dem Zeitpunkt drückt man fast pausenlos ordentlich auf die Tube.

Allerdings ohne rechtes Feingefühl für Spannung oder der Erzeugung atmosphärischer Momente.
Schon allein diese Neandertaler im Rockergewand bewirken mit ihrem Gezeter eher unfreiwilliges Schmunzeln, wozu auch das lieblose Make-up in Form wilden Bartwuchses und der unvorteilhaften Verteilung von Kajal, Lidschatten und Mascara beiträgt.
Die Vorstellung, von Alice-Cooper-Doubles durch den U-Bahn Tunnel gehetzt zu werden, bewirkt somit nicht so das angestrebte Unwohlsein beim Zuschauer.

Und obgleich sich im Verlauf diverse Zweikämpfe sehen lassen können, in Sachen Härte als auch im Bereich der Choreographie, trüben die unprofessionelle Kamera und die hektischen Schnitte den optischen Genuss zeitweilig stark. Entweder man will dadurch die mittelprächtigen CGI kaschieren oder das Erzähltempo noch etwas stärker vorantreiben, - auf Dauer führt das unübersichtliche Gerangel eher zum Spannungsverlust.
Anstatt auch mal ruhigere Passagen einzubauen, wie es kurz der Fall ist, als man sich unbeabsichtigt in der Höhle des Löwen befindet, lässt man unsere konturlose Kämpfertruppe ziellos durch die Gegend laufen und fighten, als würde ein Action-Regisseur sein Routineprogramm in Rekordzeit im Kasten haben wollen.

Dazu passen die komplett unauffälligen Gesichter, der solide, aber kaum markante Score und die austauschbare Kulisse des Tunnelsystems, dessen klaustrophobische Wirkung nur selten zur Geltung kommt.
Und natürlich auch, dass man sich nicht in Ansätzen um Hintergründe für die im Versteck lebenden Kannibalen bemüht, womit der entsprechende Abschlussgag nahezu ins Leere läuft.

Somit ist „Stag Night“ mit seinem rasanten Tempo und den zahlreichen Konfrontationsszenen kein gänzlicher Langweiler, allerdings holt er aus der tauglichen Prämisse viel zu wenig heraus.
Splatterfans werden nur leidlich bedient, das Mitfiebern mit den Figuren hält sich bis zum viel zu kurzen Showdown arg in Grenzen und wer spektakuläre Einzelmomente in Erinnerung behalten möchte, ist an dieser Stelle ebenfalls falsch.
Ein No-Brainer ohne jeglichen Tiefgang, den man getrost im Hintergrund laufen lassen kann und bei dem kein einziges Ableben länger als der Streifen selbst in Erinnerung bleiben dürfte.
4 von 10

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