Eine Gruppe wenig sympathischer Freunde auf Junggesellenabschiedstour durch New York; eine nächtliche U-Bahn, die sie versehentlich an einer stillgelegten Haltestelle rauslässt; und eine Gruppe degenerierter, kannibalistischer Typen, die in den U-Bahn-Schächten leben und gnadenlos Jagd auf die Eindringlinge machen – fertig ist ein 08/15-Slasher vom Fließband, der so ziemlich alle Genre-Konventionen abhakt, ohne ihnen irgendetwas nennenswert Neues hinzuzufügen.
Im Großen und Ganzen kann die kleine Low-Budget-Produktion „Stag Night“ nur zwei Pluspunkte für sich verbuchen: Das ist zum einen der düstere Score, der vor allem im Vorspann und während einiger dramatischer Höhepunkte für eine gelungene Intensivierung der Atmosphäre sorgt; und zum anderen das Setting – verlassene U-Bahn-Stationen, dunkle Tunnel, eine Stadt unter der Stadt: Hier gelingen immer wieder recht beklemmende Momente des Ausgesetztseins in völlig unbekanntem Terrain.
Das war dann aber auch schon alles. Auf sämtlichen anderen Gebieten bleibt der Film schwach bis mittelmäßig. Die Logik etwa hapert immer wieder ganz gewaltig: Wie es überhaupt dazu kommt, dass die Gruppe auf dem leeren Bahnsteig landet, wirkt mehr als nur bemüht, vor allem, weil der U-Bahn-Fahrer trotz Nachschauen nichts bemerkt; auch im weiteren Verlauf werden immer wieder zielgenau die dümmsten Ideen verfolgt oder tauchen die brutalen Verfolger aus den unglaubwürdigsten Richtungen auf. Dass man sich in geradlinigen Tunneln so oft und hoffnungslos verlaufen kann, ist auch irgendwie eine Leistung; von dümmlichen Versteck-Sequenzen mal ganz abgesehen, in denen die Protagonisten immer wieder so laut miteinander reden, dass sie problemlos gehört werden sollten (aber jedes Mal ist es erst eine versehentlich weggetretene Dose, die die Aufmerksamkeit der Verfolger auf sie lenkt).
Hinzu kommt das wirklich unsympathische Personal – vom Macho-Arschloch, das eine Frau in der Bahn belästigt und sie auf ihre entschiedene Abweisung ewig nur noch als „Schlampe“ bezeichnet (ein Musterbeispiel an toxischer Männlichkeit, das vom Kumpel euphemistisch damit erklärt wird, er habe eben keine Manieren), über oberflächliche Kumpels, die nur Spaß und Saufen im Kopf haben und in dem Moment, in dem es ernst wird, in Streit ausbrechen, bis zu den beiden Quotenfrauen, deren Rollen ziemlich überschaubar bleiben. Davon, dass sämtliche Charaktere hier so flach und austauschbar bleiben, dass sich niemand wirklich ins Gedächtnis brennen kann, ganz zu schweigen.
Am nervigsten ist schließlich aber die Inszenierung, die einen Narren daran gefressen hat, bei jedem Hauch von Action, Kampf und Gewalt in unglaubliche Wackelbilder auszubrechen. Wohl um dem Geschehen mehr Tempo und Dramatik zu verleihen, wird hier einfach jede Spannungsszene so extrem unruhig bebildert, dass man teilweise Schwierigkeiten hat, noch Details zu erkennen. Schon nach kurzer Zeit ist das einfach nur noch nervtötend. Auch die Splattereffekte bleiben gutes Mittelmaß, bieten hin und wieder einen blutrünstigen Höhepunkt, können aber eingefleischten Genre-Fans nichts spektakulär Neues bieten.
Trotzdem kann „Stag Night“ immerhin leidlich unterhalten. Das düstere Setting und die gelungen dargestellten Mörder sorgen für eine gewisse Grundspannung, die trotz Klischees und Vorhersehbarkeit der Handlung durchgehend aufrecht erhalten bleibt. Auch wenn die finale Auflösung zu platt und unnötig daherkommt, kann man als Genre-Freund hier durchaus bei der Stange bleiben – wenn auch ohne echte Höhepunkte.