Für wie viele Streifen das Original von „Saw“ bereits als Ideengeber fungiert, ist nach mittlerweile einigen Jahren erstaunlich.
Nehmt einen karg ausgestatteten Raum ohne Möglichkeit zur Flucht und eine Handvoll einander unbekannter Typen, dazu einen Vermummten und mindestens eine installierte Kamera und schon haben wir solche Sachen wie „House of 9“ oder „Experiment Killing Room“.
Nur, dass man sich in diesem Fall auf eine Handlung ohne perfide Spielchen einstellen sollte, denn das Kammerspiel findet in nur einem Raum statt und lässt im Verlauf nicht allzu viel Bewegung zu.
Dem Titel gemäß werden neun Personen, eine Anwältin (Melissa Joan Hart), ein Cop, ein Dieb, ein Stripclub-Besitzer, ein Pädophiler, ein Räuber, ein Barkeeper, ein Versicherungsmensch, ein Priester und eine nicht englisch sprechende Asiatin entführt und finden sich kurz darauf gemeinsam in einem Raum, an einer Hand mit Handschelle an eine Eisenstange gekettet wieder. Der Vermummte stellt den Anwesenden ein Ultimatum: Sie sollen herausfinden, warum sie hier sind und was sie alle miteinander verbindet. Doch die Uhr tickt, denn alle zehn Minuten wird einer erschossen…
Im Nachhinein hat man den Eindruck, dass möglichst wenige Szenen außerhalb jenes Raumes spielen sollten, womit der Einstieg mit den jeweiligen Entführungsszenen recht kurz ausfällt.
Auch später wirken diverse Flashbacks, die das Puzzle ein wenig kompletter machen, eher lieblos und wie ein notwendiges Übel, während man als Zuschauer eher froh ist, für einen Moment von der etwas zu dominierenden Dialoglast wegzukommen.
Obgleich sämtliche Darsteller überzeugen und mehr oder minder glaubhaft agieren (zu Beginn weniger, im Verlauf eher), bietet die Prämisse zunächst viele gute Ansätze, doch die Form des Psychothrillers auf Basis eines Kammerspiels birgt auch zahlreiche Nachteile, was sich erst mit der Rekonstruktion des Wie und Warum einstellt.
Tatsache ist: Sie alle stehen in irgendeiner Verbindung zueinander und dem Killer und jeder der Anwessenden muss einen entscheidenden Schritt in seinem (Berufs)leben gemacht haben, welcher dazu führte, den Vermummten dermaßen zu verärgern.
Vielleicht aufgrund der Verurteilung eines Unschuldigen, vielleicht wegen eines unheilbaren Leidens.
Spannungen innerhalb der Entführten sind natürlich obligatorisch und dass der Priester zum Schweigen verurteilt ist und der schmierige Club-Besitzer und der coole Dunkelhäutige von vornherein Streitigkeiten auszufechten haben, überrascht ebenfalls nicht.
Interessant werden die Figuren ohnehin erst, als häppchenweise Informationen preisgegeben werden, was oftmals einer kleinen Lebensbeichte gleicht.
Offenbar hat annähernd jeder der Anwesenden eine Leiche im Keller, doch das muss nicht unmittelbar mit ihrer Entführung und dem Motiv des Killers zu tun haben, was einige Charaktere ambivalenter erscheinen lässt.
In Bezug zur Auflösung wirken hingegen einige Personen fast schon überflüssig und auch die Auswahl jener Entführten scheint teilweise hanebüchen, denn irgendwoher muss der Täter Informationen aufgeschnappt haben, obgleich er von einigen Gegebenheiten kaum etwas wissen kann. So ergeben sich innerhalb der Rekonstruktion einige Logiklücken und wenn sich letztlich herausstellt, wie vergleichsweise klein dieser ganze Hintergrund der Geschichte ausgefallen ist, macht sich doch schon ein wenig Enttäuschung breit.
Dennoch lockt das Sujet der Geschichte sein bestimmtes Klientel an und man wird bei der Auswahl der verschiedenen Figuren gewiss seine wenigen Sympathieträger genauso finden, wie Typen, denen man gar nicht aufs Fell gucken kann.
Der Vermummte (im Originalton mit schön tiefer, aber nicht künstlich wirkender Stimme ausgestattet) wirkt demgegenüber kaum wie ein skrupelloser Killer, sondern schlägt eher in die kerbe Jigsaw: Auf den ersten Blick eiskalt berechnend und unantastbar, doch tief in ihm schlummern Emotionen, die sein Handeln am Ende ein wenig nachvollziehbar erscheinen lassen.
Wie gesagt: Keine fiesen Fallen und bis auf die kurzen Hinrichtungen per Pistole kein Blutvergießen, denn dieses Konstrukt setzt fast ausschließlich auf die Kettenreaktion seiner Dialoge und erinnert somit schon fast mehr an eine äußerst schwache Variante von „Reservoir Dogs“, - passabel, aber im Gesamtbild kaum aufregend.
5,5 von 10