Review

"Saw" schlug bei seiner Kinoaufführung ein wie eine Bombe. Das geschickte Rätselraten und die irren Wendungen, verbunden mit einer nicht zu übersehenen Spirale aus Blut und Gewalt, wurde nicht nur von den Kritikern hochgelobt, auch das Publikum nahm diese Mischung gerne an. Eine nicht enden wollende Tour sogenannter "Folter-Pornos" nahm seinen Lauf, der Mensch war nun auch im Mainstream dazu bereit, harte und äußerst brutale Gewaltexzesse auf sich zu nehmen und anzuschauen. Die Rätselschiene bleib dagegen aber auf der Strecke. "Nine Dead" nun nimmt sicher dieser Schiene endlich wieder an und wird dadurch zu einem netten kleinen Indie-Film für alle die eher Mitdenken wollen, auch wenn wirkliche Neuheiten eher aus bleiben.

Der Plot zu "Nine Dead" ist simpel aber effektiv. Ein Fremder sperrt neun unterschiedliche Menschen in einen Raum, kettet diese an Rohre. Darunter befinden sich u.a. eine Anwältin, ein Pädophiler, ein Mafioso, ein Bulle und eine Chinesin. Was haben sie allesamt mit einander zu tun und und warum hat der Fremde sie hier eingesperrt? Das gilt es nun herauszufinden und zwar schnell. Denn aller 10 Minuten kehrt der Fremde zurück und killt einen von ihnen. Werden sie das Rätsel lösen und wer wird überleben?... Auch wenn man diese Art der Handlung schon hier und da einmal gehört hat, so völlig abgelutscht ist sie noch nicht, als dass sie nicht doch noch das Interesse des Zuschauers wecken könnte. Zwar fördert das ganze Treiben dabei nur wenige wirkliche Überraschungen zu Tage und wer am Ende überlebt ist doch schneller klar als es den Produzenten lieb sein dürfte, aber was genau hinter dem ganzen Spuk steckt ist doch einigermaßen clever gestrickt, so dass man am Ball bleibt.

Ja, vor allem das mal funktionierende, mal nicht funktionierende Teamwork der hier vorhandenen Charaktere ist gut getroffen. Zuerst das langsame Erkennen, dass irgendwie jeder mindestens einen der Anderen kennt, dann das Bloßlegen der vorhanden Freundschaften und (wesentlich eher) Feindschaften, der Schritt kurz vor dem Aufgeben, nur um zu erkennen, dass man weiter machen muss und der letztendliche Schlag in die Magengrube, dass am Ende doch jeder nur für sich selbst verantwortlich ist. Auch wenn die Figuren eigentlich nur Abziehbilder jedweder Klischees darstellen, so passen sie hier doch alle soweit so gut zusammen, dass sie das letztendliche Bild und das Motiv hinter der Tat gut genug formen, um Spannung erzeugen zu können.

Und auch das Motiv selbst nimmt man dem Treiben ab. Die kleinen Puzzelteile sind gut über den Film verstreut und wenn man am Ende das Puzzle zusammengesetzt hat, ist man mit dem Ergebnis zufrieden. Zugegeben, allzu schwer war es letztendlich nicht, denn das Drehbuch passt schon sehr gut auf, dass der Zuschauer auch ja alles kapiert und nicht, wie z. Bsp. bei den "Saw"-Filmen, immer wieder mit neuen Fragezeichen aus der Situation entlassen wird. So werden z. Bsp. immer wieder kleine Handlungsschnipsel außerhalb des engen Raums gezeigt, meist Flashbacks aus der Vergangenheit, die die gerade erreichte Kenntnis untermauern. Oder kurze Rückblenden, wenn dem ein oder anderen Charakter doch noch etwas Entscheidendes aufgefallen ist. Und auf allzu ausgefallene Wendungen sollte man auch nicht setzen, vor allem wenn man diese Art von Film schon X-Fach gesehen hat. Aber wie schon gesagt, das letztendliche Bild des Motivs ist nicht so enttäuschend ausgefallen, wie bei manch anderem Vertreter.

Zudem ist auch der Reiz dessen, dass aller 10 Minuten eine Figur ausscheiden muss, durchweg vorhanden. Zwar ist einem relativ schnell klar, wer dran glauben muss und wer am Ende noch stehen bleibt, doch die Reihenfolge des Ausscheidens der Charaktere ist dennoch immer wieder ganz interessant gestaltet worden. Schön auch, dass man dabei auf übertriebene Brutalität verzichtet hat, denn diese hätten hier irgendwie nicht wirklich passen wollen, zumal die Konsequenz des Killers dennoch beachtlich ist, was vor allem bei der Ermordung einer ganz bestimmten Figur zu spüren ist. Auch wenn die 18er-Freigabe vielleicht etwas übertrieben wirken mag, zimperlich geht es, trotz geringem Blutzoll, auch hier nicht zu.

Das der Film dabei trotz allem dennoch nicht über ein "gerade so gut" hinauskommt, hat er eher so mancher Schlampigkeit in der Inszenierung zu verdanken. Zum Beispiel kann der Echtzeitfaktor, welchen die Macher definitiv einbringen wollten, nicht funktionieren, wenn die 10 Minuten zwischen den einzelnen Tötungen mal zu kurz und mal zu lang sind. Mal sind im Film gerade einmal drei Minuten vergangen, während in der Realität schon mindestens neun Minuten verstrichen sind, dann rasen noch sechs verbleibende Filmminuten plötzlich nur so dahin, so das schon nach zwei realen Minuten der Killer wieder im Raum steht. Das ist nicht schön und hätte tunlichst vermieden werden können.

Zudem bleibt am Ende, trotz passendem Motiv, trotz gelungener Rätselraterei und trotz immer wieder aufkeimender Spannung das Gefühl zurück, dass man irgendwie doch mehr daraus hätte machen können. Irgendwie ist das Ganze zwar nett aber eben nicht wirklich originell und wirkt immer wieder wie ein softer "Saw"-Klon. Vor allem weil man dem Zuschauer letztendlich eben doch jedes Puzzle-Teil noch einmal genau zeigen muss, damit er es auch ja nicht übersieht. Ein sonderliches Nachdenken über den Film hinaus wird es hier jedenfalls nicht geben. Und als besonderen Runterzieher gibt es ganz zum Schluss noch einen völlig unnötigen Draufsetzer, den es so absolut nicht gebraucht hat. Schade!

Und auch die teils bekannten, teils unbekannten B-Movie-Darsteller sind allesamt nicht wirklich gut. Sabrina-Hexe Melissa Joan Hart hat zu Teenie-Darsteller-Zeiten z. Bsp. schon wesentlich besser ausgesehen. Dazu William Lee Scott, John Terry oder James C. Victor, welche aber allesamt auch nicht sonderlich herausragen. Ach und wer will, kann sich auch noch an Daniel Baldwin "erfreuen". Na ja...

Fazit: Unterm Strich ist "Nine Dead" somit ein kurzwelliges Rätselvergnügen geworden, das seine Puzzleteile gut über den Film verteilt hat und abziehbare Klischeecharaktere in einer recht gelungenen Konstellation präsentiert, welche das letztendliche Motiv hinter dem ganzen Treiben recht ordentlich zusammensetzt. Dazu der zusätzliche Reiz, das aller paar Minuten definitiv eine der Figuren dran glauben muss. Leider ist die Inszenierung aber recht schlampig ausgefallen und im Endeffekt lässt man den Zuschauer auch zu wenig Raum für Eigeninterpretation, so dass zum Schluss dennoch etwas sehr Beliebiges übrigbleibt, was zudem auch noch saudoof enden muss. Für einen kurzweilligen Puzzleabend, ohne den Anspruch auf etwas besonders Cleveres, reicht "Nine Dead" aber dennoch aus.

Wertung: 6,5+/10 Punkte

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