Mads Mikkelsen spielt einen Maler, dessen Tochter in seinem Pool ertrinkt, während er mit seiner Nachbarin schläft. Fünf Jahre später ist er ein ausgebranntes Wrack, lebt getrennt von seiner Frau, die nun mit einem anderen Mann zusammen ist und unternimmt einen Selbstmordversuch, der jedoch scheitert. Als er eine mysteriöse Tür entdeckt, die in eine Parallelwelt führt, die zeitlich fünf Jahre hinter der tatsächlichen zurückliegt, bekommt er eine zweite Chance, für die er jedoch einen hohen Preis bezahlen muss.
"Die Tür" ist ein Film, den man mit gemischten Gefühlen betrachtet. Zwar zehrt er relativ lang von seiner innovativen, originellen Grundidee, die durchaus das Potential für einen wirklich herausragenden Horror-Thriller geboten hätte, allerdings ist es über weite Strecken relativ ärgerlich, mit anzusehen, wie das ambitionierte Projekt eben dieses Potential nach und nach verschenkt und nicht die Hürde zum Kultfilm nimmt.
Dabei beginnt "Die Tür" eigentlich recht viel versprechend. Von Anfang an kreiert Regisseur Anno Saul, der bereits "Wo ist Fred?" und "Kebab Connection" inszenierte, eine düstere und triste Atmosphäre, woraufhin er den Zuschauer, genauso, wie seinen Protagonisten, relativ schnell und überraschend in die Parallelwelt wirft. Dabei macht Saul durchaus neugierig, auf das, was noch kommt und erzeugt weiterhin Spannung, da sich mit dem Tod des fünf Jahre jüngeren Ichs der Hauptfigur schließlich nach und nach Probleme einstellen.
Dabei wird der Plot konsequent weitergesponnen, die Versuche des Protagonisten, in der neuen Parallelwelt Anschluss zu finden und vor seiner Frau zu verbergen, dass er nicht wirklich er ist, wissen zu unterhalten. Bis zum Mittelteil überzeugt die Mischung aus Drama, Psycho-Thriller und Horrorfilm so auf ganzer Linie, doch dann übertreibt es Saul zunehmend. Die Idee, dass nun immer mehr Menschen, die in der eigentlichen Welt ihr Glück nicht haben finden können, in die Parallelwelt eindringen, um eine zweite Chance zu bekommen, wofür sie auch dazu bereit sind, ihre Ebenbilder zu töten, um deren Platz einnehmen zu können, treibt die Spannung zwar ein wenig voran, nimmt dem Film, der nun arg übertrieben und überkonstruiert wirkt, aber den letzten Bezug zum in sich Realistischen.
Saul versucht zum Ende hin einen Horrorfilm aufzuziehen, was aufgrund der dichten Atmosphäre auch ganz gut gelingt, allerdings behält er dabei seinen langsamen, behäbigen Erzählstil bei, verzichtet auf einen treibenden Score und bremst seinen Film so gewissermaßen aus. Der Abgang ist dann solide, aber auch nicht so gelungen, dass er einen bleibenden Eindruck hinterlassen würde und so bleibt ein sehenswerter, unterhaltsamer Horror-Thriller, der noch besser hätte werden können.
Darstellerisch gibt es dabei nichts zu bemängeln. Mads Mikkelsen, der auf internationaler Ebene vor allem aufgrund seiner Rollen in "Casino Royale" und "King Arthur" relativ bekannt ist, zeigt eine von Anfang bis Ende souveräne Vorstellung, ist als ausgebrannter Suizidgefährdeter genauso überzeugend, wie als etwas suspekter Eindringling in eine Parallelwelt, während auch Jessica Schwarz keinen Grund zur Beschwerde bietet. Außerdem wäre Thomas Thieme in der Rolle des morbiden Nachbarn noch lobend zu erwähnen, wobei auch der restliche Cast souverän aufspielt.
Fazit:
"Die Tür" ist von Anfang bis Ende aufgrund der dichten Atmosphäre, der guten Darsteller und der überaus originellen Grundidee unterhaltsam, ist aber vor allem in der zweiten Filmhälfte etwas übertrieben konstruiert und mitunter etwas unglücklich in Szene gesetzt, sodass das ambitionierte Projekt einen Teil seines Potentials auf der Strecke lässt. Dennoch ein sehenswerter Film.
70%