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„Todesmelodie“, angesiedelt zwischen „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Es war einmal in Amerika“, bildet den Mittelteil von Sergio Leones Amerika-Trilogie.
Wieder einmal ist es ein Duo aus Antihelden, das sich hier durchschlägt. Der erste davon ist der mexikanische Bandit Juan Miranda (Rod Steiger), der mit seiner Sippschaft aus unzähligen Söhnen Weiße überfällt. Juan ist dabei wenig zimperlich, bringt Leute ohne mit der Wimper zu zucken um – allerdings zeigt „Todesmelodie“ auch den Rassismus, der ihm und seinen Leuten entgegenschlägt. Wenn er sich schüchtern und duckmäuserisch gibt, um in einer Kutsche voller Weißer mitgenommen zu werden, dann behandeln ihn die Fahrgäste wie einen Menschen zweiter Klasse – bis sie dann ausgeraubt werden.
Juan und seine Sippschaft treffen beim Lauern auch auf John H. Mallory (James Coburn), einen ehemaligen IRA-Kämpfer, der nun auf einem Motorrad durch den Wilden Westen tuckert. Als sie aus Spaß sein Gefährt zerschießen, sprengt John ihre Kutsche in die Luft, denn John trägt Unmengen von Nitroglyzerin und Dynamit mit sich rum. Damit bringt Leone eine neue Art von Outlaw in seine Filme, einen für damalige Zeiten hochtechnisierten Terroristen, denn „Todesmelodie“ stellt eine Art Requiem auf den klassischen Western dar.

Juan ist erbost, will auf John losgehen, doch erkennt dann, dass der nur gleiches mit gleichem vergolten hat – und vor allem, dass er ihm noch nützlich sein kann. John schließt sich Juans Bande an, doch beide geraten die herrschenden Revolutionswirren...
„Todesmelodie“ ist ein seltsamer Leone-Western, denn er enthält viele typische, aber auch viele untypische Elemente für einen Film des Meisters. Vertrautes Terrain sind dabei die staubigen, atmosphärisch dichten Bildern der zerklüfteten Landschaft sowie der eingängliche Score, der mal wieder von Ennio Morricone stammt. Auch das Setting um Revolution und Mexiko weckt starke Erinnerungen an frühere Werke, vor allem „Zwei glorreiche Halunken“.
Ungewohnt ist die starke Betonung von Technik. Nicht nur Motorrad und Nitroglyzerin von John machen diesen Italowestern nicht unbedingt klassisch, sondern auch der verstärkte Einsatz moderner Waffen: Gattlings und ähnliche automatische Gewehre kommen hier mehr zum Einsatz als in anderen Leone-Filmen. Der Ansatz ist erfreulich ungewöhnlich, bietet Abwechslung und doch kann Leone derartige Elemente nicht immer ganz harmonisch einbinden, sodass die Technik teilweise wie ein Fremdkörper wirkt.

Allerdings gibt die neue Technik den Schießereien ein neues Antlitz. Es wird deutlich länger geballert, auf Duelle im klassischen Sinne muss man allerdings dafür verzichten. Nicht dass „Todesmelodie“ mehr oder weniger Action als andere Leone-Western bieten würde, die einzelnen Shoot-Outs sind einfach deutlich länger geraten. Qualitativ ist „Todesmelodie“ aber auf dem gleichen Niveau, gerade das Finale ist mal wieder ein echter optischer Leckerbissen.
Doch trotz gewohnter handwerklicher Qualitäten und schicker Action kann „Todesmelodie“ nicht mit den großen Leone-Werken mithalten. Die Erlebnisse der beiden Halunken in den Kriegswirren sind recht spannend geschildert, es gibt nur ein paar Längen, aber der Funke springt nicht so recht über. Episches Flair fehlt einfach und auch im Bereich Charaktere ist „Todesmelodie“ überraschend schwach. Auch Juan und John sind keine reinen Klischeefiguren, aber ihr Schicksal ist bei weitem nicht so packend erzählt wie das anderer Leone-Figuren, gelegentlich sind sie dem Zuschauer sogar egal. Selbst die Irland-Rückblenden können nicht wirklich mehr Sympathie für John schaffen, sodass nur einzelnen Momente wirklich unter die Haut gehen *SPOILER* Vor allem die Szene, in der Juan seine dahingemetzelte Sippschaft vorfindet. *SPOILER ENDE*
Dies ist aber nicht Schuld der Schauspieler, denn das Hauptdarstellerduo agiert sehr überzeugend. Rod Steiger schwankt als Bandit erfolgreich zwischen Sympathiefigur und Schmieriack, James Coburn macht als leicht verrückter Freiheitskämpfer eine gute Figur. Auch der Rest der Darsteller macht seine Sache gut, nur eines fehlt bei „Todesmelodie“ leider: Ein charismatischer Bösewicht. Die Fieslingsdarsteller haben leider niemand wirklich herausragenden in ihrer Mitte.

Alles in allem ist „Todesmelodie“ ein guter, recht spannender Western, dessen Hauptfiguren den Zuschauer leider etwas zu kalt lassen und der ein paar unschöne Längen aufweist. Die Schießereien sind gelungen, Leones Regieleistung lässt auch kaum Raum für Tadel, aber der ganz große Wurf ist es nicht.

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