Review

The Sixth Sense (9/10)

The Sixth Sense ist einer der besten Filme von M. Night Shyamalan. Es ist kein Horrorfilm im üblichen Sinn, denn Horror ist für mich eher das sichtbare physische Leiden in Form von Blut, abgetrennten Gliedmaßen.

Die subtilere Form von The Sixth Sense ist jedoch effektiver, was das Erzeugen von Gänsehaut betrifft. Die meisten Horrorfilme laufen leer, da die dargestellte Gewalt mit den Ängsten nicht übereinstimmt. So kann The Texas Chainsaw Massacre zwar wegen der groben Art der Darstellung schockieren, hinterläßt aber wegen seiner geringen Identifikation keinen so großen Eindruck auf den Betrachter wie The Sixth Sense.

Und das subtile Grauen, daß sich in The Sixth Sense verbreitet, ist effektiv, so effektiv, daß es mit Meisterwerken wie The Shining oder Psycho mühelos mithalten kann. Denn Shyamalan erzeugt durch einfache Mittel Angst: so ist die wohl spannendste Szene, in denen denen der kleine Junge mit dem Toten Mädchen in kontakkt tritt, in dem Bruce Willis mit dem Rücken zu uns auf der Toilette steht, und eine Gestalt hinter ihm vorbeihuscht, und als der kleine Junge von seinen Freunden in der kleinen Turmkammer eingeschlossen wird, und Stimmen hört.

Shyamalan spielt damit mit den Urängsten des Menschen: die Angst vor der Dunkelheit, vorm Eindringen in die Privat- bzw. Intimsspäre. Was ist hinter dem Vorhang, was erwartet mich.

Gleichzeitig beutet Shyamalan das Thema nicht aus. Die meisten Horrorfilme erzeugen Angst, und haben nicht zum Ziel, das eigene Ich zu stärken. Die Katharsis, die Reinigung des eigenen Ichs zur Stärkung, bleibt hierbei aus. Shyamalan jedoch zeigt, indem er Bruce Willis als Helfer des Jungen einsetzt, einen Weg aus der Angst: sprich mit den Geistern, habe keine Angst vor ihnen, sie können nicht anders kommunizieren.

In diesem Sinne ist The Sixth Sense auch ein Appell an eine neue Form der Kommunikation. Anders als im einfachen Slasher- oder Horrorfilm (auch wenn der Vergleich hinken mag), bietet The SIxth Sense keine Konfrontation, die durch Gewalrt gelöst wird. Es gibt eine Lösung, um aus einer Situation, die gefährlich wirkt herauzszukommen: Kommunikation.

Das ist so hervorragend dargestellt, und in einer Szene so prima darrgestelllt, daß einem die Haare zu Berge stehen. Eine dieser hervorragenden Szenen ist die, als Cole mit seiner Mutter im Auto sitzt, und es einen Unfall gegeben hat. Cole weiss, daß eine alte Dame umgefahren wurde, und gestorben ist. Woher er das wisse, fragt seine Mutter. "Sie steht direkt neben mir". Und die Kamera erweitert den Winkel, und zeigt die tote Radfahrerin neben seinem Fenster stehen.

Eine weitere Szene, die hervorragend erarbeitet ist, ist als Cole seiner Mutter von ihrer Mutter erzählt, und das sie mit ihm spreche und sie grüße. In dieser Szene schwingt so viel Gefühl, ja Menschlichkeit mit, daß einem die Augen feucht werden.

Das ist das große Verdienst von M. Night Shyamalan: anders als der klassische Horrorfilm sind die Personen, die Cole sieht, nicht bedrohlich., und es kommt zu keiner physischen Konfrontation (wie in Evil Dead als Extrembeispiel). Sie wollen nur zur Ruhe kommen, und haben deshalb ein Medium zur realen Welt nötig. Keine Aggression, sondern Furcht, Orientierungslosigkeit spielt hier eine Rolle, und The Sixth Sense setzt dies auf eine hervorragende Art um.

Nur in einer Szene verliert die Stärke des Subtilen in The Sixth Sense an Gewicht. Dies ist, als der Film die gehängten zeigt, die im Bogen der Schule baumeln. Hier ist der Film zu deutlich, und das nimmt ihm das geheimnisvolle des Unsichtbaren und Unbekannten. Es mindert aber den Gesamteindruck des Films nicht.

Nicht erwähnt bleibt hier der Plot, der erst am Ende den Anfang des Films erklärt. Dieser soll auch hier nicht verraten werden.

The Sixth Sense ist allen ans Herz gelegt, die intelligenten Grusel mögen, und die ewige Konfrontation Gut-Böse, Gut vernichtet Böse nicht mehr sehen können.

Sehenswert

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