Review

Schon im Kino, damals in 1999, herrschte atemlose Stille.
Später dann erfuhr man, dass THE SIXTH SENSE angeblich mit manipulativen akustischen Untertönen arbeitet.
Wie auch immer; der Meister der Suspense, Alfred Hitchcock, hätte seine helle Freude an diesem Top-Film gehabt, und ihn mit Sicherheit nicht besser machen können.
Der Regisseur M. Night Shyamalan beweist hier ein unglaubliches Geschick auf verschiedenstem Terrain.
Angefangen mit einer atemberaubenden Empathie - durchweg kann man sich mit den Ängsten des jungen Cole (fantastisch gespielt von Haley Joel Osment) identifizieren und fühlt sich oft sogar in die eigenen Kindheitstage zurück versetzt, in denen man gegen seine ganz eigenen Dämonen zu kämpfen hatte (beispielsweise das bei Kindern obligatorische Monster unter dem Bett).
Hinzu kommt eine gekonnt inszenierte Gradwanderung zwischen verschiedensten Genres - würde man den Film wahrscheinlich zunächst in das Fach des "fantastischen Thrillers" einordnen, so funktioniert er parallel als gediegenes Drama, das einem, wenn man Rezeptoren für starke Kompositionen aus guter Inszenierung, tollen Darstellern und wunderbar passender Musik hat, schonmal die Tränen in die Augen treiben kann.
Kurz dann macht THE SIXTH SENSE auch mal Abstecher ins Gruselgenre, oder gefällt mit sporadisch auftretenden, zumeist sarkastisch-ironischen Untertönen, wenn es beispielsweise darum geht, das geheuchelt-heile Familienleben in unserer Gesellschaft auf die Schippe zu nehmen.

ACHTUNG, SPOILER!

Schaut man den Film das erste Mal, so geht man dem Plot mit 99%-iger Sicherheit auf den Leim. Dass der Kinderpsychologe Malcolm Crowe selbst einer von Coles sichtbaren Toten ist, hätte wohl so ziemlich niemand erwartet - entsprechend laut ist der Knalleffekt am Ende. Schaut man THE SIXTH SENSE dann ein zweites oder drittes Mal, so offenbaren sich etliche Szenen, die zwar Hinweise darauf geben, aber derart verschachtelt in das logische Geschehen eingearbeitet sind (Szene im Restaurant, in der Malcolm mit seiner Frau spricht, diese ihn aber ignoriert und letztlich mit den Worten "ein schöner Hochzeitstag" den Tisch verlässt), dass man nicht auf die Idee kommt, Malcolm zu entlarven. Zudem ist der Moment, in dem Cole sich als Medium für verstorbene Seelen outet, extrem gut getimed.

Kurzum; THE SIXTH SENSE ist ganz großes Kino ohne Effekthaschereien und einer der versatilsten Filme, die ich kenne!
Satte 9,5 von 10 Punkten!

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