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Die dritte Regiearbeit des Inders Manoj Night Shyamalan (The Happening, Signs - Zeichen) ist heute schon ein Meilenstein und die Grundlage für massig Plagiate. Aber Shyamalan lernte auch die Kehrseite der Medaille kennen. Mit seinem "The Sixth Sense" legte er die Messlatte unglaublich hoch, der begeisterte Zuschauer wartet schon lange auf einen Film Shyamalans, der "The Sixth Sense" das Wasser reichen kann, jedoch vergeblich. Mit "Unbreakable" legte er zwar gut nach, doch mit "The Village" begann der Absturz, weil sich Shyamalan immer ans selbe Muster krallt. Das funktioniert einmal, manchmal auch ein zweites Mal, aber irgendwann ist Schluss, so war auch "The Happening" ein Disaster. Das Markenzeichen von Shyamalan, er schreibt seine Drehbücher immer selbst und auf solche Ideen muss man erstmal kommen.

Für den Kinderpsychologen Malcolm Crowe (Bruce Willis) war die Welt perfekt, bis ein ehemaliger Patient in sein Haus einbricht und ihn schwer verletzt. Seitdem ist die Ehe mit Anna (Olivia Williams) zerrüttet, Trost sucht Malcolm in seiner Arbeit. Und er bekommt es auch mit einem ganz besonders schwierigen Fall zu tun. Der 9jährige Cole Sear (Haley Joel Osment) sieht tote Menschen, will das Geheimnis aber mit niemandem teilen, nicht mal mit seiner Mutter Lynn (Toni Collette). Doch Malcolm gelingt es langsam, das Vertrauen des Jungen zu gewinnen und ihm zu helfen. Doch hinter dieser Gabe steckt weit mehr, als Malcolm sich je erträumt hat.

Schaut man sich "The Sixth Sense" zum ersten Mal an, ist man sowieso gefesselt, denn Shyamalan erzählt mit solch einer Kraft und Spannung, bis zum schockierenden Ende. Und gerade mit diesem Höhepunkt hat keiner gerechnet. Sieht man sich einen Film zum ersten Mal an, so beachtet man nicht jedes Detail. Deswegen sollte man sich "The Sixth Sense" ruhig öfter ansehen, denn Shyamalan hat viele Spuren gelegt, mit welchen man den finalen Haken vorhersehen kann. Und selbst wenn man ihn schon gesehen hat, "The Sixth Sense" ist immer wieder eine Wucht, allerdings lassen sich auch kleine Ungereihmtheiten ausmachen, die aber kaum ins Gewicht fallen.

Auch ist "The Sixth Sense" ein Film, dem man eine gemächliche Erzählweise nie vorhalten würde. Denn gerade daraus zieht Shyamalan die Spannung. Der Zuschauer tappt zunächst völlig im Dunkeln, wie Malcolm auch. Warum ist Cole so ängstlich, verhält sich so komisch und wo hat er die Verletzungen her ? Dies alles wird klar, wenn er Malcolm sein Geheimnis verrät und wir einige seiner Visionen zu sehen bekommen. Und da bekommt man wirklich eine Gänsehaut, wenn einige verunstaltete Tote Cole nachts heimsuchen. Doch Shyamalan hat nur wenige dieser Szenen eingebaut, denn "The Sixth Sense" will kein Horrorfilm sein und schon gar nicht blutig. Diese kleinen Momente dienen nur als Spannungsspitzen und wirken nie überzogen. Und so findet bald ein weiterer Handlungsstrang Platz in der komplexen Geschichte, nämlich die grausame Ermordung eines kleinen Mädchens, welche Cole schließlich hilft seine Angst loszuwerden. Aber auch Malcolm hat so seine Probleme. Seine Frau Anna will nichts mehr von ihm wissen und turtelt plötzlich mit ihrem jüngeren Mitarbeiter herum. So konzentriert sich Malcolm voll und ganz auf seine Arbeit, auch um einen Fehler in seiner Vergangenheit zu korrigieren.

So liegt es auch an den großartigen Leistungen aller Darsteller, dass "The Sixth Sense" so intensiv daherkommt. Gerade die Gespräche zwischen Cole und seiner Mutter rühren fast zu Tränen, während Malcolm schon eine Vaterrolle einnimmt. So ist und bleibt Bruce Willis (Stirb Langsam, Tödliche Nähe) einmalig, denn er kann in jede Rolle schlüpfen. Als Kinderpsychologe gibt er eine oscarreife Vorstellung, doch im Gegensatz zu Kinderstar Haley Joel Osment (Löwen aus zweiter Hand, A.I. - Künstliche Intelligenz) und Toni Collette (Shaft - Noch Fragen ?, Velvet Goldmine) wurde er nicht nominiert. "The Sixth Sense" war für sechs Oscars nominiert, doch dabei blieb es auch. Erwähnenswert ist auf jeden Fall der brillante, meist sehr hintergründige Score von James Newton Howard.

Ein suspense haltiges Meisterwerk mit großartigen Darstellern. Derart intensiv, spannend und dramatisch, doch es wirkt nie aufgesetzt. Besonders gegen Ende entfaltet sich die sorgfältig durchdachte Story mit einem schockierenden Finale. Meisterliche Mysterieunterhaltung, die wohl einmalig bleibt.

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