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So schnell wird man zu Hitchcocks Nachfolger... ?

Das Fragezeichen in meiner etwas zu kritischen Überschrift, lässt sich wenn nicht ersetzen, dann aber immerhin mit einem Ausrufezeichen ergänzen. Denn meine Einstellung zu M. Night Shyamalans Hollywood-Debüt & Sensationswelterfolg von 1999, "The Sixth Sense", könnte kaum positiver sein. Ein cleveres Script & meisterhafte Umsetzung, sollten zwar auch den begabtesten (Damals-)Jung-Regisseur nicht direkt  zu Hitchcocks Nachfolger werden lassen - aber man kennt ja die Presse & deren Hang zu Extremen. Irgendwie waren die Kollegen dem Internet schon zur Jahrtausendwende voraus & kannten nur super oder grausig. Die Geschichte um einen Psychologen, der einem kleinen Jungen helfen soll, da dieser tote Menschen sieht, ist aber ausnahmsweise mal wirklich jedes Superlative wert. Als ob der Regisseur alles was er hatte, konnte & hoffte, über Jahre in dieses Projekt gesteckt hätte. Ein enormer Standard & Gamechanger, den er bis heute nie wieder erreichen sollte & fasst daran zerbrach. Sympathisch & mysteriös blieb der Herr aber selbst durch Schrott wie "After Earth".

"The Sixth Sense" orientiert sich noch eher als an Hitchcock, an Horror-Thriller aus den 60ern & 70ern, von okkult bis übernatürlich, von Geistern bis psychologischen Dramen. Wer also auf Rosemaries Baby oder den Horror von Amityville steht, der hatte '99 im Kino sicher einen gelungen Flashback. Shyamalans Grusel-Understater hat & betont alles, was den meisten Horrorfilmen von heute mehr als nur abgeht. Im ohnehin schon mit Highlights vollgestopften, wichtigen Jahr 1999, ragt diese weltweite Sensation nochmals heraus. Willis war selten besser & leiert hier mal nicht nur seine Coolman-Show herunter, der kleine Joel Osment spielt sich in die Herzen der Zuschauer & liefert eine der besten Kinderdarstellungen überhaupt ab, und auch der Rest des Casts muss gespürt haben, dass es sich bei diesem Projekt um etwas Besonderes handelt. Wenig billige Schockelemente oder aufgesetzte Härte, dafür extrem viel Spannung, Atmosphäre & emotionale, universelle Themen wie Familie, Liebe & die Aufgaben im Leben. Kein Wunder, dass der Film etliche Trends lostrat & fast jeden Zuschauer überraschte wie lange nichts mehr. Vielleicht kein weiterer Film in der Geschichte, brachte beim zweiten Sehen so einen Aha- & Genial-Effekt. Genialität ist abgenutzt & wird zu oft benutzt - sie hier zu verschweigen wäre aber dreist & eine Lüge. Etliche Parodien & der Zahn der Zeit haben etwas an diesem Slowburner genagt - trotzdem habe ich seitdem, so etwas selten bis gar nicht mehr gesehen. 

Fazit: einer der besten Horror-Thriller & filmischen Fixpunkte der 90er. Rückbesinnung auf stilvollen Grusel mit emotionalem Kern, tollen Darstellern & einem legendären Finale - mehr kann man sich von einem (Beinahe-)Debüt nicht erträumen.

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