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An der Nordsee kommt es zu einigen mysteriösen Erkrankungen und Todesfällen. Die Gemeinsamkeit aller Opfer: Sie waren vor kurzem in der Nordsee. Dort treiben nämlich seit geraumer Zeit Killer-Mikroben ihr Unwesen, die zuvor sogar eine Ölbohrplattform zum Havarieren brachten. Eine Ärztin, gespielt von Lavinia Wilson, ein Umweltbeamter, gespielt von Hubertus Grimm, und ein Meeresbiologe, gespielt von Fahri Ogün Yardim, untersuchen die Lebewesen und müssen schließlich feststellen, dass sie enorm schnell mutieren und binnen kürzester Zeit mehrere Phasen der Evolution durchlaufen werden.

Nachdem "Crashpoint" zuletzt durchaus überzeugen konnte, vor allem, weil der Film nicht vollkommen überzogen wirkte und die beklemmende, klaustrophobische und ausweglose Situation auf dem, außer Kontrolle geratenen Flugzeug komplett ausspielte, um Atmosphäre und Spannung zu erzeugen, macht man hier wieder sehr vieles falsch. Regisseur Hans Horn, der bereits "Open Water 2" in den Sand setzte, lässt den Film nämlich vor allem an zwei zentralen Fehlern scheitern. Zum einen ist der Film von Anfang bis Ende von altbekannten amerikanischen Vorbildern übernommen, die natürlich zu keinem Zeitpunkt erreicht werden, zum anderen wird der Film mit zunehmender Lauflänge derart wirr und abstrus, dass man eigentlich nur noch den Kopf schütteln möchte.

Eine tödliche Gefahr im Wasser. Mehrere Zwischenfälle, ein erster Toter. Hektische Hand- und Unter-Wasser-Kamera-Sequenzen von Menschen, die jederzeit angegriffen werden könnten. Experten finden erste Anzeichen für eine ernsthafte Bedrohung, aus kommerziellen Interessen, will man die Strände jedoch nicht absperren, um nicht zur Hauptsaison die Touristen zu vergraulen. Nein, wir haben es hier nicht mit Spielbergs "Der weiße Hai" zu tun, wir sehen eine deutsche Fernsehproduktion, die hier ganz offensichtlich einige Anleihen vom Kultfilm aus den 70ern holt. Und auch ansonsten ist bereits bei der Exposition klar, dass "Tod aus der Tiefe" keine einzige Innovation aufbieten kann und so kommt es dann schließlich auch. Die Charaktere sind sympathisch, aber vollkommen klischeehaft und ziemlich profillos gestrickt, wobei der Meeresbiologe in seiner lockeren, zynischen Art überdeutlich an Jeff Goldblums "Jurassic Park"-Part als Dr. Ian Malcolm erinnert und auch diese Anleihen werden spätestens in dem Moment enttarnt, wenn seitens des Biologen schließlich der Begriff der Chaostheorie fällt.

Was dann folgt ist ein solide inszeniertes und enorm einfallslos gestricktes Katastrophenszenario, das auch Hollywoods schlechteste B-Autoren kaum klischeehafter hätten gestalten können, aber der Unterhaltungswert bleibt zunächst aufgrund des zügigen Tempos im annehmbaren Bereich. Ein paar atmosphärische Szenen, in denen die Gefahr, die vom Meer ausgeht, dann wirklich annähernd spürbar ist, kann Horns TV-Produktion dabei durchaus auf der Haben-Seite verbuchen, auch ohne, dass visuell oder akustisch etwas Erwähnenswertes geboten würde. Auf TV-Niveau ist das Ganze zumindest in der ersten Hälfte durchaus akzeptabel, zumal auch die Darsteller ordentliche, wenn auch nicht gerade überragende Darbietungen auf die Leinwand bringen. So zeigt Lavinia Wilson eine überzeugende Darbietung, bringt die nötige Sympathie für ihre Rolle mit und enttäuscht auch in den emotionaleren Momenten nicht. Hubertus Grimm spielt solide, bleibt aber neben seiner guten Kollegin und Fahri Ogün Yardim, der hier und da mal einen, im Ansatz amüsanten Spruch vom Stapel lässt und als zynischer Biologe durchaus gut besetzt ist, eher unauffällig.

Was dann aber zum Ende hin geboten wird, ist überaus abenteuerlich. Dass die Erklärung für das Verhalten und die Entwicklung der Organismen wohl sehr fragwürdig ausfallen würde, war absehbar, aber, dass es schließlich so wirr und konfus zugehen sollte, übertrifft viele schlimme Befürchtungen. Unter Wasser kommt es also zum Kontakt der drei Protagonisten mit den Lebewesen, die mittlerweile einen Organismus von stattlicher Größe gebildet haben. Eindeutig von "Abyss" inspiriert, wird der Film, der sich hier wohl noch zum spannenden, atmosphärischen Psycho-Thriller entwickeln sollte, vollkommen lächerlich und verliert sich in einem kaum noch vorhandenen, wenig zielstrebigen Plot und dümmlichen, unglaubwürdigen Sentimentalitäten. Dabei versucht Horn zumindest noch ein paar eindrucksvolle Bilder zu kreieren, was ihm aufgrund der miesen Effekte aber auch nicht so recht gelingt. Was bleibt, ist ein, zumindest in der ersten Hälfte unterhaltsamer Film, bei dem weniger definitiv mehr gewesen wäre.

Fazit:
In der ersten Hälfte bietet "Tod aus der Tiefe" neben zahlreichen Klischees und Anleihen von amerikanischen Vorbildern noch so ziemlich alles auf, womit ein solider Katastrophenfilm unterhält, kippt dann aber in der zweiten Hälfte völlig ab. Der Plot wird immer abstruser, die Wendungen wirrer, die Sentimentalitäten unglaubwürdiger und die Effekte mieser. Da inszenatorisch wie darstellerisch zwar Solides, aber nichts wirklich Überragendes geboten wird, ist die Prosieben-Produktion so unterm Strich wenig überzeugend.

39%

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