Ein namenloser Mann bekommt von einem ebenso anonymen Gegenüber einen mysteriösen Auftrag – der vor allem daraus besteht, immer neue Menschen zu treffen und mit ihnen Streichholzschachteln mit geheimen Botschaften auszutauschen. Der Auftrag führt ihn auf eine Reise durch Spanien bis in die Wüste, wo er seinem finalen Ziel gegenüber steht.
Mit „The Limits of Control“ hat Jim Jarmusch quasi eine Antithese zum herkömmlichen Gangsterfilm geschaffen: Er nimmt die übliche Story eines solchen Genrebeitrags und entkleidet sie beinahe sämtlicher Elemente, die man von solch einem Werk erwarten kann. Übrig bleibt eine lethargische Reflexion über das Warten, Konzentration und Rituale, durchsetzt mit leisen ironischen Brüchen.
Das beginnt schon mit der ebenso langen wie irritierenden Eingangsszene, wenn der Mann seinen Auftraggeber trifft, mit dem er nur per Dolmetscher kommunizieren kann. Dieser übersetzt stoisch die philosophisch-abstrakten Gedankengänge seines Chefs, bis er schließlich nicht mehr weiter weiß und zu ihm sagt: „Wie soll ich das übersetzen? Ich verstehe kein Wort.“ Solche hintergründig ironischen Brechungen tauchen immer mal wieder an unerwarteten Stellen auf und verleihen dem eher meditativ-verträumten Film eine humorvoll-leichte Note. Auch macht sich Jarmusch einen Spaß daraus, seine Darstellenden gegen den Strich oder selbstironisch zu besetzen: Tilda Swinton mit blonder Perücke sinniert über den einzigen Film noir, in dem Rita Hayworth jemals blond war; Bill Murray gibt einen erstaunlich zynischen Typen aus dem Gangster/Mafia/Spionage-Milieu (so genau wird das nicht klar, da hier wie bei allen anderen Figuren konsequent auf Erklärungen verzichtet wird), der in seinen wenigen Sätzen seine tiefe Verachtung für die „nichtsahnenden“ Menschen seiner Umgebung ausdrückt; und Paz de la Huerta absolviert ihren gesamten Auftritt mit einer kleinen Ausnahme vollkommen nackt. Vor allem diese Inszenierung wirkt mitunter etwas zu verspielt und selbstverliebt, sorgt aber auch immer wieder für kleine Überraschungsmomente und skurrile Bilder.
Getragen wird das alles vom Hauptdarsteller und unantastbaren Zentrum des Films, Isaach de Bankolé. Mit stoischer Ruhe, versteinerter Miene und höchster Eleganz schwebt er durch die Handlung, scheint gleichermaßen alles im Griff zu haben und so wenig zu verstehen wie der Zuschauende, reagiert aber stets gelassen und gefasst auf alle seine Begegnungen. Sehr schnell erzeugt er eine Aura der höchsten Konzentration, wenn er etwa im Museum steht und die Bilder betrachtet, als könnten sie ihm erklären, was er zu tun hat. Keine Fragen, keine Unsicherheiten – er verfolgt seinen bis kurz vor Schluss nicht nachvollziehbaren Auftrag mit einer inneren Strenge, die ihresgleichen sucht. Mit ihm hat Jarmusch die perfekte Besetzung für dieses Traktat über Ruhe und Handlung inmitten von Ereignislosigkeit gefunden.
Zugegeben, bei einer Laufzeit von knapp 110 Minuten mag sich diese Lethargie gegen Ende ein wenig in die Länge ziehen. Viele Sequenzen bestehen aus so gut wie keiner Handlung, die Agierenden sitzen und reden, sitzen und schweigen oder sitzen und denken nach – trotz der exquisiten Bilder, die von einer tiefenentspannten Kamera eingefangen und von einem verführerisch leichten Easy-Listening-Score untermalt werden, kann das dann doch irgendwann ein wenig zu viel des Nichtstuns werden. Auch wirkt das episodenhafte Auftauchen und Verschwinden der einzelnen Glieder der endlosen Auftragskette irgendwann dramaturgisch recht eindimensional. Und so tiefgründig oder emotional intensiv wie in seinen früheren Werken wird es hier niemals wirklich.
Ein Highlight in Jarmuschs Schaffen ist „The Limits of Control“ also eher nicht. Für Freunde des entschleunigten Ästhetik-Kinos gibt es hier trotzdem einiges zu entdecken, und wer sich darauf einlässt, kann durchaus in einer seltsam entrückten, aber irgendwie auch schönen Welt vor sich hin mäandern. Denn das sollte man zugeben: Dafür, dass hier so wenig geschieht, bleibt der Film erstaunlich unlangweilig.