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"Die Geschichte eines Einschüchterungsfeldzuges amerikanischer Großfarmer gegen osteuropäische Einwanderer, der in einem Blutbad endet (Johnson-County-War 1892). Ein aufwendiger, imposanter Spätwestern, der soziale Anklage, pessimistisch-kritische Geschichtssicht und wehmütigen Abgesang auf die Legenden des Westens verbindet. Die in breiten, schwelgerischen Bildern eingefangene Schönheit wird dabei als humane Gegenkraft zu den grausamen Vorgängen und der fatalistischen Grundstimmung der Geschichte eingesetzt. Als "Nestbeschmutzung" verunglimpft, wurde der an die 50 Mio. Dollar teure Film an den Kinokassen Amerikas ein Misserfolg, der die Produktionsfirma United Artists finanziell ruinierte."
Es waren Kritiken wie diese aus dem "Lexikon des internationalen Films", die mich auf den Film aufmerksam gemacht hatten. Vielleicht waren meine Erwartungen dadurch zu hoch, vielleicht war ich beim Sehen nicht konzentriert genug, aber so ambitioniert der Film auch wirkt - er hat mich nicht begeistert.
Die Bilder sind wirklich imposant, gold- und Brauntöne dominieren. Aber es ist auch zu oft die gleiche Hütte vor den Bergen, zu oft die kleine Siedlung um die Kirche, die sich trotzdem nicht erschließt, weil es immer der gleiche Ausschnitt ist und man kein Gefühl für die Geographie bekommt. Die Schauspielerleistung ist nicht grandios, aber in Ordnung, das Drehbuch ist es nicht:
Der Film beginnt mit einer langen Abschlussfeier in Harvard (die in Oxford gedreht wurde). Junge enthusiastische Menschen feiern ausgelassen. Rund 20 Jahre später treffen sich drei davon im kargen Montana wieder, doch spielt dieser Aspekt nur eine Nebenrolle, zeigt höchstens den Kontrast zwischen Ostküste und rückständigen Gebieten. Die Hauptrolle spielt Kris Kristofferson, im Mittelpunkt steht seine Liebe zu der Prostituierten Ella, die aber auch den Revolverhelden Nathan Champion liebt.
Obwohl der Film mit 209 Minuten Zeit genug hat, bleibt vieles unklar. Was macht eigentlich der von Kris Kristofferson verkörperte James Averill? Immer überaus elegant gekleidet wirkt er wie ein Fremdkörper. Er ist offenbar Jurist, zugleich ist der vornehme, reiche Harvard-Absolvent Marshall einer ärmlich Siedlung von Osteuropäern, denen von Viehbaronen zugesetzt wird. Dieser sehr interessante geschichtliche Hintergrund kommt leider etwas zu kurz, man erfährt z.B. nicht, warum Präsident und Kavallerie auf Seiten der Viehzüchter stehen, die offensichtliches Unrecht begehen.
Kurz zusammengefasst besteht der Film aus der Harvard-Szene, einem sehr langen Mittelteil, in dem Averill oft Ella in ihrer abgelegenen Behausung besucht, in dem auch Champion Ella in ihrer abgelegenen Behausung besucht und sich bei den Dorfversammlungen auf der Rollschuhbahn ärmliche Osteuropäer in ihrer Muttersprache anbrüllen. Dann gibt es eine große Schlacht zwischen Siedlern und von den Viehbaronen angeheuerten Revolvermännern und ganz zum Schluss eine wortkarge Szene auf einer luxuriösen Jacht vor Rhode Island - 11Jahre später.
Die Personenzeichnung bleibt meist in Klischees stecken, selbst bei den Hauptfiguren bleibt vieles unklar: Warum setzt sich Averill überhaupt in dieser ärmlichen Gegend für die Siedler ein? Warum liebt er Ella? Warum liebt diese Nathan? Warum glaubt der, mit Averill befreundet zu sein?
Trotz gelungener einzelner Sequenzen insgesamt eher eine Enttäuschung. Gleich werde ich mir "Das Reich und die Herrlichkeit" ansehen und hoffe, dass dieser thematisch offenbar nicht unähnliche Film einen besseren Eindruck hinterlässt.

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